Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche

21.03.2017

Internationale Meeres- und Klimaforscher kommen am 27. März zu einem bisher einzigartigen Experiment am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg zusammen. Zwei Wochen lang wird das interdisziplinäre Expertenteam vom Wilhelmshavener ICBM Standort aus auf dem Jadebusen die hauchdünne Oberflächenschicht des Meeres auch in der Nacht untersuchen. Sie beeinflusst den Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean und wirkt sich auch auf das Klimageschehen aus.

Der größte Teil der Ozeane ist von dünnen natürlichen Häutchen, sogenannten Oberflächenfilmen, bedeckt. Angereichert mit organischen Verbindungen biologischen Ursprungs bilden sie eine turbulenzfreie Grenzschicht auf der Meeresoberfläche. Diese Schicht verlangsamt den Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre.


Dem Projektteam steht der Forschungskutter „Senckenberg“ des Wilhelmshavener Senckenberg Instituts zur Verfügung

Foto: Dr. Oliver Wurl/ ICBM


Zum Einsatz kommen eine sensorbestückte Spezial-Driftboje und ein ferngesteuerter Forschungskatamaran

Foto: Dr. Oliver Wurl/ ICBM

Und oft bietet sie ideale Lebensbedingungen für Mikroorganismen, die diesen Austausch zusätzlich aktiv beeinflussen können. Die Wissenschaftler des Projektteams vermuten, dass sich dieser Film bei Dunkelheit anders verhält als am Tag: Die Sonneneinstrahlung lässt zum Beispiel Mikroalgen Sauerstoff (O2) produzieren – die Ozeane steuern immerhin die Hälfte des Luftsauerstoffs auf der Erde bei.

Darüber hinaus nehmen die Meere ungefähr ein Drittel des von Menschen produzierten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) auf. Speziell nachts, so die Annahme, könnten allerdings atmende Mikroorganismen in der Grenzschicht in den Vordergrund treten, die ebenfalls CO2 produzieren.

In den kommenden zwei Wochen am Jadebusen geht es vor allem um folgende Fragen: Schwanken die Zusammensetzung und die Stoffwechselleistungen der Mikroben-Gemeinschaften im Tagesverlauf nennenswert? Und beeinflussen Sie tatsächlich in maßgeblicher Form den Gasaustausch von O2 und CO2 durch den Oberflächenfilm?

Außerdem interessiert die Wissenschaftler, inwieweit biologische, physikalische und (photo-) chemische Prozesse die Menge und Beschaffenheit feinster Schwebstoffe (Aerosole) über der Meeresoberfläche prägen – diese wirken sich auch auf die Wolkenbildung aus.

„Es ist das erste Mal, dass wir Oberflächenfilme auch nachts untersuchen, überdies international und fachübergreifend. Das wird eine Herausforderung, denn die Arbeit bei Dunkelheit auf See ist ohnehin nicht einfach“, erklärt Dr. Mariana Ribas Ribas, Ozeanographin in der Arbeitsgruppe (AG) Meeresoberflächen am ICBM. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Christian Stolle, der zudem am Institut für Ostseeforschung (IOW) forscht, hat sie das Projekt initiiert.

Die Idee für „MILAN“ (sea-surface microlayer functioning during the night) ist auf unkonventionelle Weise am Rande einer Fachtagung entstanden. „Normalerweise wirbt man Geld ein und führt dann ein Projekt durch. Hier lief es anders herum“, so Ribas Ribas weiter. Gemeinsam wolle man MILAN nun zu einem europäischen Projekt ausbauen.

Zum Team gehören Forscher aus Costa Rica, Dänemark, Großbritannien, Italien, Kroatien, Polen, Schweden und Spanien. Von deutscher Seite sind neben den Projektinitiatoren Ribas Ribas und Stolle sowie dem Leiter der durch den European Research Council (ERC Starting Grants) geförderten AG Meeresoberflächen, Dr. Oliver Wurl, weitere Wissenschaftler der Universität Oldenburg, des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Bremer Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig beteiligt.

Dem Projektteam steht der Forschungskutter „Senckenberg“ des Wilhelmshavener Senckenberg Instituts zur Verfügung. Von Bord des Schiffes aus soll neben einer sensorbestückten Spezial-Driftboje auch ein ferngesteuerter Forschungskatamaran der ICBM AG Meeresoberflächen zum Einsatz kommen: Er sammelt größere Mengen des Oberflächenfilms für Laboruntersuchungen ein. Zweckgebundene universitäre Mittel in begrenztem Umfang erlauben zudem den Einsatz des ICBM-Forschungsbootes „Otzum“.

MILAN beginnt am 27. März und endet vorerst am 13. April. Interessierte können dem Projekt über soziale Medien folgen: Es wird ein Blog unter http://icbm-auf-see.uni-oldenburg.de/category/home/fs-senckenberg/ eingerichtet, und Dr. Mariana Ribas Ribas wird nach Projektbeginn via Twitter unter dem Hashtag #MILANProject informieren.

Hinweis für Kolleginnen und Kollegen der Presse:
Kurzfristige Ausfahrten der Forschungsfahrzeuge bieten Gelegenheit zu Reportagen von See. Sollten Sie Interesse haben, von einer der Fahrten zu berichten, wenden Sie sich bitte an Dr. Sibet Riexinger (sibet.riexinger@uol.de, Telefon 0441/798-8113).

Weitere Informationen:

http://www.icbm.de/

Dr. Corinna Dahm-Brey | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert
25.03.2020 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Wie Pflanzen Berge formen
20.03.2020 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

Physiker der Arbeitsgruppe von Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock ist es in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Würzburg gelungen, einen „Trichter für Licht“ zu entwickeln, der bisher nicht geahnte Möglichkeiten zur Entwicklung von hypersensiblen Sensoren und neuen Technologien in der Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnet. Die Forschungsergebnisse wurden jüngst im renommierten Fachblatt Science veröffentlicht.

Der Rostocker Physikprofessor Alexander Szameit befasst sich seit seinem Studium mit den quantenoptischen Eigenschaften von Licht und seiner Wechselwirkung mit...

Im Focus: Junior scientists at the University of Rostock invent a funnel for light

Together with their colleagues from the University of Würzburg, physicists from the group of Professor Alexander Szameit at the University of Rostock have devised a “funnel” for photons. Their discovery was recently published in the renowned journal Science and holds great promise for novel ultra-sensitive detectors as well as innovative applications in telecommunications and information processing.

The quantum-optical properties of light and its interaction with matter has fascinated the Rostock professor Alexander Szameit since College.

Im Focus: Künstliche Intelligenz findet das optimale Werkstoffrezept

Die möglichen Eigenschaften nanostrukturierter Schichten sind zahllos – wie aber ohne langes Experimentieren die optimale finden? Ein Team der Materialforschung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat eine Abkürzung ausprobiert: Mit einem Machine-Learning-Algorithmus konnten die Forscher die strukturellen Eigenschaften einer solchen Schicht zuverlässig vorhersagen. Sie berichten in der neuen Fachzeitschrift „Communications Materials“ vom 26. März 2020.

Porös oder dicht, Säulen oder Fasern

Im Focus: Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert

Am 12. März 2020, 10.26 Uhr, ereignete sich in Südwestisland, ca. 5 km nordöstlich von Grindavík, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4.7, während eines längeren Erdbebenschwarms. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt dort ein neues Verfahren zur Überwachung des Untergrunds mithilfe von Telefonglasfaserkabeln getestet.

Ein von GFZ-Forschenden aus den Sektionen „Oberflächennahe Geophysik“ und „Geoenergie“ durchgeführtes Online-Monitoring, das Glasfaserkabel des isländischen...

Im Focus: Quantenoptiker zwingen Lichtteilchen, sich wie Elektronen zu verhalten

Auf der Basis theoretischer Überlegungen von Physikern der Universität Greifswald ist es Mitarbeitern der AG Festkörperoptik um Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock gelungen, photonische topologische Isolatoren als Lichtwellenleiter zu realisieren, in denen sich Photonen wie Elektronen verhalten, und somit fermionische Eigenschaften zeigen. Ihre Entdeckung wurde jüngst im renommierten Fachblatt „Nature Materials“ veröffentlicht.

Dass es elektronische topologische Isolatoren gibt – Festkörper die im Innern den elektrischen Strom nicht leiten, dafür aber umso besser über die Oberfläche –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

Wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt – komplett online

23.03.2020 | Veranstaltungen

UN World Water Day 22 March: Water and climate change - How cities and their inhabitants can counter the consequences

17.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltweit einzigartig: Neue Anlage zur Untersuchung von biogener Schwefelsäurekorrosion in Betrieb

27.03.2020 | Architektur Bauwesen

Schutzmasken aus dem 3D-Drucker

27.03.2020 | Materialwissenschaften

Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

27.03.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics