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Geschrumpfter Gigant: Insel-Dino Magyarosaurus war doch ein Zwerg

30.04.2010
Sauropode Dinosaurier wie der berühmte Brachiosaurus oder Argentinosaurus sind vor allem wegen ihrer gigantischen Körpermaße bekannt.

Eine internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Bonn hat anhand der Knochenstruktur von Fossilien herausgefunden, dass der sauropode Dinosaurier Magyarosaurus dacus, ein naher Verwandter des riesigen Argentinosaurus, niemals größer wurde als ein Pferd.

Der Grund: Magyarosaurus war ein Inselbewohner. Das beweist die Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1000781107) erscheinen ist.

1895 entdeckte die Schwester des exzentrischen Paläontologen Franz Baron Nopcsa auf dem Familienanwesen in Transilvanien kleine Dinosaurierknochen. Nopcsa interpretierte diese als die Überreste verzwergter Inselbewohner. Unter diesen Funden gehörten einige Knochen zu einem sauropoden Dinosaurier namens Magyarosaurus dacus, der von Nopcsa nach seiner Heimatland benannt wurde.

Das Team unter der Leitung von Koen Stein und Professor Dr. Martin Sander von der Universität Bonn hatte zu Studienzwecken die fossile Knochen des verzwergten Dinosauriers zersägt und deren Mikrostruktur studiert. „Es ist erstaunlich , dass die Mikroanatomie der Knochen nach 70 Millionen Jahren immer noch erhalten geblieben ist, so dass wir sie studieren können“, sagt Stein, der die Untersuchungen im Rahmen seiner Doktorarbeit durchgeführt hat. „Knochen ist ein lebendes Gewebe, und im Laufe des Lebens eines Tieres wird dieses kontinuierlich ab- und wieder aufgebaut.“ Menschen haben zum Beispiel ihr Skelett, bis sie ausgewachsen sind, einmal komplett resorbiert und durch neue Knochen ersetzt. Dies trifft auch für sauropode Dinosaurier zu. „Wir waren in der Lage, diese Erneuerungsmerkmale beim Magyarosaurus zu unterscheiden, um zu beweisen, dass der kleine Dinosaurier ausgewachsen war“, erklärt Koen Stein.

Ein Zwerg unter Giganten

Ob Magyarosaurus ein Zwerg war oder nicht, war Gegenstand vieler Diskussionen unter Paläontologen. Martin Sander, Sprecher der von der Deutschen Forschergemeinschaft (DFG) geförderten Sauropoden-Forschergruppe, sagt: „Ein Tier von der Größe eines Pferdes mag den meisten Menschen nicht wie ein Zwerg erscheinen, aber was Sauropoden betrifft, ist das winzig!“ Als Magyarosaurus Anfang des 20. Jahrhunderts in Transsilvanien – damals Teil des Österreichisch-Ungarischen Reiches – gefunden wurde, vermutete der Paläontologe Nopcsa zwar schon, Magyarosaurus sei ein verzwergter Insulaner, konnte es jedoch nicht beweisen. Mittlerweile gibt es viele Hinweise auf die Richtigkeit seiner Theorie, etwa die Fossilien von verzwergten Elefanten und Nilpferde, die auf Mittelmeerinseln wie Sizilien, Malta und Zypern gefunden werden.

Die Wissenschaft folgte jedoch erst einer anderen Fährte. Denn in den folgenden Jahrzehnten fanden andere Wissenschaftler am Ort der Entdeckung weitere große Sauropodenknochen und folgerten daraus, dass Magyarosaurus nur ein Jungtier war, während die größeren Knochen von ausgewachsenen Individuen stammten.

Die jetzt vorgelegte Studie brachte jedoch endgültig den Nachweis, dass Nopcsas Vermutung zutreffend war. „Unsere Studie zeigt, dass Dinosaurier auf Inseln denselben ökologischen und evolutiven Prozessen unterlegen haben wie heutige Säugetiere“, erklärt Martin Sander und fügt hinzu: „Wir konnten außerdem nachweisen, dass die dort gefundenen größeren Knochen zu einer anderen Saurier-Art gehören.“ Ob diese von verirrten Tieren stammen, die von Festland zur Insel schwammen, oder ob es die Vorfahren des verzwergten Magyarosaurus sind, bleibt jedoch weiter im Dunkeln der Vorzeit verborgen.

Bilder zu dieser Pressemitteilung finden Sie unter:
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/1xx-2010
Kontakt:
Steinmann-Institut, Bereich Paläontologie, Universität Bonn
Koen Stein, M.Sc.
Telefon: 0228-73-60051
E-Mail: koen_stein@yahoo.co.uk
Professor Dr. Martin Sander
Telefon: 0228-73-3105
E-Mail: martin.sander@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/1xx-2010

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