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Geovisualisierung in der Gesundheitsvorsorge an der FHWS dokumentiert Infektionswege und Hotspots

06.05.2020

Forschung, die Kommunikation raumzeitlicher Informationen sowie Wachsamkeit als wirksames Mittel gegen COVID-19

Während einer Pandemie wie aktuell COVID-19 suchen Menschen ihren Wohnort auf Karten und Visualisierungen, um zu prüfen, ob sie betroffen sind. Sie verfolgen, wo sich die Infektions-Hotspots befinden und sind froh, wenn diese nicht „ihre“ Region betreffen.


Grafik von COVID-19-Infektionen

(Grafik © Thomas Gründemann, Institut für Kartographie, TU Dresden)

Professor Dr. Mark Vetter ist einer der Experten, der Ergebnisse von Datenerhebungen systematisch und übersichtlich in Karten darstellt. Er ist tätig im Studiengang Geovisualisierung an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und trägt dazu bei, die Geovisualisierung in den Dienst der Gesundheitsvorsorge zu stellen.

Vetter, der auch dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kartographie angehört, wird im aktuellen Sommersemester gemeinsam mit Studierenden Karten mit Geoinformationssystemen im Rahmen der Verbreitung von Corona entwerfen. Auf ihnen wird die Verbreitung der Pandemie im räumlichen Kontext zu sehen sein.

Infektionswege sind dargestellt, Ballungsräume in Mitteleuropa lassen sich erkennen wie z.B. Ischgl, der Kreis Hohenlohe oder Heinsberg. Die Motivation, die Daten sichtbar zu machen und zuzuordnen, so Vetter, liege darin, räumliche Zusammenhänge herzustellen, um weitere Schritte in der Gesundheitsvorsorge vornehmen zu können.

Entscheidend sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit weiteren wissenschaftlichen Disziplinen wie der Medizin, der Pharmakologie und der Biologie, um aus den gewonnenen Erkenntnissen Lösungen entwickeln zu können.

Parallelen von Malaria und COVID-19

Erfahrungen zu diesem komplexen Procedere konnte Vetter im wissenschaftlichen Projekt sammeln, das eine ähnliche Ausgangslage und Aufgabenstellung wie COVID-19 hatte: Gemeinsam mit vier spanischen Fachkolleginnen und -kollegen der spanischen Universität Sevilla befassten sie sich mit der „raumzeitlichen Verbreitung von Malaria in Spanien im Kontext des globalen Wandels".

Über eine öffentlich zugängliche Plattform stellten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse der Bevölkerung zur Verfügung. Ihre Studie analysierte die räumlich-zeitliche Verteilung von Todesfällen und Krankheitsfällen, die durch einheimische und importierte Malaria in Spanien im 20. und 21. Jahrhundert verursacht wurden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten verschiedene Quellen aus Archiven, u.a. meteorologische Aufzeichnungen, Hygienemaßnahmen der Gesundheitsbehörden, Bevölkerungsdaten und physisch-geographische Landoberflächeninformationen.

Die Auswertungen zeigten, dass die Krankheit nicht gleichmäßig räumlich verteilt war. Die einheimische Malaria hatte in Spanien Aufschwungphasen erlebt, insbesondere in den Jahren 1917 bis 1922 und 1939 bis 1944, die von bewaffneten Konflikten, Bevölkerungsbewegungen und damit reduzierten Gesundheits- und Hygienebedingungen begleitet wurden.

Obwohl meteorologische Variablen bei diesen epidemischen Episoden keine Schlüsselrolle gespielt haben, hatten sie dazu beigetragen, indem sie geeignete Bedingungen für ihre Intensivierung geschaffen haben. Um die Treiber der Krankheit zu verstehen, so die Studie, seien zusammenhängende und detaillierte historische Studien erforderlich, die zum Rückgang und zur Beseitigung der Malaria in Europa und anderen gemäßigten Ländern geführt haben.

Aufrechterhaltung der Forschung und Wachsamkeit

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen ggf. als Parallele für die aktuelle Pandemie ziehen?

Die räumlich unterschiedlich ausgeprägten Krankheitsbilder der Malaria in Spanien wurden durch verschiedene Umweltfaktoren beeinflusst: sozioökonomischen und hygienischen Bedingungen einiger Regionen, das Vorhandensein verunreinigter Gewässer und die Verteilung der beiden historisch relevanten Arten von Mücken für die Übertragung von Malaria waren mitentscheidend für die Ausbreitung.

Hervorzuheben sei, so Vetter, dass die wirtschaftlichen Bedingungen, die 2008 zu Budgetkürzungen bei den Gesundheitssystemen einiger europäischer Länder, z.B. in Griechenlandführten, mit dem Wiederauftreten klimasensitiver Infektionskrankheiten, einschließlich Malaria, einhergingen.

„Obwohl das Risiko einer Übertragung von Malaria durch klimatische Faktoren beeinflusst werden könnte, gibt es andere Faktoren, die eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der Krankheit spielen. Unter diesen Faktoren können wir die Funktionsweise der Gesundheitssysteme, Änderungen bei der Landnutzung und Vorschriften im Zusammenhang mit Urbanisierung und Bau hervorheben, die in den meisten europäischen Ländern eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit für das Wiederauftreten von Malaria ermöglichen.“

Inwieweit Faktoren wie beispielsweise Investitionen in Gesundheitssysteme, die Nutzung der Ressource Boden, der Reiseverkehr, dass zunehmend enge Miteinander von Mensch und Tier, die Bewegungen von Völkern eine Rolle bei COVID-19 spielen, wird wissenschaftlich untersucht und in einen neuen Kontext gestellt.

Das Plädoyer der deutsch-spanischen Wissenschaftler: Die Vorgeschichte der Krankheit zeigt, wie wichtig es ist, die Wachsamkeit und die Forschung aufrechtzuerhalten. Die Kartografie bzw. Geovisualisierung kann als Wissenschaft und Technik der Darstellung und Kommunikation raumzeitlicher Informationen hierzu ihren Beitrag leisten.

Die Veröffentlichung der Studie wurde aus Mitteln der Hochschule unterstützt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Hochschule Würzburg-Schweinfurt
Studiengang Geovisualisierung
Professor Dr. Mark Vetter
Röntgenring 8
97070 Würzburg
0931-3511-8249
mark.vetter@fhws.de

Originalpublikation:

Spatiotemporal Distribution of Malaria in Spain in a Global Change Context https://www.mdpi.com/2073-4433/11/4/346

Katja Klein M.A. | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fhws.de

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