Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Georadar spürt archäologische Schätze auf

25.08.2008
Römischer Gutshof mit Nebengebäuden in Osttirol entdeckt

Mit Hilfe von Georadar haben Innsbrucker und Wiener Archäologen in Oberlienz einen römischen Gutshof ausmachen können. Schon über längere Zeit vermuteten Forscher aufgrund zahlreicher Fundstücke eine römische Villa.

Florian Müller vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck hat gemeinsam mit Wolfgang Neubauer von der Universität Wien und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) im Vorjahr eine erste Probemessung mit Georadar durchgeführt.

"Bei Georadarmessungen wird mittels elektromagnetischer Wellen der Untergrund sondiert, und so können im Erdreich verborgene Strukturen wie Mauern, Hohlräume und Bodenniveaus exakt nach Größe und Tiefenlage erfasst werden", erklärt Neubauer im pressetext-Interview. Seit knapp zehn Jahren sei das ausgeklügelte System in der Form im Einsatz. "Wir sind damit weltweit im Einsatz und haben Vermessungen in Syrien, Ägypten und in China durchgeführt", erklärt der Experte.

Zunächst werden am Feld Radarantennen installiert, dann wird mit dem Gerät, das ähnlich aussieht wie ein Rasenmäher das Feld in genau abgesteckten Bahnen im Abstand von jeweils 25 Zentimeter abgefahren. "Das Ergebnis ist ein zweidimensionales Bild, das über eine Landkarte gelegt zunächst Umrisse sichtbar macht", so Neubauer. "Mit der an der ZAMG entwickelten Software kann man auch ein dreidimensionales Bild herstellen."

Im Falle des Osttiroler Fundortes hat das Forscherteam eine Wiese von insgesamt 14.000 Quadratmeter untersucht. Die Archäologen mussten in den drei Arbeitstagen mit dem Messgerät eine Strecke von annähernd 60 Kilometer zurücklegen. "Das Ergebnis war überraschend", so Müller gegenüber pressetext. "Es ließen sich eindeutig die Grundrisse einer Reihe von Gebäuden erkennen. Bei dem Komplex handelt es sich um eine typische 'villa rustica' - wie im römischen Reich ein landwirtschaftlicher Betrieb aus einem Hauptgebäude und mehreren Wirtschafts- und Nebengebäuden genannt wurde." Geplant sei nun, die gewonnenen Daten im Zuge einer archäologischen Interpretation genauer zu analysieren. "Dies wird dann die Grundlage für die Rekonstruktion und die Erstellung eines 3D-Modells der gesamten römischen Villenanlage von Oberlienz bilden", erklärt Müller.

Ob es zu einer vollständigen Ausgrabung kommen wird oder nicht, sei noch nicht geklärt. Die Archäologen sind jedenfalls stolz über den Fund. "In Tirol und in Osttirol gibt es sicherlich noch den einen oder anderen Fundort zu entdecken", meint der Forscher. Große Städte erwarten sich die Wissenschaftler zwar nicht, aber Gutshöfe oder Raststationen entlang der römischen Verkehrswege könnten schon noch darunter sein.

Der Bürgermeister der Gemeinde Oberlienz, Martin Huber, der zusammen mit zahlreichen Sponsoren die Forschungen der Innsbrucker Archäologen maßgeblich finanziell unterstützte, freut sich über die neuen Erkenntnisse. "Die Wiese wurde von den Einheimischen immer schon 'Schlossacker' genannt, und die Messungen bestätigen nun, dass hier einmal ein prunkvolles Gebäude gestanden sein muss." Die Villa von Oberlienz dürfte aufgrund ihrer Größe über den Eigenbedarf hinaus auch für einen regionalen Osttiroler Markt produziert haben. Die Bewirtschaftung erfolgte entweder direkt über den Hausherrn oder mit Hilfe eines Verwalters.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://uibk.ac.at/klassische-archaeologie
http://www.univie.ac.at/vias

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics