Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FS Polarstern startet Arktis-Saison

09.06.2016

Neue Geräte für die AWI-„Gärtner“: Ausbau des Tiefsee-Langzeitobservatoriums AWI-Hausgarten

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) starten mit dem Forschungsschiff Polarstern Richtung Spitzbergen, um neu entwickelte Geräte im Arktischen Ozean einzusetzen.


Bergung des autonomen Unterwasserfahrzeuges PAUL mit dem Helikopter aus dem Treibeis nach einem Untereis-Tauchgang.

Alfred-Wegener-Institut / Mascha Wurst

Autonome Messgeräte am Meeresboden, in der Wassersäule und in der Luft sollen die Langzeitmessungen der Tiefseegruppe ergänzen. So können die Forscher zukünftig mit höherer zeitlicher und räumlicher Auflösung die klimatischen Veränderungen in der Arktis und deren Auswirkungen auf die Lebewelt analysieren.

Erstmalig wird der autonom agierende Unterwasserroboter Tramper für ein Jahr am Meeresboden der Arktis ausgesetzt. „Das neu entwickelte Gerät soll dort wöchentlich Sauerstoff entlang von Tiefengradienten messen. So wollen wir quantifizieren, wie die sedimentbewohnenden Tiefseeorganismen die Biomasse am Meeresboden abbauen und als Nährstoffe wieder freisetzen“, erläutert Dr. Thomas Soltwedel, Tiefsee-Ökologe am AWI und Fahrtleiter der Expedition.

So wollen die Forscher eine Wissenslücke schließen: Wie sind klimabedingte Veränderungen in der Produktivität durch Algen an der Wasseroberfläche sowie im und unter dem Meereis zeitlich an den Export von Nährstoffen in die Tiefsee gekoppelt? Und wie stellen sich die Tiefseebewohner auf die vermutlich starke Variabilität bei der verfügbaren Nahrung ein?

Über dem Tramper am Tiefseeboden soll ein weiteres mobiles Messgerät zum Einsatz kommen: Das autonome Unterwasserfahrzeug (Autonomous Unterwater Vehicle, AUV) namens PAUL schwimmt auf vorprogrammiertem Kurs durch das freie Wasser, nimmt dort Proben und erfasst gleichzeitig eine breite Palette von Umweltfaktoren. Als kleines Labor ausgestattet, misst PAUL die Wassertemperatur, den Salzgehalt, die Konzentration von Nitrat, Chlorophyll a und Sauerstoff sowie verschiedener organischer Substanzen und die Intensität photosynthetisch aktiver Strahlung.

Zusätzlich sammelt PAUL Wasserproben, aus denen die Wissenschaftler die Kleinstlebewesen des Planktons filtern und bestimmen. Mit einem zusätzlich eingebauten akustischen Doppler-Strömungsmesser (ADCP) werden die physikalischen Eigenschaften entlang der Schmelzwassergrenze im Eisrandbereich des Arktischen Ozeans untersucht.

Um genau nachvollziehen zu können, wie die Eisverhältnisse über der Messroute von PAUL aussehen, kommen autonome Fluggeräte zum Einsatz. Die sogenannten UAV (Unmanned Aerial Vehicle) zeichnen neben der Eisbedeckung auch die Dicke der Schneeauflage auf. So kann beispielsweise bilanziert werden, welcher Anteil der Sonneneinstrahlung als Energie im Ozean unter dem Eis ankommt. Eines der UAV platziert GPS-Sender auf dem Meereis, um dessen Drift zu erfassen. Die aufgezeichneten Daten werden zur Programmierung der Route des autonomen Unterwasserfahrzeugs heran gezogen.

Die neu entwickelten Geräte ergänzen die Langzeitmessungen, die die Helmholtz-Max-Planck-Brückengruppe für Tiefsee-Technologie und –Ökologie seit über 15 Jahren im sogenannten AWI-Hausgarten zwischen Spitzbergen und Grönland durchführen. Mittel der Helmholtz-Infrastrukturmaßnahme FRAM (Frontiers in Arctic marine Monitoring) werden genutzt, um die Langzeituntersuchungen am AWI-Hausgarten zu verbessern und auszuweiten.

Bevor die Polarstern in den Hausgarten fährt, nutzen zwei italienische Arbeitsgruppen die Reise von Bremerhaven in den Norden für ihre Forschung. Südlich der Inselgruppe stehen die geodynamischen und hydrographischen Verhältnisse sowie Gasaustritte am Boden des Kveithola Grabens im Mittelpunkt des Forschungsprogramms. Ein weiterer Fokus liegt auf der Erforschung räumlicher und zeitlicher Veränderungen in den tiefen Meeresströmungen südwestlich von Spitzbergen. Beide Projekte werden im Rahmen des EU-Eurofleets-Programms durchgeführt.

FS Polarstern wird Bremerhaven am Montag, den 13. Juni 2016 mit dem Abendhochwasser gegen 19:00 Uhr verlassen. Ein Großteil der knapp 50 wissenschaftlichen Fahrtteilnehmer steigt bei einem kurzen Zwischenstopp am 23. Juni in Longyearbyen, Spitzbergen, aus. Dort gehen die Tiefseeforscher an Bord, deren Expedition am 16. Juli im norwegischen Tromsø endet. Anschließend nimmt Polarstern mit ozeanographischem Schwerpunkt Kurs Richtung Grönland, wo die Wechselwirkungen zwischen dem Ozean und einem Gletscher bei 79 Grad Nord untersucht werden. Die letzte Arktisexpedition des Jahres 2016 führt dann in die Zentralarktis, bevor das Forschungsschiff Ende Oktober in seinem Heimathafen Bremerhaven zurückerwartet wird.

Hinweise für Redaktionen:

Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner ist Dr. Thomas Soltwedel, Tel. 0471 4831-1775 (E-Mail: Thomas.Soltwedel(at)awi.de).

Ihre Ansprechpartnerin in der Abteilung Kommunikation und Medien ist Dr. Folke Mehrtens, Tel. 0471 4831-2007 (E-Mail: Folke.Mehrtens(at)awi.de).

Druckbare Bilder finden Sie in der Online-Version dieser Pressemitteilung unter http://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse.html.

Das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics