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Forscher durchleuchten Sachsens Untergrund

13.07.2012
Mit modernster 3D-Seismik wollen Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG, Hannover) den Untergrund des westlichen Erzgebirges in bis zu 6 km Tiefe durchleuchten.
Mitte August beginnt die 12-wöchige geophysikalische Messkampagne in Schneeberg / Sachsen. Am 24.7.2012 findet um 13 Uhr im Kulturzentrum Schneeberg ein Informationstreffen für kommunale Verantwortungsträger und Pressevertreter statt.

Für das Projekt „3D-seismische Messungen im Kristallin in Sachsen zur strukturellen Klassifizierung des geothermischen Reservoirs“* hat das LIAG Forschungsmittel in Höhe von ca. 5 Millionen Euro vom Bundesumweltministerium (BMU) eingeworben. Das renommierte Essener Unternehmen DMT ist vom LIAG mit der operativen Durchführung der Messung betraut worden, die Firmen Celler Brunnenbau und IPS aus Celle sind zudem im Unterauftrag tätig. Die Datenauswertung und Interpretation machen die Hannoveraner Forscher selbst, arbeiten jedoch eng mit Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg und dem Geologischen Dienst von Sachsen zusammen.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, zu erkunden, ob sich tiefe Erdwärme in sogenannten Kristallin-Gebieten nutzen lässt, in denen der Untergrund aus Granit, Gneis und ähnlichen Gesteinen besteht. Dies wiederum hängt grundlegend und entscheidend davon ab, ob mit den Methoden der Seismik ein verlässliches und informationsreiches Abbild des Untergrundes erzeugt werden kann. „Das ist alles andere als Standard“, sagt Dr. Hartwig von Hartmann, der die Datenauswertung am LIAG durchführen wird. “Strukturen im kristallinen Grundgebirge herausarbeiten - da ist man an der Forschungsfront und zwar sowohl beim Datenprozessing als auch bei der Interpretation.“ Die im Projekt gewonnen, wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Seismik-Auswertung werden auch exemplarisch für andere Kristallin-Gebiete, z.B. Schwarzwald, Bayerischer Wald und Spessart sein.

Mit dem 3D-Seismik-Projekt erweitert das Institut seine Forschungsarbeiten für die tiefe Geothermie auf den komplex gebauten Kristallin-Untergrund und erschließt damit ein völlig neues Arbeitsfeld der Geothermie-Forschung in Deutschland. Bislang waren Geothermie-Projekte mit seismischen Methoden meist in Gebieten mit mächtigen Sedimentgesteinen untersucht worden, z.B. Bayerisches Voralpenland, Norddeutsches Tiefland und Oberrheingraben. „Kristallin-Gebiete für die Tiefengeothermie nutzbar zu machen, wäre für diese Zukunftsenergie ein großer Schritt nach vorne“, sagt Projektleiter Dr. Rüdiger Schulz vom LIAG, „und die Seismik ist vielleicht der einzige Schlüssel für den Zugang zum Kristallin in der Tiefe.“

Konkret kommen in Sachsen zwei verschiedene seismische Messverfahren zum Einsatz.

Lageplan des Messgebietes. 3D-Seismik im blauen Quadrat, weitere Messungen innerhalb der Schlagkreise. Quelle: LIAG, Hannover

1. Flächendeckend werden im Raum Schneeberg 3D-vibrationsseismische Messungen mit drei schweren Vibrator-Trucks und zig-tausenden von ausgelegten Geophonen durchgeführt.

Parallel dazu wird
2. kreisförmig um das zentrale 3D-Messgebiet herum an 24 Lokationen Sprengseismik in Bohrlöchern durchgeführt.

Die Lage des Messgebietes und die Positionskreise für die Sprengseismik sind im beiliegenden Plan eingezeichnet. Detailliertere Informationen, Bilder und Grafiken sind den beigefügten Info-Flyern zu entnehmen. Siehe auch im Internet: www.liag-hannover.de/aktuelles.html unter „Messeinsätze“.

„Bereits im Januar haben wir mit der Planung und der umfassenden Information der lokalen Verantwortungsträger und der Bevölkerung begonnen“, sagt Dr. Ewald Lüschen, der für die Messung verantwortliche Geophysiker des LIAG, „und das tun wir auch weiter. Während der Messungen sind wir ständig vor Ort und ansprechbar.“

Das Institut bittet die Bevölkerung im Erzgebirge um die wohlwollende Unterstützung seines Forschungsvorhabens. Es wird seinerseits über die Arbeitsfortschritte und Ergebnisse zeitnah in den örtlichen Medien und bei Informationsveranstaltungen berichten.

Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik mit Sitz in Hannover, kurz LIAG, ist ein eigenständiges Forschungsinstitut. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird als Einrichtung von überregionaler Bedeutung von Bund und Ländern gemeinsam finanziert. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Aufgabe, Strukturen, Zustände und Prozesse im anthropogen beeinflussbaren Untergrund zu untersuchen sowie zur Lösung dieser Fragestellungen neue Gerätesysteme, Messmethoden und Interpretationsverfahren zu entwickeln.
Das Institut schaut auf über 50 Jahre Erfahrung in der Geothermie-Forschung zurück, es ist die Adresse in Deutschland für Geothermie-Kompetenz und Temperaturdaten aus dem tiefen Untergrund. Es betreibt ein öffentlich zugängliches Geothermisches Informationssystem (www.GeotIS.de).

Weitere Information zum Forschungsprojekt:
http://www.liag-hannover.de/forschungsschwerpunkte/geothermische-energie/seismik-im-kristallin-sachsen-siks.html

Grafik: Lageplan des Messgebietes.
3D-Seismik im blauen Quadrat, weitere Messungen innerhalb der Schlagkreise.
*) Der ausführliche Projekttitel lautet: "Verbundprojekt Seismik im Kristallin: 3D-seismische Messungen im Kristallin unter besonderer Berücksichtigung lithologischer und struktureller Klassifizierungen des geothermischen Reservoirs durch seismische Attributanalysen" Förderkennzeichen: 0325363A

Kontakt
Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG), Hannover http://www.liag-hannover.de

Dr. Rüdiger Schulz
e-mail: ruediger.schulz@liag-hannover.de Tel: 0511-643 3468
- Projektleitung -

Dr. Rüdiger Thomas
e-mail: ruediger.thomas@liag-hannover.de Tel: 0511-643 3456
- Koordination Forschungsschwerpunkt Geothermische Energie -

Dr. Hartwig von Hartmann
e-mail: hartwig.von-hartmann@liag-hannover.de Tel: 0511-643 2929
- 3D-Seismikauswertung -

Dr. Ewald Lüschen
e-mail: ewald.lueschen@liag-hannover.de Tel: 0511-643 2320
- 3D-Seismikmessung - im Gelände - mobil: 0171-364 7569

Franz Binot | idw
Weitere Informationen:
http://www.liag-hannover.de

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