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Erste Bernsteinfossilien Afrikas entdeckt

06.04.2010
Göttinger Paläontologe leitet Untersuchung

Älteste bekannte Ameise des Kontinents gefunden - Göttinger Paläontologe untersucht mit internationalem Forscherteam Baumharz aus Äthiopien


Baldachinspinne in äthiopischen Bernstein
Universität Göttingen/PNAS

Ein internationales Forscherteam hat erstmalig in Afrika in Bernstein eingeschlossene fossile Insekten, Spinnentiere, Pflanzenreste sowie mikroskopisch kleine Pilze, Bakterien und Fadenwürmer entdeckt. Sie stammen aus den Wäldern Äthiopiens und sind rund 95 Millionen Jahre alt.

Die Funde aus der Kreidezeit gehören zu den frühesten Fossilbelegen vieler Arten, darunter die älteste bekannte Ameise Afrikas und die älteste bekannte Baldachinspinne des Kontinents. Privatdozent Dr. Alexander Schmidt vom Courant Forschungszentrum "Geobiologie" der Universität Göttingen hat die Untersuchungen geleitet. Die Ergebnisse werden am 5. April 2010 oder in den darauffolgenden Tagen in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Acadamy of Sciences of the United States of America" veröffentlicht.

Die meisten Bernsteinvorkommen sind aus Nordamerika und Eurasien überliefert. Auf den südlichen Kontinenten, die in der Erdgeschichte zum Großkontinent Gondwana vereinigt waren, ist bisher nur selten Bernstein gefunden worden. Die 62 Bernsteinstücke, die das Team von 20 Wissenschaftlern aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Äthiopien, Italien, Großbritannien und den USA untersucht hat, stammen vom Nordwestplateau Äthiopiens. Die Forscher analysierten das Baumharz und seine Einschlüsse sowie die geologischen Rahmenbedingungen, um das damalige Ökosystem zu rekonstruieren und zu datieren.

"In der Kreidezeit wuchsen in Äthiopien tropische Wälder, in denen viel Harz von den Bäumen tropfte", so der Göttinger Paläontologe Dr. Alexander Schmidt. Daraus wurde im Laufe der Jahrmillionen durch chemische und physikalische Veränderungen Bernstein. "Der von uns untersuchte Bernstein ist außergewöhnlich klar und farbintensiv. Die meisten Stücke sind bis zu fünf Zentimeter groß; einige erreichen eine Größe von bis zu 25 Zentimetern", erklärt Dr. Schmidt. Der äthiopische Bernstein konservierte Zeitzeugen einer erdgeschichtlichen Epoche im Wandel: In der Kreidezeit entfalteten sich die Blütenpflanzen und veränderten durch ihre gemeinsame Evolution mit Insekten und vielen anderen Organismengruppen die Ökosysteme auf dem Festland nachhaltig.

Unter den im Baumharz eingeschlossenen Insekten fanden die Wissenschaftler parasitische, räuberische und von der Zersetzung organischen Materials lebende Arten. Hierzu zählen Vertreter von 13 Insektenfamilien, darunter Hautflügler, Fransenflügler, Staubläuse, Zorapteren, Pflanzenläuse und Springschwänze sowie Reste von Motten und Käfern. Reste von Blütenpflanzen und Farnen sind ebenso in den Bernstein-Funden eingeschlossen wie parasitische Pilze, die auf den harzenden Bäumen lebten und ihrerseits als Nahrungsgrundlage für Insekten dienten. "Nun geht es darum, die einzelnen Fossilien detailliert auszuwerten; hiervon sind zahlreiche neue Einblicke in die Evolution verschiedener Organismengruppen zu erwarten", so Dr. Schmidt. Der Wissenschaftler leitet seit Juli 2008 eine Nachwuchsgruppe am Courant Forschungszentrum "Geobiologie", das aus Mitteln der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gefördert wird.

Originalveröffentlichung:
Alexander R. Schmidt et al., Cretaceous African life captured in amber, Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, PNAS Early edition, 5. April 2010, DOI 2010-00948R
Kontaktadresse:
PD Dr. Alexander Schmidt
Georg-August-Universität Göttingen
Courant Forschungszentrum Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-7957
E-Mail: alexander.schmidt@geo.uni-goettingen.de

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/102706.html
http://www.uni-goettingen.de/de/149230.html

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