Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entdeckung der Grenze zwischen der Arabischen und der Indischen Platte

27.01.2011
Einige Plattengrenzen in der Tiefsee sind noch heute unbekannt. Dank der "Owen" Expedition im Jahr 2009 gelang es einem Forscherteam des Instituts für Geowissenschaften Paris (iSTeP, CNRS-INSU, UPMC), des Labors für Geologie des ENS (CNRS-INSU, ENS) und des Géoazur (CNRS-INSU, IRD) die Grenze zwischen der arabischen und der indischen Platte zu definieren. Die Forscher stützten sich bei ihrer Arbeit auf ein hochauflösendes Tiefseelot an Bord des Forschungsschiffes Beautemps-Beaupré.

Die bathymetrischen Daten brachten ein bislang unbekanntes Verwerfungssystem ans Licht, das sich über mehr als 800 km im Nordwesten des Indischen Ozeans erstreckt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift Earth and Planetary Science Letter veröffentlicht.

Die arabische und die indische Platte gleiten in Höhe der Owen Fracture Zone (Owen-Bruchzone) im Indischen Ozean aneinander vorbei. Die Owen-Bruchzone gehört wie die San-Andreas-Spalte in Kalifornien zu den wichtigsten Plattengrenzen. Diese Zone zeichnet sich durch eine geringe Seismizität und eine Falte aus, die sich bis zu 2000 m über den Ozeanboden erhebt. Die arabische Platte bewegt sich, etwas schneller als die indische Platte, mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 4 mm pro Jahr nach Norden.

Die bathymetrischen Daten zeigen ein spektakuläres System von aktiven Verwerfungen, das den Owen-Rücken spaltet und ihn sowohl zum südlichsten Punkt als auch in die Mitte verschiebt (d.h., dass sich der östliche Block der Verwerfung nach Süden verschiebt). Die gesamte Verschiebung erreicht 10 bis 12 km. Mit Hilfe einer Extrapolation der aktuellen Verschiebung von 3 ± 1 mm pro Jahr könnte die Verschiebung der letzten 3 bis 6 Millionen Jahren berechnet werden. Diese winzige Verschiebung ist ein Beweis dafür, dass diese Verwerfungen sich auf der geologischen Zeitskala erst vor relativ kurzer Zeit gebildet haben.

Besonders an der westlichen Seite des Owen-Rückens sind zahlreiche Spuren von Erdrutschen zu beobachten, die wahrscheinlich durch Erdbeben entlang der Owen-Bruchzone ausgelöst wurden. Aufgrund ihres großen Volumens sind diese Verschiebungen eine potenzielle Quelle für Tsunamis an den benachbarten Küsten von Oman.

Mit Hilfe dieser Studie konnte ein bislang unbekanntes System aktiver Verwerfungen auf einer Länge von 800 km entdeckt werden, das mit riesigen Erdrutschen an der Grenze zur arabischen und zur indischen Platte verbunden ist. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse müssen das seismische und das Tsunami-Risiko im Indischen Ozean neu bewertet werden.

Weitere Information unter:
Campagne OWEN: http://www.insu.cnrs.fr/co/expeditions-et-campagnes/owen
Quelle:
- "La frontière de plaque Arabie-Inde dévoilée", Pressemitteilung des CNRS - 21.01.2011 - http://www.insu.cnrs.fr/a3683,frontiere-plaque-arabie-inde-devoilee.html

Redakteurin: Myrina Meunier, myrina.meunier@diplomatie.gouv.fr

Marie de Chalup | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics