Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Engpass bei mittelgroßen Forschungsschiffen

16.11.2010
Gutachten des Wissenschaftsrates stößt bei Kieler Meeresforschern auf Unverständnis

Die vom Wissenschaftsrat abgegebenen Empfehlungen zur Zukunft der deutschen Forschungsflotte stößt beim Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) auf Unverständnis.

Das Gutachten empfiehlt zwar die Erneuerung der Forschungsschiffe POLARSTERN und METEOR, lässt allerdings die Zukunft des schon 34 Jahre alten Forschungsschiffes POSEIDON offen, das für die deutsche Meeresforschung in den europäischen Randmeeren von elementarer Bedeutung ist.

Ein vom Bundesforschungsministerium beim Wissenschaftsrat in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere im Bereich der Polarforschung erweiterte Schiffskapazitäten bereit gestellt werden müssen und empfiehlt den Parallelbetrieb von zwei Forschungseisbrechern. Ferner wird auch die zukünftige Erneuerung der 24 Jahre alten METEOR empfohlen. Die Zukunft des mehr als 34 Jahre alten Kieler Forschungsschiffes POSEIDON bleibt allerdings offen.

„Gerade die mittelgroßen hochseegängigen Schiffe, wie die POSEIDON, sind von ihrer Flexibilität und ihrem guten Kosten-Nutzen-Faktor her ein unverzichtbares Element für die deutsche Meeresforschung“, äußert sich der Direktor des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), Professor Peter Herzig. „Hier hatten wir vom Wissenschaftsrat klare Signale für die Ersatzbeschaffung der POSEIDON erwartet“, so Herzig weiter. Die in den europäischen Randmeeren operierende POSEIDON ist den steigenden Anforderungen der modernen Meeresforschung nicht mehr gewachsen. Rein konstruktiv sind die Einsatzmöglichkeiten von Großgeräten sehr beschränkt, da das Schiff nicht über ausreichende Containerstellplätze, Krankapazität sowie ein dynamisches Positionierungssystem verfügt.

Neben der MARIA S. MERIAN ist die POSEIDON das einzige verbleibende Schiff, das im gesamten Nordatlantik und seinen Randmeeren operiert, einem Hauptarbeitsgebiet der deutschen Meeresforscher. „Hier laufen wir mittelfristig in einen Kapazitätsengpass, zumal in den vergangenen Jahren mit VALDIVIA und ALEXANDER VON HUMBOLDT zwei Schiffe dieser Klasse stillgelegt wurden“, so Professor Herzig. „Wir müssen jetzt schon Schiffe chartern, um die Bedarfe zu decken, stattdessen spricht der Wissenschaftsrat von Überkapazitäten im Bereich der mittelgroßen Forschungsschiffe“.

Nach Ansicht von Professor Herzig ist die Aussage des Gutachtens gerade für die mittelgroßen Schiffseinheiten nicht schlüssig. „Einerseits wird von Überkapazitäten gesprochen, andererseits mit der nur in der Küstenforschung einsetzbaren SCHWEDENECK ein relativ altes Schiff der Bundesmarine in die Forschungsflotte integriert. Dies hilft uns in der europäischen Randmeerforschung nicht weiter. Insofern sind wir enttäuscht, dass der Wissenschaftsrat hier kein klares Signal gegeben hat, obwohl sich die norddeutschen Bundesländer schon über einen Ersatz der POSEIDON verständigt hatten. Auf der einen Seite wolle man mit der Überführung des IFM-GEOMAR in die Helmholtz Gemeinschaft die Meeresforschung als gesamtstaatliche Aufgabe stärken, andererseits beschneidet man gerade einem ozeanisch orientierten Institut hier die Arbeitsmöglichkeiten“.

Auch die Überlegung, das neue Tiefseeforschungsschiff SONNE, mit dessen Bau in Kürze begonnen wird, nicht am zukünftigen Kieler „Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung“ anzusiedeln, kann Professor Herzig nicht nachvollziehen. „Wir sind allerdings optimistisch, dass das vom Wissenschaftsrat empfohlene ‚Zentrum für Tiefseetechnologien’ an das IFM-GEOMAR kommt“.

„Wir hoffen auf eine konstruktive Diskussion der Empfehlungen des Wissenschaftsrates mit allen Beteiligten, um den Bedürfnissen der gesamten Deutschen Meeresforschung letztendlich gerecht zu werden“, resümiert Herzig.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Herzig, Tel. 0431 600-2800, pherzig@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit IFM-GEOMAR), Tel. 0431 600-2802, avillwock@ifm-geomar.de

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=schiffe
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics