Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eiszeiten beschleunigen die Erosion

19.12.2013
Vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Forschende der Universität Lausanne und der ETH Zürich können nachweisen, dass die Zunahme von Erosionsphänomenen im Lauf der letzten Millionen Jahre auf Eiszeiten zurückzuführen ist. Ihre Studie gibt die Antwort auf eine seit über zwanzig Jahren heftig diskutierte Frage.

Während der letzten Jahrmillionen hat die Erde eine Reihe von Eiszeiten erlebt. Gleichzeitig hat die Erosion weltweit massiv zugenommen. Sind die Eiszeiten hierfür die Ursache? Oder ist die Erosion vielmehr das Ergebnis tektonischer Aktivitäten?

Diese Frage bewegt die Erdwissenschaftler seit nunmehr zwanzig Jahren. Eine Studie (*), die vor kurzem von einem Team Forschender um Frédéric Herman von der Universität Lausanne veröffentlicht wurde, lässt den Schluss zu, dass es die Eiszeiten sind, die zur Zunahme der Erosion geführt haben.

Durch das Zusammentragen und die Interpretation von etwa 18'000 thermochronologischen Daten aus lokalen Studien konnte das Team globale Daten zur mittleren Erosionsgeschwindigkeit der Reliefs in klimatischen Kaltphasen gewinnen. Die Daten zeigen, dass sich die Erosionsprozesse nach dem Beginn der Eiszeiten nicht nur beschleunigt haben, sondern dass diese Beschleunigung deutlich ausgeprägter in polnahen Gebieten und hochgelegenen Regionen erfolgt ist, in denen sich die meisten Gletscher befinden.

Mühevolle Kleinarbeit

Die Zusammenführung der lokalen Studien stellte Frédéric Herman zufolge eine mühevolle Kleinarbeit dar. "Wir haben vor vier Jahren begonnen", sagt er. "Unser Hauptbeitrag besteht darin, dass wir alle diese Daten erfasst und eine neuartige Interpretationsmethode auf sie angewendet haben, mit der wir das Phänomen, dass Gesteine aus der Tiefe an die Oberfläche gebracht werden, besser modellieren können."

Die Studie fusst auf der Thermochronologie, einer seit etwa dreissig Jahren angewandten Datierungsmethode. Ihr liegt ein einfaches Prinzip zugrunde: Je mehr ein Gestein sich der Oberfläche nähert, desto mehr nimmt seine Temperatur ab. Diese thermische Entwicklung ist in Mineralien wie Zirkon und Apatit gespeichert. Dank der Kenntnis der thermischen Geschichte dieser Mineralien (d.h. ihres Alters bei Erreichen einer bestimmten Temperatur) können die Forschenden berechnen, wie lange es gedauert hat, bis das Gestein, das die Mineralien enthält, an die Oberfläche gelangt ist. Daraus lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die Erosionsgeschwindigkeit ziehen.

Erosion und CO2-Zyklus

Die Ergebnisse der Studie dürften auch das Verständnis des Zusammenhangs zwischen der Erosion und dem CO2-Zyklus verbessern. "Je mehr ein Gestein in kleine Stücke zerfällt, desto mehr reagieren diese chemisch mit der Atmosphäre und transportieren CO2, um es auf dem Grund der Ozeane zu binden. Die Tatsache, dass die Eiszeiten den Erosionsprozess beschleunigt haben, macht sie zu einem Faktor bei der komplexen Bewertung des Kohlendioxids als Treibhausgas und seiner Entwicklung im Laufe der Erdzeitalter", sagt Frédéric Herman. Dies ist ein wichtiger Aspekt in einer Zeit, in der zahlreiche Anstrengungen unternommen werden, um die Entwicklung des Klimas und der Treibhausgase bestmöglich zu modellieren.

(*)Frédéric Herman, Diane Seward, Pierre G. Valla, Andrew Carter, Barry Kohn, Sean D. Willett und Todd A. Ehlers (2013).
Worldwide acceleration of mountain erosion under a cooling climate. Nature online: doi: DOI: 10.1038/nature12877

(Für Medienvertreter als PDF-Datei beim SNF erhältlich: com@snf.ch)

Kontakt
Prof. Frédéric Herman
Institut des sciences de la terre
Universität Lausanne
CH-1015 Lausanne
Tel.: +41 21 692 44 24
E-Mail: Frederic.Herman@unil.ch

Medien - Abteilung Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics