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Die Klimaerwärmung "wegatmen"?

28.02.2018

Neuentdeckte Schwefelmikroben sind wichtig für den Kohlenstoffkreislauf der Erde

Natürliche Feuchtgebiete, wie zum Beispiel Moore, gelten als ein wichtiger Faktor bei den Ursachen und Auswirkungen der Klimaerwärmung. Diese binden mehr Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre als sie freisetzen. Gleichzeitig sind sie aber für etwa 30 Prozent der weltweiten Emissionen des weitaus stärkeren Treibhausgases Methan verantwortlich.


Das Schlöppnerbrunnen-Moor im bayerischen Fichtelgebirge.

Copyright: Universität Wien


Im Schlöppnerbrunnen-Moor im Fichtelgebirge (Deutschland) wurden neue Schwefelbakterien entdeckt.

Copyright: Universität Wien

Sogenannte sulfatreduzierende Bakterien verarbeiten Sulfat zur Energiegewinnung und nehmen in diesem Prozess eine wichtige Kontrollfunktion ein. Sie stehen mit methanbildenden Archaeen in einem andauernden Wettstreit um Nährstoffe und verhindern dadurch, dass noch weitaus mehr Methan gebildet wird und sich damit das Klima weiter erwärmt.

Bakterien, die in Mooren Sulfat atmen

In ihrer aktuellen Studie haben ForscherInnen der Universität Wien die mikrobielle Lebensgemeinschaft (das Mikrobiom) in einem Moorgebiet im bayerischen Fichtelgebirge mittels modernster systembiologischer Methoden der Mikrobiomforschung untersucht und sind dabei auf völlig neue Erkenntnisse über die Vielfalt und Ökologie der sulfatreduzierenden Mikroorganismen gestoßen:

"Eine der am weitesten verbreiteten und häufigsten Bakteriengruppen in Böden sind Acidobacteria", erklärt der Mikrobiologe und Erstautor der Studie, Bela Hausmann. "Durch ihre Beteiligung am Abbau organischer Biomasse spielen sie eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf. Wir haben erstmals Acidobacteria-Arten entdeckt, die zusätzlich die genetische Fähigkeit zur Sulfatatmung besitzen".

Diese metabolische Vielseitigkeit könnte es den neu entdeckten Schwefelbakterien ermöglichen, besonders effektiv mit methanbildenden Archaeen zu konkurrieren und somit die Bildung von Methan zu verhindern.

Kein Einzelfall

Die Fähigkeit zur Sulfatatmung ist in den verschiedenen Mikrobengruppen viel weiter verbreitet als bislang bekannt, wie eine weitere Studie unter Leitung von Jillian Banfield von der University of California, Berkeley, mit Beteiligung von Bela Hausmann und Alexander Loy von der Universität Wien bestätigt.

"Die Methoden der Mikrobiomforschung werden immer weiter entwickelt und ermöglichen faszinierende Einblicke in die Vielfalt und genetische Ausstattung von komplexen Mikrobengemeinschaften in der Umwelt – aber auch uns Menschen", resümiert Loy. "Aber erst weitere Forschung wird detaillierte Einblicke in den Metabolismus der hier neu entdeckten Schwefelbakterien und -archaeen liefern und beweisen, wie relevant sie in der Umwelt wirklich sind."

Publikationen in The ISME Journal
Hausmann B, Pelikan C, Herbold CW, Köstlbacher S, Albertsen M, Eichorst SA, Glavina del Rio T, Huemer M, Nielsen PH, Rattei T, Stingl U, Tringe SG, Trojan D, Wentrup C, Woebken D, Pester M, Loy A. Peatland Acidobacteria with a dissimilatory sulfur metabolism. The ISME Journal (2018).
DOI: 10.1038/s41396-018-0077-1

Anantharaman K, Hausmann B, Jungbluth SP, Kantor RS, Lavy A, Warren LA, Rappé MS, Pester M, Loy A, Thomas BC, Banfield JF. Expanded diversity of microbial groups that shape the dissimilatory sulfur cycle. The ISME Journal (2018).
DOI: 10.1038/s41396-018-0078-0

Weiterführende Links
Forschungsgruppe von Alexander Loy:
http://www.microbial-ecology.net/people/alexander-loy

Abteilung für Mikrobielle Ökologie:
http://www.microbial-ecology.net/

Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Fakultät für Lebenswissenschaften:
http://dmes.univie.ac.at/

Forschungsverbund Chemistry meets Microbiology:
http://cmm.univie.ac.at

Wissenschaftliche Kontakte
Univ.-Prof. Dr. Alexander Loy
Forschungsverbund Chemistry meets Microbiology
Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung
Forschungsverbund Chemistry meets Microbiology
Universität Wien
1090 Wien, Althanstrasse 14
T +43 1 4277 766 05
alexander.loy@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Stephan Brodicky
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 41
stephan.brodicky@univie.ac.at

Offen für Neues. Seit 1365.
Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.500 MitarbeiterInnen, davon 6.600 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 94.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit 174 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. http://www.univie.ac.at

Stephan Brodicky | Universität Wien

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