Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Detaillierte Analyse der Veränderungen am antarktischen Eisschild

08.02.2019

Antarktischer Eisschild: Neuartige Analyse von Satellitendaten zeigt detailliert die Veränderungen der vergangenen 40 Jahre

Seit den späten 1970er-Jahren vermessen Satelliten die Oberfläche der Ozeane und der großen eisbedeckten Gebiete der Erde.


Der Antarktische Eisschild im Gebiet der Schirmacheroase, Ostantarktis. Expedition der TUD mit Messungen zur Kalibrierung von Satellitendaten im Januar 2015

Ludwig Schröder

Ein Wissenschaftlerteam unter Federführung der Professur für Geodätische Erdsystemforschung der TU Dresden hat nun erstmals die Daten von sieben sogenannten Altimetersatelliten zur Höhenmessung gemeinsam ausgewertet, um die Veränderungen des Antarktischen Eisschildes über einen Zeitraum von 40 Jahren zu bestimmen.

Bisherige Studien hatten die einzelne Satellitenmissionen meist isoliert voneinander betrachtet. Die Datensätze wurden nun miteinander kombiniert, alte Messungen darüber hinaus mit modernen Methoden neu ausgewertet.

In einem aufwändigen Verfahren mussten die verschiedenen Radar- oder Lasermessungen gegenseitig kalibriert und dabei die unterschiedlichen Auflösungen der Sensoren berücksichtigt werden.

Das Ergebnis sind nicht nur deutlich mehr Details, sondern auch neue Erkenntnisse. Wie sich die Höhe des Antarktischen Eisschildes verändert hat, können die Forscher nun in einheitlichen Zeitreihen in monatlicher Auflösung betrachten.

„Für den Großteil des Eisschildes gehen sie bis 1992 zurück, für einen 500km breiten Küstenstreifen, der bereits von den historischen Missionen beobachtet wurde, sogar bis 1978“, erklärt Ludwig Schröder, Doktorand und Hauptautor der Studie.

„So können nun langzeitige Entwicklungen besser von Schwankungen zwischen unterschiedlichen Jahren, die beispielsweise mit dem El-Niño-Phänomen verbunden waren, getrennt werden." Die Unterscheidung zwischen kurzfristigen Wetterereignissen und der Klimaentwicklung ist somit einfacher. Zudem erhalten Klimaforscher oder Glaziologen mit den Zeitreihen eine wertvolle neue Forschungsgrundlage.

Die Messergebnisse können auch als Kontrolle für Klimamodelle verwendet werden. „Besonders für die Zeit vor 1992 mussten sich Schätzungen von Massenänderungen bisher auf Klimamodelle verlassen“, sagt Prof. Martin Horwath, Professor für Geodätische Erdsystemforschung an der TU Dresden.

„Wir sehen nun, dass die Modelle oft sehr gut mit den Messungen zusammenpassen. Wo wir Diskrepanzen vorfinden, ist dies ein Anlass, Modellannahmen zu hinterfragen.“ Überprüft wurden die Satellitenmessungen unter anderem mit Höhenprofilen, die unter Beteiligung der TU Dresden auf dem Eisschild gemessen wurden.

Doktorand Ludwig Schröder, Experte für die Messung und Analyse von Eisoberflächenhöhen, sieht mit der Studie einen deutlichen Eismassenverlust seit den 1990er-Jahren für den Antarktischen Eisschild als Ganzes bestätigt. „Ursache dafür ist die Beschleunigung vieler Ausflussgletscher, wie frühere Detailstudien bereits belegen. Die Eismassenverluste betrugen im Zeitraum 1992 bis 2017 durchschnittlich 85 Milliarden Tonnen pro Jahr. Seit 2010 haben sich diese Verluste jedoch in einigen Regionen stark beschleunigt, so dass wir für den Zeitraum 2010 bis 2017 deutlich größere Raten von 137 Milliarden Tonnen pro Jahr beobachten." Eine Milliarde Tonnen entspricht der Masse von einem Kubikkilometer Wasser.

Die Studie, an der neben der TU Dresden auch das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Helmholtz-Zentrum Bremerhaven sowie die Universität Utrecht (Niederlande) beteiligt sind, wurde am 5. Februar 2019 im Fachblatt „The Cryosphere“ veröffentlicht und durch die European Geosciences Union als herausragender Artikel („Highlight Article“) gelistet.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Martin Horwath
Tel.: +49 351 463-37582
E-Mail: Martin.Horwath@tu-dresden.de

Originalpublikation:

https://www.the-cryosphere.net/13/427/2019

Weitere Informationen:

https://tu-dresden.de/bu/umwelt/geo/ipg/gef

Kim-Astrid Magister | Technische Universität Dresden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Mit künstlicher Intelligenz das Erdsystem verstehen
14.02.2019 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Ozeanerwärmung beschleunigte vor 8.200 Jahren Gletscherschmelze in Kanada
12.02.2019 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Laserverfahren für funktionsintegrierte Composites

Composites vereinen gewinnbringend die Vorteile artungleicher Materialien – und schöpfen damit zum Beispiel Potentiale im Leichtbau aus. Auf der JEC World 2019 im März in Paris präsentieren die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein breites Spektrum an laserbasierten Technologien für die effiziente Herstellung und Bearbeitung von Verbundmaterialien. Einblicke zu Füge- und Trennverfahren sowie zur Oberflächenstrukturierung erhalten Besucher auf dem Gemeinschaftsstand des Aachener Zentrums für integrativen Leichtbau AZL, Halle 5A/D17.

Experten des Fraunhofer ILT erforschen und entwickeln Laserprozesse für das wirtschaftliche Fügen, Schneiden, Abtragen oder Bohren von Verbundmaterialien –...

Im Focus: Grüne Spintronik: Mit Spannung Superferromagnetismus erzeugen

Ein HZB-Team hat zusammen mit internationalen Partnern an der Lichtquelle BESSY II ein neues Phänomen in Eisen-Nanokörnern auf einem ferroelektrischen Substrat beobachtet: Die magnetischen Momente der Eisenkörner richten sich superferromagnetisch aus, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Der Effekt funktioniert bei Raumtemperatur und könnte zu neuen Materialien für IT-Bauelemente und Datenspeicher führen, die weniger Energie verbrauchen.

In heutigen Datenspeichern müssen magnetische Domänen mit Hilfe eines externen Magnetfeld umgeschaltet werden, welches durch elektrischen Strom erzeugt wird....

Im Focus: Regensburger Physiker beobachten, wie es sich Elektronen gemütlich machen

Und können dadurch mit ihrer neu entwickelten Mikroskopiemethode Orbitale einzelner Moleküle in verschiedenen Ladungszuständen abbilden. Die internationale Forschergruppe der Universität Regensburg berichtet über ihre Ergebnisse unter dem Titel “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunnelling microscopy on insulators” in der weltweit angesehenen Fachzeitschrift ,,Nature‘‘.

Sie sind die Grundbausteine der uns umgebenden Materie - Atome und Moleküle. Die Eigenschaften der Materie sind oftmals jedoch nicht durch diese Bausteine...

Im Focus: Regensburg physicists watch electron transfer in a single molecule

For the first time, an international team of scientists based in Regensburg, Germany, has recorded the orbitals of single molecules in different charge states in a novel type of microscopy. The research findings are published under the title “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunneling microscopy on insulators” in the prestigious journal “Nature”.

The building blocks of matter surrounding us are atoms and molecules. The properties of that matter, however, are often not set by these building blocks...

Im Focus: Universität Konstanz gewinnt neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Immunsystems

Wissenschaftler der Universität Konstanz identifizieren Wettstreit zwischen menschlichem Immunsystem und bakteriellen Krankheitserregern

Zellbiologen der Universität Konstanz publizieren in der Fachzeitschrift „Current Biology“ neue Erkenntnisse über die rasante evolutionäre Anpassung des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung digital und multikulturell: Große Fachtagung GEBF findet an der Uni Köln statt

18.02.2019 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Thema Desinformation in Online-Medien

15.02.2019 | Veranstaltungen

FfE-Energietage 2019 - Die Energiewelt heute und morgen vom 1. bis 4. April 2019 in München

15.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleeblattpeptide gegen chronische Erkrankungen

19.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Neues Verfahren verhindert Abstoßung transplantierter Stammzellen

19.02.2019 | Medizin Gesundheit

Damit der Akku länger hält – Lithium-Ionen-Batterien besser verstehen

19.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics