Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CryoSat: Eis-Erforschung nimmt zweiten Anlauf

18.02.2010
ESA-Satellitenmission untersucht Klimaauswirkung auf Polkappen

Knapp fünf Jahre nach dem ersten gescheiterten Versuch nimmt die ESA-Satellitenmission CryoSat am 25. Februar 2010 einen zweiten Anlauf, um die planetaren Eismassen zu erforschen. Der mit zwei Radarantennen ausgestattete Hightech-Satellit soll in den kommenden drei Jahren die Eisschichten am Nord- und Südpol genau vermessen und so weitere Rückschlüsse auf den vermuteten Klimawandel bzw. dessen Auswirkungen auf die als besonders sensibel geltenden Regionen liefern.

Validierungsexperimente als Basis

Seit dem Absturz der Trägerrakete und dem damit verbundenen Verlust des 140 Mio. teuren Erstsatelliten im Oktober 2005 sind die Forscher allerdings nicht untätig geblieben. "Unsere Kalibrierungs- und Validierungsexperimente zu Land und aus der Luft sind weitergelaufen, sodass wir für die Konstruktion des neuen CryoSat-Modells eine viel bessere Grundlage hatten als noch vor fünf Jahren", erklärt Veit Helm, Projektverantwortlicher am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) http://www.cryosat.de , im Gespräch mit pressetext.

Durch die Validierungsexperimente, die teilweise bereits mit der von CryoSat verwendeten Radartechnologie von Flugzeugen und Helikoptern durchgeführt wurden, verfüge man nun auch über ausgezeichnetes Datenmaterial der vergangenen Jahre, das mit den von CryoSat gewonnenen Daten verglichen werden könne. "Für Klimaprognosen und um Rückschlüsse auf den Gesamtzustand der Eismassen zu ziehen, spielt neben der Ausdehnung vor allem auch die Eisdicke eine zentrale Rolle. In dieser Hinsicht wird CryoSat sehr verlässliches und genaues Datenmaterial liefern können, zumal dazu noch kaum Messwerte existieren", sagt Helm.

Radarhöhenmessung über Antennen

Wichtigstes Instrument an Bord von CryoSat ist ein Radarhöhenmesser mit zwei Antennen. Aus 720 Kilometern Höhe sollen die Eisoberflächen derart präzise abgetastet werden, dass Höhenunterschiede mit einer Genauigkeit von ein bis drei Zentimeter ermittelt werden können. Während eine Antenne kurze Radarimpulse zur Erdoberfläche sendet, wird die reflektierte Strahlung schließlich von beiden Antennen wieder empfangen. In Verbindung mit den exakten Bahndaten von CryoSat lassen sich so die genauen Höhenprofile von Eisschichten und der gefrorenen Meeresoberfläche berechnen.

Aber auch schwimmende Eisberge und -schollen können mit dem Satellitensystem genau verfolgt werden. "Konnten über Hubschrauber und Flugzeuge Landstriche von einigen Hundert Kilometern abgedeckt werden, erlaubt CryoSat die vollständige Eis-Kartierung der Polregionen. Wir können zukünftig also eine monatliche Eisdeckenkarte der Erde erstellen und saisonale Schwankungen somit genau nachverfolgen bzw. erste Trends für die längerfristige Entwicklung ableiten", so Helm gegenüber pressetext.

Backup-Elektronik an Bord

Bei der Konstruktion des Satelliten wurde ohnehin nichts dem Zufall überlassen. So ist CryoSat 2 nun mit einer kompletten Backup-Elektronik ausgestattet, die eine vollständige Funktionstüchtigkeit garantiert, selbst wenn das Haupt-System ausfallen sollte. Um die genaue Orbithöhe des Satelliten bestimmen zu können, ist das Satellitensystem zudem mit einem Laser-Retroreflektor und einem Radiosignalempfänger des französischen Satellitengeodäsiesystems DORIS ausgestattet. Als Startmasse bringt der Satellit 720 Kilogramm auf die Waage, der vorgesehene Datendurchsatz beläuft sich auf 400 Gbit pro Tag.

Martin Jan Stepanek | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.awi.de
http://www.cryosat.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was unter dem Yellowstone-Vulkan passiert
17.10.2019 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Eine Festung aus Eis und Schnee
04.10.2019 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics