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Blutregen am Schalttag über Leipzig – Reste des großen Saharasandsturms ziehen über Deutschland

02.03.2020

Am Samstag war ein nicht alltägliches Phänomen zu beobachten: „Blutregen“ durch Saharastaub. Die Überreste eines extremen Saharasandsturms, dessen Staub am vorigen Wochenende Teile der Kanarischen Inseln lahm legte, wurden mit der Luftströmung über den Nordatlantik und Frankreich nach Deutschland transportiert, wo sie in Leipzig am Morgen ankamen. Niederschläge in der Nacht vom 28. zum 29.02. haben einen Bruchteil des Staubes zur Erde gebracht, wo er z.B. auf Autoscheiben gut zu sehen war.

Das Phänomen wurde im Mittelalter „Blutregen“ genannt, weil der Saharastaub viel Eisen enthält, dadurch rötlich erscheint und die Transportwege noch nicht bekannt waren. Was die Menschen damals in Schrecken versetzte, ist lediglich ein rares Wetterphänomen, dessen Staubkonzentrationen gesundheitlich unbedenklich sind.


Etwa 5 Liter/m² Schneeregen hat in der Nacht vom 28. zum 29.02.2020 einen Bruchteil des Sahara-Staubs zur Erde gebracht, wo er z.B. auf Autoscheiben gut zu sehen war – wie hier am TROPOS in Leipzig.

Foto: Patric Seifert, TROPOS


Lidar-Messungen mit einem PollyXT-Lidar am TROPOS: Die Grafik zeigt, dass am Samstag etwa 11:30 bis 15:00 Uhr eine erste Staubschicht unterhalb von 2500 Metern Höhe über Leipzig gezogen ist.

Grafik: Patric Seifert, TROPOS

„Es kommt wirklich selten vor, dass so große Mengen Saharastaubs nach dem Passieren des Atlantischen Ozeans unsere Region erreichen. Meistens wird der Staub "direkt" über das Mittelmeer herantransportiert.

Aber in solchen Fällen muss er die Alpen passieren, die normalerweise einen Großteil des Saharastaubs aus der unteren Atmosphäre (durch Sedimentation und orographischen Regen) über den Bergen ablagern, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines "Blutregens" über Leipzig verringert wird“, erklärt Dr. Patric Seifert, der das „Leipzig Aerosol and Cloud Remote Observations System“ (LACROS) am TROPOS betreut, mit dem Wechselwirkungen zwischen Staubpartikeln und Wolken sowie Auswirkungen auf Niederschlag und Klima untersucht werden.

Zu Fernerkundungsobservatorium LACROS gehört auch ein portables Lidar. Mit diesem Lichtradar ist es möglich, den Staub in der Atmosphäre per Laser vom Boden aus zu untersuchen.

Die Messungen der TROPOS-Lidar-Gruppe zeigen, dass am Samstag etwa 11:30 bis 15:00 Uhr eine erste Staubschicht unterhalb von 2500 Metern Höhe über Leipzig gezogen ist. (Die Grafik zeigt diesen Staub als rötliche Schicht am 29.02.2020 ab etwa 09:30 UTC/Weltzeit. Die weiße Schicht darüber sind Wolken.)

Vorher verhinderte Niederschlag die Beobachtung des Wüstenstaubes. Eine zweite Staubschicht zog ab etwa 15 Uhr über Leipzig bis sie am Abend durch Regen abgelöst wurde. Mittlerweile ist die Staubfahne in Richtung Osteuropa abgezogen.
„Bisher sind noch keine Nachrichten dazu zu finden. Wahrscheinlich hat einfach niemand mit diesem Phänomen am Schalttag gerechnet“, meint Patric Seifert augenzwinkernd.

Links:

Messungen des Lidars PollyXT in Leipzig (TROPOS, 29.02.20): http://polly.rsd.tropos.de/?p=bilder&lidar_id=35&lambda=3&Jahr=2020&...
(Die Grafiken zeigt den Sahara-Staub als rötliche Schicht am 29.02.2020 ab etwa 09:30 UTC/Weltzeit in geringer Höhe unterhalb von 2500m. Die weiße Schicht darüber sind Wolken.)

Frühere Meldungen zu Sahara-Staub über Leipzig, u.a.:
26.06.2019 > https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/kurzmitteilungen/hitzewelle-b...
20.08.2012 >
https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/details/erneut-saharastaub-ue...

Mehr zum „Leipzig Aerosol and Cloud Remote Observations System“ (LACROS) am TROPOS unter: https://www.tropos.de/forschung/grossprojekte-infrastruktur-technologie/koordini...
Staub im Fokus am TROPOS: https://www.tropos.de/entdecken/gut-zu-wissen/staub-im-fokus
Modellierung des Transports von Saharastaub am TROPOS: https://www.tropos.de/institut/abteilungen/modellierung-atmosphaerischer-prozess...

Staub-Vorhersage des Barcelona Supercomputing Center (BSC): https://ess.bsc.es/bsc-dust-daily-forecast

Satellitenaufnahmen zeigen die gewaltige Staubfahne, die von der Sahara auf den Atlantik zieht, dort dreht und sich verdünnt nach Mitteleuropa bewegt (NASA Modis Worldview, 26.02.2020 & ff.): https://go.nasa.gov/2TpHO4L
Kanarische Inseln: Sandsturm legt Flugverkehr lahm (Tagesschau, 23.02.2020): https://www.tagesschau.de/ausland/sandsturm-kanaren-103.html
Extremer Calima auf Fuerteventura: viele Veranstaltungen abgesagt (Fuerteventura-Nachrichten, 22.02.2020): https://www.fuerteventurazeitung.de/2020/02/extremer-calima-auf-fuerteventura-vi...

Blutregen (DWD- Wetterlexikon): https://rcccm.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=100310&lv...
Blutregen (BILD, 14.06.2019): https://www.bild.de/news/wetter/wetter/blutregen-am-wochenende-erwartet-uns-ein-...

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Patric Seifert
Arbeitsgruppe Bodengebundene Fernerkundung am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS)
Tel. +49-341-2717-7080
https://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/patric-seifert/
und
Dr. Albert Ansmann
Leiter der Arbeitsgruppe Bodengebundene Fernerkundung am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS)
Tel. +49-341-2717-7064
https://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/albert-ansmann
oder
Tilo Arnhold
Öffentlichkeitsarbeit, TROPOS
Tel. +49-341-2717-7189
http://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/

Tilo Arnhold | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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