Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungseisbrecher Polarstern von Überwinterung in der Antarktis zurück

27.04.2007
Spurenstoffe, Kontinentalplatten, neue Arten am Meeresboden, beschleunigte Gletscher

Nach neunzehn Monaten in antarktischen Gewässern kehrt das Forschungsschiff Polarstern am 5. Mai in seinen Heimathafen Bremerhaven zurück. Es war die 23. Antarktisexpedition des Eisbrechers, Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. 450 Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen aus 24 Ländern untersuchten in 10 Etappen den südlichen Ozean. Einen passenden Vortrag hält Polarstern-Kapitän Uwe Pahl: "250.000 Meilen auf See - der Forschungseisbrecher Polarstern aus Sicht des Kapitäns", am 2. Mai im Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven und am 3. Mai im Haus der Wissenschaft in Bremen.

In den letzten 19 Monaten waren insgesamt 450 Wissenschaftler aus 24 Ländern mit ihren wissenschaftlichen Programmen an der Antarktis-Expedition beteiligt. Polarstern durchkreuzte dabei das Weddellmeer, die Lazarewsee, die Scottsee, die Amundsensee und die Drake-Passage. Sie gelangte in entlegene Gebiete wie die Pine-Island-Bucht, das Larsen-Schelfeis an der Antarktischen Halbinsel und die ganz im Osten der Antarktis liegende Prydz-Bucht. Die Untersuchungen erstreckten sich entlang diverser Inselketten, darunter Peter-Island, die Südlichen Orkney- und Südlichen Shetland-Inseln und die Kerguelen-Inseln.

Im neunten Teilabschnitt standen geophysikalische Arbeiten im Gebiet zwischen dem Kerguelen-Plateau und dem ostantarktischen Festland im Vordergrund. Im Rahmen des Projektes Plates & Gates, einem Beitrag zum Internationalen Polarjahr, führten Wissenschaftler umfangreiche seismische und magnetische Vermessungen durch. Dabei wurde ein unterseeisches Plateau von der Größe Deutschlands und Frankreichs genau untersucht: "Dieses Plateau ist in einem massiven vulkanischen Ereignis kurz nach dem Aufbruch zwischen Indien und der Antarktis vor ca. 120 Millionen Jahren im Indischen Ozean entstanden", erklärt Dr. Karsten Gohl, Geophysiker am Alfred-Wegener-Institut. "Zum ersten Mal sehen wir, dass die vulkanischen Abfolgen des südlichen Kerguelen-Plateaus bis dicht an den antarktischen Kontinent heran zum großen Teil mit kontinentaler Erdkruste unterlegt sind. Unsere Messungen zeigen, dass in dieser Region ein kontinentales Fragment zwischen Indien und der Antarktis von einer bisher nicht vermuteten Größe existierte", so Gohl, der Projektleiter von Plates & Gates ist. Diese Daten sollen in eine Computeranimation einfließen, die die früheren Meeresströmungen und die Klimaentwicklung in dieser Zeit der Erdgeschichte rekonstruiert.

Der achte Fahrtabschnitt widmete sich der antarktischen Lebensvielfalt, dem Zustand der Fischereibestände in der Antarktis und neuen Techniken zur Beobachtung von Walen. Lesen Sie mehr in dazu in den Pressemitteilungen vom 25. Februar 2007 und 24. November 2006.

Die Teilabschnitte fünf bis sieben fallen in den antarktischen Winter. Den Winter in antarktischen Gewässern zu verbringen, ist nur durch die Eis brechenden Fähigkeiten von Polarstern möglich. Das Nordwestliche Weddellmeer südlich der Shetlandinseln war das Untersuchungsgebiet auf dem siebten Teilabschnitt mit einem Forschungsprogramm aus verschiedenen Disziplinen. Dazu zählen Meereisphysik, Biologie, Luftchemie und die Bathymetrie zur Vermessung des Meeresbodens. Auf dem sechsten Fahrtabschnitt ging es um die Frage, was der Krill im antarktischen Winter macht, während im fünften Teilabschnitt Hotspots aus dem Erdaltertum ein zentrales Thema des Forschungsprogramms waren. Lesen Sie mehr dazu in den Wochenberichten: http://www.awi-bremerhaven.de/Polar/Polarstern/report-index-d.html

Im vierten Fahrtabschnitt untersuchten die Forscher die Vereisungsgeschichte der Westantarktis. Mehr dazu in der Pressemitteilung vom 19. April 2006: http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/

beschleunigter_rueckzug_des_westantarktischen_eisschildes/

Während des dritten Fahrabschnitts wurden in der Drake-Passage zwischen der Antarktis und Südamerika Strömungsmessgeräte ausgebracht, die mehrere Jahre lang Daten zum Zirkumpolarstrom aufnehmen sollen. Mehr zum Forschungsprogramm dieser Expedition in der Pressemitteilung vom 16. Januar 2006.

Bis Ende Mai wird Polarstern in der Lloyd-Werft sein. Dabei werden die nach 19 Monaten im Eis angefallenen Wartungs- und Reparaturarbeiten ausgeführt. Am 29. Mai startet Polarstern ihre 22. Arktis-Expedition.

250.000 Meilen auf See - Der Forschungseisbrecher Polarstern aus Sicht des Kapitäns

Uwe Pahl ist seit Dezember 1995 Kapitän des Forschungsschiffes Polarstern. Auf mehr als dreißig Reisen hat er beinahe eine viertel Million Seemeilen mit Polarstern zurückgelegt. In seinem Vortrag mit einem begleitenden Film erleben Sie den Einsatz des Schiffes in arktischen wie antarktischen Regionen mit Impressionen der befahrenen Seegebiete, der Forschung und des Lebens an Bord des leistungsfähigsten Forschungseisbrechers der Welt. Kapitän Pahl legt bei seiner Darstellung besonderen Wert auf die Sicht der Schiffsführung.

Am 2. Mai findet der Vortrag um 19:30 Uhr im Deutschen Schiffahrtsmuseum, Hans-Scharoun-Platz 1 in Bremerhaven statt, am 3. Mai um 19:30 Uhr im Haus der Wissenschaft, Sandstr. 4/5 in Bremen. Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei.

Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742, E-Mail: Angelika.Dummermuth@awi.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter: http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/Polar/Polarstern/report-index-d.html
http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/

Weitere Berichte zu: Antarktis Forschungseisbrecher Ozean Polarstern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics