Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klima in der Eiszeit: Der Norden und der Süden beeinflussten sich gegenseitig

09.11.2006
Die Antarktis hat sich in der letzten Eiszeit jeweils langsam erwärmt, wenn es in Grönland kalt war und umgekehrt. Dies zeigen neue Eiskernbohrungen. Mit diesem Resultat wird die lange vermutete Verbindung zwischen den Hemisphären über die sogenannte Nord-Süd-Klimaschaukel bestätigt. Die Forschungsergebnisse werden heute in "Nature" publiziert.

Während der letzten Eiszeit gab es eine Serie von abrupten Temperatursprüngen, wie Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis belegen. Die Temperaturen änderten sich aber auf der Nord- und der Südhalbkugel völlig gegensätzlich: So hat sich die Antarktis in der Zeit vor 55?000 bis 20?000 Jahren jeweils mehrmals erwärmt, während es in Grönland kalt war. Die Kopplung kann durch die Wirkung der Ozeanströmungen erklärt werden: Wenn weniger warmes Wasser vom Südozean in den Nordatlantik strömte, war es im Norden kalt. Im Gegensatz dazu begann sich die Antarktis abzukühlen, wenn in Warmphasen im Norden mehr warmes Wasser in den Nordatlantik strömte.

Als Ursache für diese sogenannte Nord-Süd-Klimaschaukel wird das mehrfache Abschmelzen von Eisbergen im Nordatlantik vermutet, das die Ozeanzirkulation stört. Durch die Zufuhr grosser Schmelzwassermengen verringerte sich der Salzgehalt an der Meeresoberfläche. Das dadurch leichtere Wasser konnte nicht mehr absinken und Platz für das nachströmende warme Golfstromwasser machen, das sich im darauf weiter südlich staute. Die Folge: erneute Abkühlung im Norden, Erwärmung im Süden. Diese lange vermutete Verbindung zwischen den Hemisphären über die sogenannte Nord-Süd-Klimaschaukel wurde nun durch die Klimaaufzeichnungen aus Eisbohrkernen bestätigt. Sogar kurze und kleine Temperaturvariationen im Süden waren über Änderungen der Ozeanzirkulation mit raschen Temperaturänderungen der Nordhemisphäre verbunden.

Erstmals Aufzeichnungen von Norden und Süden direkt verglichen

Es gelang den Wissenschaftlern des EPICA-Projekts ("European Project for Ice Coring in Antarctica") erstmals, Klimaaufzeichungen aus der Antarktis und aus Grönland mit hoher Genauigkeit zu synchronisieren. Zur Synchronisation verwendeten sie globale Änderungen der Methankonzentration, welche in den eingeschlossenen Luftblasen in den Eiskernen archiviert sind. Die Messungen wurden am neuen EPICA-Eisbohrkern durchgeführt, welcher in Dronning Maud Land, auf der dem Atlantik zugewandten Seite der Antarktis, erbohrt wurde. Wegen der hohen Niederschlagsrate erreicht dieser Bohrkern eine Klimazeitreihe mit höherer zeitlicher Auflösung als dies frühere Eisbohrkerne vom Ostantarktischen Plateau erlaubt haben. Dies war die Voraussetzung für eine präzise Synchronisation des Dronning Maud Land Eisbohrkerns mit seinem Grönländischen Gegenstück, dem Bohrkern aus dem NGRIP-Projekt ("North Greenland Ice core Project").

Basierend auf der gemeinsamen Zeitskala können die Forscher nun die rekonstruierten Verläufe der Temperatur zwischen Grönland und der Antarktis direkt vergleichen. Dieser Vergleich zeigt, dass die Nord-Süd-Klimaschaukel, eine Hypothese welche 1998 an der Universität Bern entwickelt wurde, ein Prozess ist, der während der gesamten letzten Eiszeit und möglicherweise darüber hinaus aktiv war. Gemäss Prof. Thomas Stocker von der Abteilung Klima- und Umweltphysik der Universität Bern ist es "erstaunlich, wie systematisch dieser Prozess auch für kleine Temperaturänderungen in der Antarktis wirksam ist". Je länger die Kaltperiode im Nordatlantik dauerte, desto grösser war die Erwärmung in der Antarktis. "Dies war eine zentrale Voraussage der Berner Klimaschaukel-Hypothese, die mit den neuesten Daten bestätigt werden konnte", erklärt sein Kollege Prof. Thomas Blunier. Die Rolle der Ozeanströme bei der Klimaerwärmung und der Umverteilung von Wärme werden wohl in Modellsimulationen für eine zukünftige Klimaerwärmung einfliessen.

Zusammenarbeit seit zehn Jahren

Die aktuelle Studie, welche in der Zeitschrift "Nature" publiziert wird, basiert auf der Arbeit von Wissenschaftlern aus 10 Europäischen Nationen, welche seit 1996 in EPICA zusammengeschlossen sind (Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, England, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden und die Schweiz), und ihrem Fachwissen in der Eisbohrkernforschung und Glaziologie. Der Schweizer Partner in EPICA ist die Abteilung für Klima- und Umweltphysik der Universität Bern. Die Arbeit dieser Abteilung nimmt in der vorliegenden Studie eine Schlüsselposition ein: Die Schlussfolgerungen basieren auf den detaillierten Messungen der Methankonzentration in Grönland und der Antarktis. Weiter hat die Universität Bern zur erfolgreichen Feldkampagne in Dronning Maud Land beigetragen.

EPICA wird koordiniert durch die "European Science Foundation" (ESF) und finanziert durch die Forschungsförderungsinstitutionen der teilnehmenden Nationen und der Europäischen Union.

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch/
http://www.nature.com/nature/journal/v444/n7116/abs/nature05301.html
http://www.kommunikation.unibe.ch/medien/mitteilungen/news/2006/klimaschaukel.html

Weitere Berichte zu: Antarktis Eisbohrkern Eiszeit Grönland Nord-Süd-Klimaschaukel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics