Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nature Bericht: Brandfahndung per Radarsatellit - Holzeinschlag erhöht die Feuergefahr im Regenwald

10.01.2002


Das Ergebnis ihrer Untersuchungen ist für die Wissenschaftler alarmierend: Je mehr Bäume in Tropischen Regenwäldern abgeholzt werden, desto größer ist die Gefahr von Waldbränden und den damit verbundenen katastrophalen Schäden für die Umwelt. Die bislang weltweit größten Waldbrände auf Borneo 1997/1998, die mit einer starken Dürre einhergingen, haben dies deutlich belegt.

Das ist das Fazit eines Forschungsprojekts, über das Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München in der Zeitschrift Nature (Volume 414, 437-440) berichten, gemeinsam mit Autoren der Firmen Remote Sensing Solutions GmbH (RSS, München), ZEBRIS GIS und Consulting (München) sowie der von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) getragenen Projekte "Integrated Forest Fire Management" (IFFM) und "Sustainable Forest Management Project" (SFMP) in Samarinda, Indonesien.

Die Waldbrände auf Borneo hatten seinerzeit weit größere Gebiete tropischen Regenwalds verwüstet als zuvor geschätzt. Die detaillierte satellitengestützte Analyse der Schäden in Indonesien, dem Land mit der größten verbleibenden Regenwaldfläche in Südost-Asien, zeigt, dass allein in der Provinz Ostkalimantan 5,2 Millionen Hektar Land, einschließlich 2,6 Millionen Hektar Wald gebrannt haben. Das berge ernsthafte Probleme für die Zukunft, erklärt Privatdozent Dr. Florian Siegert vom Department II der Fakultät für Biologie an der LMU. Schuld an den Schäden sei vor allem die holzwirtschaftliche Übernutzung der Wälder, da ungestörte Regenwälder auch nach Monaten Trockenheit kaum brennen, wie in der Studie gezeigt werden konnte. Sollten die derzeitigen Landnutzungspraktiken unverändert fortbestehen, sei vorherzusehen, dass Feuer während künftiger Trockenperioden die ökologisch wie ökonomisch wertvollen Wälder Borneos innerhalb weniger Jahre restlos zerstörten.


Die Forschungsarbeiten

Bei dem Forschungsprojekt wurde modernste Fernerkundungs- und GIS-Technologie (GIS = Geographische Informationssysteme) eingesetzt, um die Feuerschäden in den tropischen Regenwäldern Borneos zu kartieren und den ökologischen Schaden abzuschätzen. Aufgrund der großen Fläche war es notwendig, eine große Zahl von Satellitenbildern auszuwerten und mit Daten von Feldstudien und offiziellen Landnutzungsdaten zu vergleichen.

Zum ersten Mal wurden Daten des europäischen ERS-2 Radarsatelliten erfolgreich zur Identifikation von Feuerschäden in einem sehr großen Gebiet in einem tropischen Regenwaldgebiet eingesetzt. Radarsatelliten wie der europäische ERS-2 Satellit (und ab März 2002 ENVISAT) senden aktiv Strahlung auf die Erdoberfläche und empfangen das reflektierte Signal. Diese neue Technologie, die im Rahmen dieser Forschungsarbeiten entwickelt und kalibriert wurde, erlaubt die Erfassung von Feuerschäden auch dann, wenn konventionelle Satelliten durch starke Rauchentwicklung und Wolkenbedeckung keine Bilder liefern. Damit steht ein neues, wirkungsvolles Instrument zur Erdbeobachtung und Analyse großräumiger, ökologischer Veränderungen zur Verfügung.


Autoren:

Dr. Florian Siegert lehrt als Privatdozent am Department II der Biologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. In den letzten Jahren hat sich Dr. Siegert auf den interdisziplinären Einsatz von Fernerkundungsmethoden und Geographischen Informationssystemen (GIS) für biologische Fragestellungen besonders in der Ökologie konzentriert. Dr. Siegert ist Geschäftsführer von RSS - Remote Sensing Solutions GmbH.

Alexander Hinrichs und Anja A. Hoffmann sind Langzeitexperten in den Bereichen Forstwirtschaft und Feuermanagement bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Die GTZ ist eine Trägergesellschaft staatlicher Entwicklungszusammenarbeit und führt weltweit Projekte durch. Die GTZ-Projekte IFFM und SFMP in Ostkalimantan/Indonesien sind Projekte der Entwicklungszusammenarbeit unter einem bilateralen Abkommen zwischen Indonesien und Deutschland zur Erstellung eines Feuermanagement-Systems und der Förderung von nachhaltiger Forstwirtschaft in der Provinz Ost-Kalimanatan.

Cornelia Glees-zur Bonsen | idw
Weitere Informationen:
http://www.gtz.de

Weitere Berichte zu: Feuerschaden GIS GTZ Radarsatellit Regenwald

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Grönlands Eispanzer schrumpft immer schneller – Geodäten der TUD werten Satellitendaten für internationale Studie aus
11.12.2019 | Technische Universität Dresden

nachricht Zukunft der Meeresspiegel
11.12.2019 | Deutsches Klima-Konsortium e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Im Focus: Highly charged ion paves the way towards new physics

In a joint experimental and theoretical work performed at the Heidelberg Max Planck Institute for Nuclear Physics, an international team of physicists detected for the first time an orbital crossing in the highly charged ion Pr⁹⁺. Optical spectra were recorded employing an electron beam ion trap and analysed with the aid of atomic structure calculations. A proposed nHz-wide transition has been identified and its energy was determined with high precision. Theory predicts a very high sensitivity to new physics and extremely low susceptibility to external perturbations for this “clock line” making it a unique candidate for proposed precision studies.

Laser spectroscopy of neutral atoms and singly charged ions has reached astonishing precision by merit of a chain of technological advances during the past...

Im Focus: Ultrafast stimulated emission microscopy of single nanocrystals in Science

The ability to investigate the dynamics of single particle at the nano-scale and femtosecond level remained an unfathomed dream for years. It was not until the dawn of the 21st century that nanotechnology and femtoscience gradually merged together and the first ultrafast microscopy of individual quantum dots (QDs) and molecules was accomplished.

Ultrafast microscopy studies entirely rely on detecting nanoparticles or single molecules with luminescence techniques, which require efficient emitters to...

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kein Seemannsgarn: Hochseeschifffahrt soll schadstoffärmer werden

11.12.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Vernetzte Produktion in Echtzeit: Deutsch-schwedisches Testbed geht in die zweite Phase

11.12.2019 | Informationstechnologie

Verbesserte Architekturgläser durch Plasmabehandlung – Reinigung, Vorbehandlung & Haftungssteigerung

11.12.2019 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics