Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zu Weihnachten auf der Suche nach brennendem Eis

21.12.2001


Bohren nach Methanhydrat im Permafrost Kanadas
Wissenschaftliches Programm zur Erforschung von Gashydraten

Zu Weihnachten auf der Suche nach brennendem Eis
Potsdamer Geoforscher verbringen die Weihnachtstage im Permafrost

GFZ Potsdam - Rund zehntausend Kilometer von zu Hause entfernt verbringen Professor Michael Weber und ein Wissenschaftlerteam vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) die Weihnachtsfeiertage bei klirrender Kälte im äußersten Nordwesten Kanadas. Der Grund dafür: bei Innuvik, mitten im Permafrostgebiet des Mackenzie-Deltas, beginnt ein internationales wissenschaftliches Bohrprojekt zur Erforschung von Methanhydraten. Diese feste Verbindung von Wasser und Methan gilt als eine der wichtigsten Energiequellen der Zukunft.
Zusammen mit kanadischen, japanischen, amerikanischen und indischen Kollegen wollen die GFZ-Forscher herausfinden, wie Gashydrate entstehen und welche Eigenschaften sie haben. Dieses dient unter anderem auch zur genaueren Bestimmung der Größe dieser Gasvorräte und der Bedingungen, unter denen sie ökonomisch nutzbar sind.
Methanhydrate bestehen aus Methanmolekülen, die unter hohem Druck und bei niedrigen Temperaturen in einem Käfig aus Wassermolekülen gefangen sind. Ein Kubikzentimeter dieses Gashydrats enthält bis zu 164 Kubikzentimeter gasförmiges Methan. Dieses Material sieht aus wie Eis. Hält man jedoch eine Flamme daran, dann brennt Gashydrat: brennendes Eis.
Die Abschätzung der weltweiten Methanhydratvorkommen schwankt stark. Das liegt daran, dass zur Erkundung die gleichen seismischen Methoden eingesetzt werden, wie zur Suche nach Erdöl und Erdgas. Gashydrat-Lagerstätten weisen jedoch merkwürdige seismische Echos auf, in denen sich die Unterkante der Vorkommen scheinbar deutlich abbilden. Aufgrund dieser Schichtgrenze wurde die Größe der Vorkommen bisher bestimmt. So nennt der amerikanische Geologe Keith Kvenvolden eine Zahl von 10.000 Milliarden Tonnen an Gashydraten, das ist mehr als das Doppelte aller bekannten Vorräte an Erdöl, Erdgas und Kohle.
Das Wissenschaftlerteam vom GFZ Potsdam ist nun dabei, wenn dort Bohringenieure erstmals versuchen, in der Mallik-Bohrung bei Innuvik das riesige Gashydratreservoir im Delta des Mackenzie-River anzuzapfen. Um eine 200 Meter dicke Schicht von Gashydrat zu durchbohren, müssen vorher 900 Meter Sediment durchteuft werden, von denen die oberen 600 Meter Permafrostboden sind. Mit heißem Dampf soll das Methanhydrat gelöst und das freigesetzte Gas gefördert werden. In zwei je 1100 Meter tiefen Bohrlöchern, jeweils 50 Meter neben der Hauptbohrung, wird das vertikale Temperaturprofil im Boden gemessen. Während der Förderung sollen zugleich mit seismischen Experimenten die Veränderungen der physika-lischen Eigenschaften des umgebenden Gestein erfasst werden und schließlich sollen die Proben in einem vom GeoForschungsZentrum erstellten Mobilen Feldlabor analysiert werden. Alle Daten werden - auch das ist eine Neuigkeit - mit einem vom GFZ Potsdam entwickelten Bohrlochinformationssystem online den beteiligten Partnern zur Verfügung gestellt.
Professor Rolf Emmermann, der GFZ-Vorstandsvorsitzende, sagt dazu: "Das Mallik-Projekt ist ein maßgeblicher Beitrag des GeoForschungsZentrums zu dem vom Bundesforschungsministerium und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gemeinsam geförderten Thema ’Gashydrate’ im Rahmen des neuen Geotechnologien-Programms der deutschen Geowissenschaften. Schwerpunkte unserer Arbeiten sollen die Erforschung der Gashydrate als potentielle Energiequelle, aber auch ihre Bedeutung als Klimafaktor sein. "
Professor Webers Team richtet sich auf durchgehende Arbeit unter unwirtlichen Bedingungen zu Weihnachten ein. Die Zeit drängt, denn nur im Winter ist das Permafrostgebiet befahrbar. Wenn der Frühling kommt, taut der Boden und schmilzt das Flusseis. Im Sommer sind die oberen Schichten des Permafrostgebietes ein unbefahrbarer Sumpf, der das Arbeiten unmöglich macht. Weiße Weihnachten für Forscher: brennendes Eis und Permafrost.

Dipl.Met. Franz Ossing | idw

Weitere Berichte zu: GFZ Gashydrat Methanhydrat Permafrost Permafrostgebiet

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wissenschaftler entdecken neue Formen von Feldspat
02.06.2020 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

nachricht Aufwärts mit dem „Blasen-Taxi“: Mikroorganismen vom Meeresgrund mischen in der Wassersäule bei Methanumsatz mit
27.05.2020 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Im Focus: New measurement exacerbates old problem

Two prominent X-ray emission lines of highly charged iron have puzzled astrophysicists for decades: their measured and calculated brightness ratios always disagree. This hinders good determinations of plasma temperatures and densities. New, careful high-precision measurements, together with top-level calculations now exclude all hitherto proposed explanations for this discrepancy, and thus deepen the problem.

Hot astrophysical plasmas fill the intergalactic space, and brightly shine in stellar coronae, active galactic nuclei, and supernova remnants. They contain...

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

03.06.2020 | Informationstechnologie

Wundheilung detailliert aufgeschlüsselt

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Ein einzelnes Gen bestimmt das Geschlecht von Pappeln

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics