Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Daten aus eisigen Wolken

20.03.2006


SCOUT-O3 Konferenz in Jülich zu ersten Ergebnissen der Flugmesskampagne in Australien


Klimaexperten des Forschungszentrums Jülich, der University Cambridge und der ETH Zürich leiteten Ende 2005 die internationale Messkampagne SCOUT- 03 Tropics im Norden Australiens. Sie durchflogen tropische Gewittertürme, um mehr über den Austausch von Spuren- und Treibhausgasen zwischen den Schichten der Atmosphäre zu erfahren. Vom 20. bis zum 24. März diskutieren die europäischen Atmosphärenforscher am Forschungszentrum Jülich nun die Ergebnisse des SCOUT-O3 Projektes und der Flugzeugmesskampagne.

Das von der EU geförderte Forschungsprojekt SCOUT-O3 untersucht, wie sich die stratosphärische Ozonschicht in den kommenden Jahrzehnten unter den Bedingungen des globalen Wandels ändern wird. Damit können die Wissenschaftler Erkenntnisse liefern, die eine globale Einschätzung zum Ozonabbau und Klimawandel ermöglichen.


Insgesamt neun mal starteten im November und Dezember letzten Jahres das russische Höhenforschungsflugzeug Geophysica und die Falcon des DLR, vollgepackt mit wissenschaftlichen Instrumenten, zu Messflügen in die untere (Troposphäre) und obere Atmosphäre (Stratosphäre) über Darwin in Nordaustralien.

Heute, drei Monate nach diesem Experiment, sind die Flugzeuge und die Instrumente zurück in Europa, die Daten aufgearbeitet und ersten Analysen und Interpretationen vollzogen. Was haben die Wissenschaftler in diesem Großexperiment über die tropische Atmosphäre gelernt?

"Ein Schwerpunkt der Untersuchungen war, herauszufinden, wie Wolken - Gewittertürme und Zirren - den Transport von Wasser in die Stratosphäre bestimmen," erklärt Dr. Cornelius Schiller, Wissenschaftler am Forschungszentrum Jülich und Leiter des Projektes in Australien.

"Generell wurden über Darwin an der Unterkante der Stratosphäre sehr niedrige Wasserkonzentrationen gemessen - mit die niedrigsten, die weltweit in der Troposphäre und Stratosphäre beobachtet wurden", erläutert Schiller. Grund sind die sehr niedrigen Temperaturen in dieser Höhe, die zur Bildung von Eiswolken führen, deren winzige Kristalle wie Schnee nach unten fallen und so extrem trockene Luftmassen zurücklassen. Wenn jedoch Gewitterwolken bis in solche sehr trockene Luftmassen "hineinschießen", können diese Eiskristalle an Ort und Stelle verdampfen und so ihre Umgebung wieder befeuchten. Dass solche feuchteren Luftmassen in der Nähe von Gewittern gefunden wurden, zeigt, dass Luft effektiv und schnell in solchen Systemen aus niedrigen Höhen bis in die Stratosphäre transportiert wird.

Genau darüber wollten die Wissenschaftler während ihrer Flugzeugmesskampagne über dem tropischen Teil Australiens mehr erfahren. Dabei kommt den Tropen eine besondere Bedeutung zu, da hier der Austausch von Luftmassen von der Troposphäre in die Stratosphäre erfolgt. Sie sind damit die Quellregion für viele Spurenstoffe wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe, Stickoxide und Wasser, welche die Ozonchemie in der Stratosphäre global beeinflussen. Im Fokus der Messkampagne in Australien standen Gewittertürme, die sich am "top end" Australiens in dieser Jahreszeit nahezu täglich bis in 20 Kilometer Höhe ausbilden. Die gewaltigen Gewittertürme transportieren diese Luftmassen innerhalb von kurzer Zeit direkt bis in die Stratosphäre. Aber nicht nur Wasser - auch andere Spurengase werden in den Tropen in die Stratosphäre gepumpt, darunter Halogenverbindungen, die global die Ozonschicht angreifen. "Besonderes Augenmerk der SCOUT-O3-Untersuchungen lag auf Bromverbindungen, von denen in letzter Zeit vermutet wird, dass weit mehr von ihnen in den Tropen in die Stratosphäre gelangen könnten, als uns Modelle vorhersagen", erklärt Cornelius Schiller. Zu den SCOUT-O3 Ergebnissen berichtet Dr. Fred Stroh, Leiter der Jülicher Messungen von Halogenen: "Auch wenn diese Messungen extrem schwierig sind: Einen solchen zusätzlichen Eintrag bromierter Substanzen, wie in verschiedenen Studien postuliert, konnten wir in unseren Tropenmessungen nicht nachweisen." Eine gute Nachricht für die stratosphärische Ozonschicht.

Obwohl bereits wenige Monate nach Abschluss der Messungen wichtige Ergebnisse erzielt wurden, liegt der größte Teil der Auswertung noch vor den Wissenschaftlern. "Jetzt gilt es, diese Ergebnisse - zusammen mit den vielen anderen Messungen während dieser erfolgreichen Kampagne - in Modelle einzubauen und so vorher aufgestellte Hypothesen entweder zu bestätigen oder neue, bisher unbekannte Prozesse zu identifizieren," macht Prof. Martin Riese, Direktor am Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre I deutlich. Die SCOUT-O3 Tagung ist wesentlicher Teil, um den vielen beteiligten Gruppen ein Diskussionsforum zu bieten. Nur so können die Ergebnisse eines solchen Experimentes belastbar bewertet werden und in internationale Protokolle und Vereinbarungen zum Schutz der Atmosphäre einfließen.

Pressekontakt:

Angela Lindner, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Forschungszentrum Jülich, 52425 Jülich Tel. 02461 61-4661, Fax 02461 61-4666, E-Mail: a.lindner@fz-juelich.de

Annette Stettien, Wissenschaftsjournalistin, Öffentlichkeitsarbeit, Forschungszentrum Jülich Tel. 02461 61-2388, Fax 02461 61-4666, E-Mail: a.stettien@fz-juelich.de

Angela Lindner | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/portal/angebote/pressemitteilungen
http://www.fz-juelich.de/projects/scout/aktuelles

Weitere Berichte zu: Gewitterturm Luftmasse Ozonschicht SCOUT-O3 Stratosphäre Tropen Troposphäre Wolke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Seltene Erden in norwegischen Fjorden?
06.08.2020 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Auf Spurensuche in Grönland
06.08.2020 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics