Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Wasser- zu Wirtschaftsproblemen werden können

02.03.2006


Geoinformatiker der Universität Jena koordinieren neues EU-Projekt zur Wasserwirtschaft



Durch die globale Erwärmung schmelzen nicht nur die Polkappen langsam ab, sondern auch die Hochgebirgsgletscher - und das in ihnen enthaltene Wasser - gehen dramatisch zurück. "Dieser Rückgang ist kein lokales Problem, sondern in allen Hochgebirgsregionen der Erde zu verzeichnen", sagt Prof. Dr. Wolfgang-Albert Flügel von der Universität Jena. "Im Himalaya liegt er inzwischen bei ca. 30 Prozent", ergänzt Flügels Mitarbeiter Dr. Klaus Bongartz. Diese Veränderungen des Wasserhaushalts haben auch schwerwiegende Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. Daher müssen beispielsweise indische Bauern ebenso wie die Schweizer Energiewirtschaft sowohl die veränderten Wassermengen als auch eine sich ändernde Abflussdynamik für ihre Wasserbewirtschaftung einplanen. Denn beider Wirtschaftserträge hängen sowohl von der Menge als auch von der geographischen und zeitlichen Verteilung der "Wasserspenden" ab.



Um diese dynamischen Veränderungen vorhersagen zu können, müssen nicht nur Messdaten und Geoinformationen gesammelt, sondern auch in einem Modell verarbeitet werden, das zum einen die hydrologischen Gegebenheiten widerspiegelt und zum anderen mögliche Veränderungen des Wasserhaushalts vorhersagt. Ein solches Modell wird durch zahlreiche, veränderbare Parameter gesteuert, die Szenarien möglicher hydrologischer Veränderungen "durchspielen" und damit Entscheidungshilfen für eine angepasste Wasserwirtschaft liefern. Ein solches Integriertes Wasserwirtschaftsmanagementsystem (Integrated Water Resources Management System, IWRMS) entwickelt nun ein internationales Team mit 17 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft unter Leitung von Prof. Flügel. Die EU hat für das Projekt, das von Dr. Bongartz koordiniert wird, rd. 2,9 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre bewilligt. Und nicht nur das, bei der Begutachtung wurde der Antrag als bester unter den 69 europaweit zugesandten Bewerbungen für die Ausschreibung in diesem Umweltprogramm bezeichnet.

Dafür haben Flügel und seine Partner zwei Jahre geplant und mussten nicht nur ihre wissenschaftliche Kompetenz belegen, sondern zusätzlich diplomatisches Geschick beweisen. Denn das neue Projekt "Brahmatwinn" nutzt als Grundlage für die Entwicklung des Wasserwirtschaftsmanagementsystems die zwei vergleichbaren Flusseinzugsgebiete der Donau und des Brahmaputra, "die beide an der globalen Erwärmung leiden", so Flügel. Der Brahmaputra liegt in einer Region, zu der China, Indien, Nepal und Bhutan gehören - die bekanntlich nicht immer spannungsfrei kooperiert haben. Der Jenaer Geoinformatiker Flügel konnte auf Grund seiner langjährigen Asienerfahrungen Wissenschaftler sowie Vertreter wichtiger internationaler Organisationen und Anwender aus diesen - und weiteren sechs - Ländern als Partner für das Projekt gewinnen. "Wir kriegen das hin", ist er vom wissenschaftlichen, wirtschaftlichen wie diplomatischen Erfolg überzeugt. Dabei sieht er das Projekt als eine kooperative Herausforderung und ist sich sicher, dass "sowohl Asiaten wie Europäer von Brahmatwinn profitieren werden". Denn die Veränderungen der Abflussdynamik treffen gleichermaßen Agrar- wie Industriestaaten.

Im Verlauf der drei Jahre müssen die notwendigen Daten gesammelt bzw. gekauft und ausgewertet werden. Daher soll bereits im September die erste Geländekampagne am Brahmaputra starten. Nach der Analyse müssen die Daten in ein Informationssystem integriert, Klimaprognosen erstellt und Abflussmodellierungen durchgeführt werden. Schließlich werden "Was wäre, wenn"-Szenarien erstellt - Flügel rechnet am Ende mit nicht mehr als zehn -, die die Auswirkungen bei veränderbaren Systemparametern für die Entscheidungsträger anschaulich machen. All diese Arbeiten müssen in einem System vereint werden, von dem am Projektende ein Prototyp vorgelegt wird, der für die Zielgruppen der Anwender in Europa und Asien beherrschbar ist. Daher gehört zu den Aufgaben des Teams, zu dem neben Geowissenschaftlern auch Meteorologen, Ingenieure, Sozialwissenschaftler, Ökologen und Juristen gehören, ebenfalls die Ausbildung des Bedienungspersonals für das IWRMS.

Bisher existieren bereits Systemkomponenten, etwa in München, Venedig und Jena, die einzelne Aspekte des Prototyps realisieren. Jetzt müssen diese Komponenten "in nur drei Jahren weiterentwickelt und in einem Gesamtsystem integriert werden", beschreibt Flügel einen Part, der zu einer der Aufgaben des Teams in Jena gehört. Am Ende wird ein flexibles System stehen. "Wir bieten keine fertigen Lösungen an", betont der Geoinformatiker von der Uni Jena, "sondern ein System, Lösungen für eine angepasste Wasserbewirtschaftung zu finden". Nur so werden die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen sein.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang-Albert Flügel
Institut für Geographie der Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948850
Fax: 03641 / 948852
E-Mail: c5wafl[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics