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1981-2006: 25 Jahre Antarktisforschung an der Neumayer-Station

27.02.2006


Anfang der 1990er Jahre wurde die zweite Antarktisstation gebaut. Auch die Neumayer-Station wurde als Röhrenstation für eine ganzjährige Besatzung konzipiert. Foto: Alfred-Wegener-Institut


Die neue Antarktisstation Neumayer III steht auf Stelzen über dem Eis und soll 2008 in Betrieb gehen. Animation: F. Valero-Delgado, Alfred-Wegener-Institut


Am 5. Februar 1979 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland den Antarktisvertrag und erlangte im März 1981 in der Runde der Antarktisvertragsstaaten den Konsultativstatus.


Voraussetzung dafür war der Betrieb einer permanent besetzten Antarktisstation: Am 3. März 1981 wurde die Georg-von-Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung eingeweiht.

Seit Anbeginn fungierte die Georg-von-Neumayer-Station als wissenschaftliches Observatorium für Geophysik, Meteorologie und Luftchemie sowie als logistische Basis für Sommerexpeditionen. Im März 1992 wurde die heutige Neumayer-Station fertig gestellt. Sie ist - wie die erste - eine Röhrenstation und wird von neun Überwinterern ganzjährig betrieben. Die Besatzung der Station stellt die Qualität der Langzeitmessungen sicher und gewährleistet die Einbindung der wissenschaftlichen Observatorien in ein weltweites Netz von Beobachtungsstationen.


Erdbeben und singende Eisberge

Ein Jahr nach der Eröffnung der Georg-von-Neumayer-Station wurde das geophysikalische Observatorium in Betrieb genommen. Im Laufe der Jahre wurden an der Neumayer-Station viele tausende von Erdbeben registriert, deren Epizentren weltweit verteilt sind. Mit Hilfe des Observatoriums an der Neumayer-Station konnte auch ein anfangs rätselhaftes Phänomen in den Aufzeichnungen geklärt werden. Es wurden, zum Teil über Stunden und Tage andauernde, harmonische Schwingungen registriert, dessen vermuteter Entstehungsort auch noch wanderte. Wie sich erst kürzlich herausstellte, entstehen diese Schwingungen durch Wasser, das durch die Spaltensystemen großer Eisberge hindurchströmt - die singenden Eisberge.

In der Saison 2002/2003 wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe BGR in Hannover die Infraschall-Anlage IS27 errichtet. Diese Anlage aus insgesamt neun Messinstrumenten registriert kleinste Druckschwankungen in der Atmosphäre. Als eine von 60 Stationen weltweit ist IS27 ein Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur Überprüfung der Einhaltung des Kernwaffen-Test-Stopp-Abkommens.

Saubere Luft für klare Daten

Das erste Spurenstoff-Observatorium wurde 1983 auf Initiative des Instituts für Umweltphysik der Universität Heidelberg an der Georg-von-Neumayer-Station in Betrieb genommen. Seitdem werden für die Antarktis einmalige Datenreihen gewonnen. Neben Treibhausgasen wie Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan und Lachgas, erfassen die Wissenschaftler Aerosole und bodennahe Ozonkonzentrationen sowie die chemischen Zusammensetzung der Aerosole. In der Antarktis gibt es kein anderes Observatorium mit vergleichbar umfassenden Langzeit-Messreihen. Die Luft über der Antarktis ist außerordentlich sauber. Um Messungen durch lokale Verunreinigungen wie Abgase von Generatoren und Fahrzeugen an der Neumayer-Station zu vermeiden, nahm das Alfred-Wegener-Institut in der Saison 1994/95 ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg ein neues Observatorium in Betrieb. Das Spurenstoff-Observatorium befindet sich heute 1,5 Kilometer südlich der jetzigen Neumayer-Station.

Alle drei Stunden Wetterbericht aus dem ewigen Eis

Seit dem 28. Januar 1981 werden an der Neumayer-Station alle drei Stunden Wetterbeobachtungen durchgeführt. Über 70.000 Datensätze sind seit dem unmittelbar in die weltweite Wettervorhersage eingegangen. Die Entdeckung des Ozonloches über der Antarktis führte zu einer intensiven Forschung. Die bereits 1985 begonnenen Untersuchungen an der benachbarten Georg-Foster-Station der DDR wurden nach der Wiedervereinigung an der Neumayer-Station fortgesetzt. Es gibt in der Antarktis keine vergleichbare Beobachtungsreihe, die den Zerfall der Ozonschicht über einen solchen Zeitraum kontinuierlich festgehalten hat. Das meteorologische Observatorium an der Neumayer-Station ist heute ein international anerkannter Knotenpunkt der World Meteorological Organisation WMO und dient seit einigen Jahren als Wettervorhersagezentrum für die gesamte Nordantarktis. Es trägt dazu bei, Veränderungen der Stratosphäre zu erfassen, Daten für die Erforschung der bodennahen Strahlung zu liefern, sowie Änderungen in diversen klimarelevanten Komponenten zu erfassen. "Auch wenn es an vielen Stellen der Erde wärmer geworden ist, für Neumayer trifft dies nicht zu" so Gert König-Langlo, Meteorologe am Alfred-Wegener-Institut. Gleiches gilt für die meisten anderen Antarktisstationen. Nur im Bereich der antarktischen Halbinsel ist eine deutliche Erwärmung zu verzeichnen.

Highlights aus 25 Jahren Messroutine

Der stärkste Wind.........36,5 m/s (10. Juli 2001) = 131,4 km/h
Die tiefste Temperatur....-47,3 °C (19. August 1992)
Die höchste Temperatur....+4,3 °C (22. Januar 1992)

Sonnenscheindauer/Tag im Sommer...24 Stunden (Polartag: 19. November bis 24. Januar)
Sonnenscheindauer/Tag im Winter...0 Stunden (Polarnacht: 19. Mai bis 27. Juli)

Aktueller Hinweis

Am 3. März 2006 werden Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts im Haus der Wissenschaft in Bremen über Leben und Arbeit aus einem Vierteljahrhundert Antarktisforschung berichten. Das Alfred-Wegener-Institut wirft auch einen Blick auf die Zukunft der deutschen Neumayer-Station und lädt die Öffentlichkeit herzlich ein, 25 Jahre Neumayer-Station zu feiern. Der Eintritt ist kostenlos.

Programm:
11:00 Uhr Eröffnung durch Dr. Hartwig Gernandt, Alfred-Wegener-Institut
11:10 Uhr Grußworte von Reinhard Junker, Ministerialdirektor am Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
11:15 Uhr Beiträge aus 25 Jahren wissenschaftliche Observatorien
11:45 Uhr Überwinterung in der Antarktis
12:00 Uhr Vorstellung der neuen Antarktisstation Neumayer III

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/

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