Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues internationales Projekt zur Erforschung des Erdkerns

30.01.2006


Projektleitung Bayerischen Geoinstitut – sechs Forschergruppen in vier Länder beteiligt


Schnitt durch das Erdinnere von der Oberfläche bis zum Erdmittelpunkt in 6378 km Tiefe. Die einzelnen Stockwerke im schalenartigen Aufbau der Erde werden durch die Kruste und Lithosphäre, den oberen und unteren Erdmantel mit der dazwischen liegenden Übergangszone sowie den äußeren, schmelzflüssigen und den inneren, festen Erdkern dargestellt. Während der Erdmantel aus Magnesium führenden Oxiden und Silikaten aufgebaut ist, besteht der Erdkern aus Eisen und Nickel und einem geringem Anteil leichterer Elemente. Durch die dynamischen Vorgänge im Erdinneren bilden sich an der Erdoberfläche Subduktionszonen, an denen Krustenteile bis in den Mantel abtauchen und mittelozeanische Rücken, an denen aufsteigende Schmelze aus dem Mantel neue Erdkruste bildet.



Die Verbesserung unseres Grundwissens über die Eigenschaften des Erdkerns sind das Ziel eines Projektes “Mineralogie und Chemismus des Erdkerns”, das jetzt als Teil eines internationalen und fachübgergreifenden Programms für eine Laufzeit von drei Jahren bewilligt wurde. Projektleiter und Koordinator ist Dr. Leonid Dubrovinsky (Bild), Privatdozent und Akademischer Oberrat am Bayerischen Geoinstitut der Universität Bayreuth. Die Arbeiten werden gemeinsam von sechs Forschergruppen in vier Ländern bearbeitet.



Im Rahmen des von der European Science Foundation (ESF) angeregten EUROCORE-Programms “Europäische mineralwissenschaftliche Forschungsinitiative” stehen für ein internationales und interdisziplinäres Vorhaben Mittel in Höhe von € 720.000,- für drei Jahre zur Verfügung. Das beantragte Projekt “Mineralogie und Chemismus des Erdkerns” wurde von den nationalen Forschungsgesellschaften der beteiligten Länder (Deutschland, Frankreich, Schweden, Spanien) intensiv begutachtet und zur Bewilligung vorgeschlagen. In Deutschland wird die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Projekt zur mineralogischen und chemischen Erkundung des Erdkerns über eine dreijährige Laufzeit fördern.

Das Hauptziel des Projektes ist die Verbesserung unseres Grundwissens über die Eigenschaften des Erdkerns. Dies ist schon deswegen von fundamentaler Bedeutung, da wir tatsächlich über unser Planetensystem bessere Kenntnisse besitzen, als über das Innere unseres Planeten, auf dessen Oberfläche wir leben. Um sowohl die Entwicklung und gegenwärtige Prozesse im Inneren unserer dynamischen Erde zu verstehen, als auch Voraussagen über geophysikalische Abläufe zu treffen, wie zum Beispiel zum Verhalten des erdmagnetischen Feldes, müssen wir unsere Kenntnisse auf diesem Gebiet wesentlich vergrößern.

Heutzutage geht die Wissenschaft davon aus, dass der Erdkern im Wesentlichen aus Eisen (Fe) mit einer 10 –-20-prozentigen Nickellegierung besteht. Man hat jedoch erkannt, dass der schmelzflüssige äußere Erdkern eine um 10% geringere Dichte als reines metallisches Fe aufweist. Daher müssen andere Elemente, die leichter als Eisen sind, zu einem signifikanten Anteil zur Zusammensetzung des Erdkerns beitragen. Als in Frage kommende Elemente wurden bisher Verbindungen mit Silizium, Schwefel, Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff diskutiert.

Eine erfolgreiche Interpretation von vorliegenden geophysikalischen Messdaten ist nur möglich, wenn äußerst präzise Kenntnisse über die chemische Zusammensetzung, die Struktur und Phasenstabilität von Legierungen auf Fe-Basis unter den extremen physikalischen Bedingungen des Erdkerns verfügbar sind. Hier sind Drücke von 150 bis 350 Giga-Pascal (1,5 bis 3,5 Millionen Atmosphären) und Temperaturen bis 6000 °C gemeint. Das Vorstoßen in diese hohen Druck- und Temperaturbereiche erforderte die Entwicklung ganz neuartiger experimenteller Techniken. Trotzdem sind die extremen Druckbereiche noch nicht zugänglich, hier müssen experimentelle Methoden mit theoretischen Ansätzen kombiniert werden.

Interessanterweise wird die Quantenmechanik zur Erforschung des Erdkerns herangezogen. Mit ihr lassen sich mikroskopische Prozesse im atomistischen Maßstab beschreiben. In Verbindung mit leistungsfähigen Computerkapazitäten bildet sie eine moderne Grundlage für die Vorhersage von Materialeigenschaften, über die bisher keine experimentellen Daten vorliegen.

Alle am Projekt beteiligen Wissenschaftler haben bereits durch ihre interdisziplinären Vorarbeiten wichtige Erkenntnisse zu den Eigenschaften des Erdkerns beigetragen. Die Bayreuther Wissenschaftler um Dr. Dubrovinsky konnten gerade in letzter Zeit neue und fundamentale Ergebnisse einbringen. In einer Kombination von experimentellen und theoretischen Arbeiten untersuchten sie die Bildung von Legierungen aus Eisen und Magnesium unter hohen Drücken. Magnesium, eines der häufigsten Elemente in der Erde, wurde bisher niemals ernsthaft als mögliche Komponente des Erdkerns betrachtet, da es unter normalen Drücken mit Fe einfach keine Legierungen bildet. Nachdem jedoch die Forscher am Geoinstitut und ihre Kollegen die Mischbarkeit von Eisen und Magnesium bei sehr hohen Drücken nachweisen konnten, muss auch dieses Element als potentielle Komponente des äußeren Erdkerns betrachtet werden.

Schnitt durch das Erdinnere von der Oberfläche bis zum Erdmittelpunkt in 6378 km Tiefe. Die einzelnen Stockwerke im schalenartigen Aufbau der Erde werden durch die Kruste und Lithosphäre, den oberen und unteren Erdmantel mit der dazwischen liegenden Übergangszone sowie den äußeren, schmelzflüssigen und den inneren, festen Erdkern dargestellt. Während der Erdmantel aus Magnesium führenden Oxiden und Silikaten aufgebaut ist, besteht der Erdkern aus Eisen und Nickel und einem geringem Anteil leichterer Elemente. Durch die dynamischen Vorgänge im Erdinneren bilden sich an der Erdoberfläche Subduktionszonen, an denen Krustenteile bis in den Mantel abtauchen und mittelozeanische Rücken, an denen aufsteigende Schmelze aus dem Mantel neue Erdkruste bildet.

Kerstin Wodal | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Berichte zu: Eisen Erdkern Geoinstitut Legierungen Magnesium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Sensationsfund: Spuren eines Regenwaldes in der Westantarktis
02.04.2020 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert
25.03.2020 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Im Focus: Harnessing the rain for hydrovoltaics

Drops of water falling on or sliding over surfaces may leave behind traces of electrical charge, causing the drops to charge themselves. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz have now begun a detailed investigation into this phenomenon that accompanies us in every-day life. They developed a method to quantify the charge generation and additionally created a theoretical model to aid understanding. According to the scientists, the observed effect could be a source of generated power and an important building block for understanding frictional electricity.

Water drops sliding over non-conducting surfaces can be found everywhere in our lives: From the dripping of a coffee machine, to a rinse in the shower, to an...

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Im Focus: Sensationsfund: Spuren eines Regenwaldes in der Westantarktis

90 Millionen Jahre alter Waldboden belegt unerwartet warmes Südpol-Klima in der Kreidezeit

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Geowissenschaftlern des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)...

Im Focus: A sensational discovery: Traces of rainforests in West Antarctica

90 million-year-old forest soil provides unexpected evidence for exceptionally warm climate near the South Pole in the Cretaceous

An international team of researchers led by geoscientists from the Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI) have now...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste SARS-CoV-2-Genome aus Österreich veröffentlicht

03.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Projekt »Lade-PV« gestartet: Fahrzeugintegrierte PV für Elektro-Nutzfahrzeuge

03.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics