Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Oberflächen-Permafrost könnte bis 2100 verschwunden sein

23.12.2005


Rückkoppelung könnte globale Erwärmung noch verstärken



Nach einer soeben in den Geophysical Letters veröffentlichten Studie des National Center for Atmospheric Research in Colorado könnten die Regionen mit Permafrostböden bis 2100 der Geschichte angehören. Insbesondere jene gebiete, in denen die obersten 3,3 Meter das ganze Jahr über gefroren sind, werden verschwinden. Die Auswirkungen auf die Umwelt, egal ob Mensch oder Tiere werden dramatisch sein, meinen Experten.



In Gebieten, in denen die Temperatur über mehrere Jahre hinweg unter null Grad liegt, bildet sich längerfristig gefrorener Boden, der Permafrost genannt wird. Große Areale von Permafrost gibt es in den Tundren und borealen Waldgebieten Nordamerikas, Nordeuropas und Nordasiens. "Nach unseren Modell-Vorhersagen werden gerade jene Regionen in denen die obersten 3,3 Meter Permafrost herrschen, in den kommenden Jahren rapide abnehmen", meint der Klimaforscher David Lawrence vom National Center for Atmospheric Research NOAA in Colorado. Tieferer Permafrost sei in den Untersuchungen der NOAA-Forscher nicht berücksichtigt worden. Die Wissenschaftler nehmen an, dass diese nicht von der globalen Erderwärmung betroffen sein werden.

Lawrence hat gemeinsam mit Andrew Slater von der University of Colorado ein Modell erstellt, das die Auswirkungen auf die Atmosphäre, die Landmasse, die Meere, dem Ozeaneis und den Böden selbst misst. "Es gibt zwar schon Permafrost-Studien, allerdings ohne interaktive Klimasystem-Modellierung", bemerkt Lawrence. Die Forscher haben verschiedene Szenarien untersucht: Eines beginnt mit dem aktuellen Wert von 350ppm und endet 2100 mit Spitzenwerten um 810ppm, ein weiteres mit 550 ppm (wenn emissionsfreie Technologien bisherige ersetzen), ein anderes unter dem Titel "business as usual" mit Konzentrationen von 700ppm.

Steigen die Werte auf 810ppm wird von den heute 6,4 Mio. Quadratkilometer Permafrost-Böden nur noch ein Zehntel übrig sein. Sogar beim "Best-Case-Szenario" bleiben nur noch 2,4 Mio. Quadratkilometer übrig. "Eine Abnahme von Permafrost auf einer derart großen Fläche, wird gewaltige Auswirkungen auf die Umwelt haben", meint Lawrence. Betroffen wären zum Beispiel Städte wie Juneau oder Murmansk. Die Experten sehen auch soziale Probleme, die mit den ökologischen einhergehen. Bereits heute führen arktische Flüsse um etwa sieben Prozent mehr Wasser in die Meere als etwa in den 30-er Jahren. Diese Menge könnte um weitere 28 Prozent steigen. Das werde Auswirkungen auf die Flüsse und auf die Ozeane haben, mutmaßen die Forscher. Diese könnten sogar zu einer Veränderung der Meeresströmungen führen.

Zusätzlich dazu, haben diese Böden zwischen 20 und 60 Prozent des globalen Kohlenstoffs eingelagert. Das Auftauen könnte zur Folge haben, dass riesige Mengen davon freigesetzt werden, da die Kompostierung der organischen Substanzen in Gang gebracht wird. "Die Folge wäre eine immense Zunahme von Treibhausgasen. "Derzeit sind diese organischen Bestandteile praktisch eingefroren und sorgen dafür, dass CO2 und Methan im Boden bleiben", meint Lawrence. Wenn diese Emissionen in großem Maße freigesetzt werden, werden sie die globale Erwärmung beschleunigen oder zumindest verstärken."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.agu.org/journals/gl
http://www.noaa.gov

Weitere Berichte zu: Colorado Oberflächen-Permafrost Permafrost Quadratkilometer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Arktischer Ozean verliert überdurchschnittlich viel Meereis
13.09.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Erstmals Langzeit-Messung atmosphärischer Radikale
12.09.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Im Focus: Schaltung des Stromflusses auf atomarer Skala

Forscher aus Augsburg, Trondheim und Zürich weisen gleichrichtende Eigenschaften von Grenzflächenkontakten im ferroelektrischen Halbleiter nach.

Die Grenzflächen zwischen zwei elektrisch unterschiedlich polarisierten Bereichen im Festkörper werden als ferroelektrische Domänenwände bezeichnet. In der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

Studierende organisieren internationalen Wettbewerb für zukünftige Flugzeuge

17.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Auf der InnoTrans 2018 mit innovativen Lösungen für den Güter- und Personenverkehr

18.09.2018 | Messenachrichten

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

18.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics