Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Java: Unterirdischer Stausee liefert Trinkwasser

10.11.2005


Karlsruher Ingenieure arbeiten an Technologie gegen Wassermangel auf Java



Weniger als 20 Liter Wasser täglich stehen den Menschen im Distrikt Gunung Kidul auf der indonesischen Insel Java derzeit zur Verfügung. Wissenschaftler der Universität Karlsruhe arbeiten an einem weltweit einmaligen Projekt, um diesem Problem abzuhelfen: Mit Hilfe eines unterirdischen Stauwerks möchten sie den Wassermangel beseitigen. Während einer Pressekonferenz informierte Projektleiter Professor Dr. Franz Nestmann heute über den Ablauf und die Ziele des Projekts "Erschließung und Bewirtschaftung unterirdischer Karstfließgewässer", das seit vier Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. "Durch den Einsatz von Technologien, die an die Bedürfnisse von Mensch und Natur in der Region angepasst sind, möchten wir genug Wasser zur Verfügung stellen, um 80 000 Menschen während der Trockenzeit täglich mit Trinkwasser zu versorgen", betonte Nestmann.

... mehr zu:
»Höhle »Java »Trinkwasser »Wassermangel


Im Untersuchungsgebiet Gunung Kidul, einer rund 1400 Quadratkilometer großen Karstlandschaft auf der Insel Java, versickert jeglicher Niederschlag blitzschnell in den Höhlen des dortigen Gesteins. Das Wasser dieser unterirdischen Flüsse tritt erst wieder in Quellen an der Küste zutage. Während der Trockenzeit herrscht daher akuter Wassermangel. Die Wissenschaftler der Universität Karlsruhe wollen mit dem unterirdischen Wasserreichtum den oberirdischen Wassermangel mildern. Die Idee: Ein unterirdischer Stausee soll das natürliche Gefälle der Höhle ausnutzen und die Energie zum Betrieb von Pumpsystemen liefern, die das Wasser nach oben befördern. "Wir möchten den unterirdischen Fluss bis zu einer Höhe von 10 bis 15 Metern aufstauen", erklärt Nestmann. Momentan muss die Bevölkerung das Wasser zum Teil über große Entfernungen nach Hause schaffen. Außerdem werden über Dieselgeneratoren betriebene Pumpsysteme genutzt, um Trinkwasser nach oben zu fördern. Nestmann: "Diese Technologie kann den Wasserbedarf bei weitem nicht decken und ist aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht nicht zu verantworten."

Die ersten Meilensteine bei der Umsetzung des ehrgeizigen Projekts haben die Karlsruher Forscher bereits hinter sich gebracht: Im Sommer 2004 hatte die Herrenknecht AG einen 100 Meter tiefen Versorgungsschacht gebohrt, um die Höhlenbaustelle zu erschließen. Dazu hatte die Firma ein spezielles Vertikalbohrgerät entwickelt. Seit Anfang diesen Jahres laufen nun die Bauarbeiten untertage: "Wir planen, die Staumauer bis zum Beginn der nächsten Regenzeit abzuschließen, denn dann können wir hinter der Mauer auch bei hohen Abflüssen in der Höhle weiterbauen", erklärt Nestmann.

Ein Aspekt des Projekts ist der Einsatz von Technologien, die den Bedürfnissen von Mensch und Natur in der Region angepasst sind. So setzen die Ingenieure anstelle von Turbinen sehr robuste Pumpen zur Energiegewinnung ein, die invers, also im Turbinenbetrieb laufen. Der Grund: "Pumpen sind leichter verfügbar, kostengünstiger und außerdem sehr robust und wartungsfreundlich", sagt Nestmann. Auf diese Weise lasse sich ein Wirkungsgrad von über 80 Prozent erreichen. Um den Betrieb zu optimieren, haben Wissenschaftler des Instituts für Wasser und Gewässerentwicklung (IWG) den Einsatz von Pumpen als Turbinen in einer Studie getestet.

Neben der Möglichkeit, Energie durch ein unterirdisches Stauwerk zu gewinnen, haben sich die Wissenschaftler auch mit einer alternativen Technologie beschäftigt: Die Versuchsanstalt für Stahl, Holz und Steine hat den Einsatz von Holzdruckrohrleitungen getestet. "In einer Höhle, die ein rund 30 Meter starkes Gefälle hat, könnte man anstelle eines Stauwerks eine Holzdruckrohrleitung zur Energiegewinnung nutzen, an deren Ende Turbinen angeschlossen sind", erklärte Professor Dr. Hans-Joachim Blaß. Die Versuchsanstalt habe unter anderem untersucht, welchen Belastungen eine solche Leitung ausgesetzt wäre, wie sie verlegt werden müsste und ob auf Java heimische Baumarten für ihren Bau verwendet werden könnten. Eine Höhle, die für eine derartige Technologie geeignet scheint, haben die Karlsruher bereits auf Java gefunden.

Das BMBF fördert das Projekt seit 2001 mit insgesamt 2,3 Millionen Euro. 1,1 Millionen Euro bringt die deutsche Industrie auf, Indonesien leistet ebenfalls einen beachtlichen Beitrag. An der Umsetzung sind neben der Herrenknecht AG auch die KSB AG sowie weitere Firmen beteiligt.

Weitere Informationen:
Angelika Schukraft
Presse und Kommunikation
Universität Karlsruhe (TH)
Telefon: 0721/608-6212
E-Mail: schukraft@verwaltung.uni-karlsruhe.de

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-karlsruhe.de/Uni/
http://www.presse.uni-karlsruhe.de/4298.php

Weitere Berichte zu: Höhle Java Trinkwasser Wassermangel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Eisberge als Nährstoffquelle - Führt der Klimawandel zu mehr Eisendüngung im Ozean?
20.11.2019 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Großschmetterlings-Raupe im Baltischen Bernstein entdeckt
20.11.2019 | Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Antibiotikum gegen Problemkeime in Sicht

Internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Gießen entdeckt neuen Wirkstoff gegen gramnegative Bakterien – Darobactin attackiert die Erreger an einem bislang unbekannten Wirkort

Immer mehr bakterielle Erreger von Infektionskrankheiten entwickeln Resistenzen gegen die marktüblichen Antibiotika. Typische Krankenhauskeime wie Escherichia...

Im Focus: Machine learning microscope adapts lighting to improve diagnosis

Prototype microscope teaches itself the best illumination settings for diagnosing malaria

Engineers at Duke University have developed a microscope that adapts its lighting angles, colors and patterns while teaching itself the optimal...

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Datenübertragung mit Ultraschall am Handy: neue Methode zur Nahfeldkommunikation

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Rasante Entstehung von Antibiotikaresistenzen im Behandlungsalltag

21.11.2019 | Medizin Gesundheit

Gesundheits-App als Fitness-Coach für Familien

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics