Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neutronendetektor auf der Zugspitze misst kosmische Strahlung

20.10.2005


Wetterküche Weltall? Wird unser Klima durch Strahlung aus dem All beeinflusst?


Die neue Messstation an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus. Foto: GSF



Wissenschaftler des GSF - Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit gehen dieser Frage mit Hilfe einer neuen Messstation an der Umweltforschungsstation (UFS) Schneefernerhaus auf den Grund. Am 12. Oktober wurde die Messstation offiziell eröffnet, unter deren Spitzdach unter anderem ein so genanntes Vielkugelspektrometer kosmische Strahlung aus dem Weltall einfängt. Gemeinsam mit an der UFS vor allem vom Deutschen Wetterdienst und dem Umweltbundesamt im Rahmen des "Global Atmosphere Watch"-Programms routinemäßig erhobenen Daten kann dann untersucht werden, ob es einen Zusammenhang zwischen kosmischer Strahlung und atmosphärischen Zustandsgrößen gibt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz gefördert.

... mehr zu:
»Messstation »Neutron »Strahlung »Teilchen »UFS


Die Erde ist einem ständigen Bombardement von energiereichen Teilchen aus dem Weltall ausgesetzt. Das Magnetfeld der Sonne schirmt diese Teilchen teilweise ab, so dass ihre Intensität auf der Erde vom elfjährigen Sonnenflecken-Zyklus, der ein Maß für die Stärke des solaren Magnetfelds liefert, abhängt. Auch unsere Atmosphäre schützt gegen die kosmische Strahlung. Dabei entstehen allerdings auch neue Teilchen, die als Sekundärstrahlung bezeichnet werden. "Da sich die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Erdatmosphäre in den letzten Jahren teilweise erheblich verändert haben - so ist der CO2-Gehalt seit Beginn der industriellen Revolution stark angestiegen - ist zu erwarten, dass sich auch die Wechselwirkungen der kosmischen Strahlung mit der Atmosphäre bereits verändert haben bzw. sich weiter verändern werden", erklärt Dr. Werner Rühm vom GSF-Institut für Strahlenschutz. Denkbar ist zum Beispiel, dass Strahlungspartikel beim Aufprall auf Atmosphärengase Kondensationskeime erzeugen, die zu verstärkter Wolkenbildung führen.

Die UFS in 2.650 Metern Höhe ist ein idealer Standort für die neue Messstation, da die Dichte der Luft dort bereits deutlich geringer ist als im Tal. Dadurch schwächt die Atmosphäre die kosmische Strahlung weniger stark ab und es können genauere Messungen durchgeführt werden. Zudem werden an der UFS bereits umfangreiche luftphysikalische und -chemische Messungen durchgeführt. "Die gleichzeitige Erhebung von Atmosphärenparametern wie Lufttemperatur, Niederschlagsmenge, relativer Luftfeuchte, Sonnenscheindauer u.ä., aber auch von atmosphärischen Spurengasen, gibt uns die einzigartige Chance, diese Daten mit der von uns gemessenen kosmischen Strahlung zu korrelieren und so den Einfluss der Strahlung auf die Atmosphäre zu untersuchen", betont Rühm.

Das Vielkugelspektrometer besteht aus 16 mit 3He-Gas gefüllten Detektoren, die von weißen Polyethylenkugeln verschiedener Durchmesser umgeben sind. Die Detektoren reagieren nur auf "langsame" Neutronen mit niedriger Energie, deshalb werden energiereichere, d.h. schnellere Neutronen mit Hilfe der Polyethylenkugeln vor der Messung abgebremst. Die unterschiedlichen Durchmesser sorgen dafür, dass die einzelnen Kugeln auf Neutronen bestimmter Energiebereiche spezialisiert sind: Je größer die Kugel ist, desto energiereichere Teilchen kann sie abbremsen. Die Kombination der Messergebnisse der verschiedenen Kugeln erlaubt die Rekonstruktion des Energiespektrums der einfallenden Neutronen über einen weiten Energiebereich von etwa 1 meV bis 10 GeV.

Das mit dem Vielkugelspektrometer gewonnene Neutronenspektrum wird allerdings auch durch die Materialien in der näheren Umgebung beeinflusst. Besonders der Wassergehalt spielt hierbei eine wichtige Rolle - also würde auch eine Schneeauflage auf dem Labordach die Messergebnisse verändern. Um dies zu vermeiden, wurde für die Messstation eine drei Meter hohe Spitzdachkonstruktion mit einem Dachneigungswinkel von 64 Grad gewählt, von der der Schnee einfach abrutschen kann.

GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 089/3187-2460
Fax 089/3187-3324
E-Mail: oea@gsf.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2005/Messstation-Zugspitze.php

Weitere Berichte zu: Messstation Neutron Strahlung Teilchen UFS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Alles zur Kryotechnik: HDT bietet Seminar zum „Kryostatbau“ in Karlsruhe an

15.08.2018 | Seminare Workshops

Brandschutz im Tanklager – Tagung in Essen

15.08.2018 | Seminare Workshops

Orientieren auf die Schnelle: Neue Erkenntnisse zur Wahrnehmungssteuerung im Gehirn

15.08.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics