Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der komplizierte Geo-Dynamo

06.09.2005


75 Jahre Erforschung des Erdmagnetfeldes am GFZ-Observatorium Niemegk


Seit 75 Jahren werden am Adolf Schmidt-Observatorium des GeoForschungsZentrums Potsdam das Magnetfeld der Erde beobachtet und seine Änderungen aufgezeichnet. Das ist der Anlass zu einem internationalen Fachkolloquium am 07. September 2005 im Observatorium Niemegk.

Das Erdmagnetfeld ist auch heute eines der wichtigen Forschungsthemen der Geowissenschaften. Dazu gehört die genaue und kontinuierliche Beobachtung des Magnetfeldes. "Niemegk hat zusammen mit seinen Vorgängerstationen in Potsdam und Seddin eine der längsten kontinuierlichen Datenreihen weltweit, bis 1890 reichen die Messaufzeichnungen zurück," sagt Prof. Rolf Emmermann, Vorstandsvorsitzender des GFZ Potsdam. "Hinzu kommt: auch die Qualität der Daten gehört dank der gut gewählten Lage fern von anthropogenen Störungen der Messungen heute noch weltweit zu den besten."


Das Magnetfeld der Erde: immer in Bewegung

Ende Oktober 2003 trafen sehr starke magnetische Stürme auf die Erde. Bis in den Süden Deutschlands waren Polarlichter zu sehen. Die Magnetstürme sorgten aber auch für Probleme im Funkverkehr (z.B. mit Flugzeugen), einem Stromausfall in Schweden und Beeinträchtigungen von verschiedenen Satelliten. Der Grund war ein äußerst starker Ausbruch auf der Sonne. Am Observatorium Niemegk beobachtete man am 29. Oktober eine Schwankung der Kompass-Nadel um fast 3 Grad innerhalb von weniger als 30 Minuten.

Aber auch im "Normalbetrieb" ändert sich das Erdmagnetfeld ständig. Die auch heute noch übliche Navigation mit dem Kompass bedarf stets aktualisierter Daten der magnetischen Missweisung weltweit. Das Observatorium Niemegk ist in das internationale Netz zur Datenerhebung eingebunden.

Das GFZ Potsdam beobachtet zusätzlich mit seinem eigenen Satelliten CHAMP das Erdmagnetfeld. Die naheliegende Frage, ob dadurch erdgebundene Observatorien nicht überflüssig werden, beantwortet Rolf Emmermann so: "Satellitenbeobachtungen ergänzen die Messungen in Observatorien, vor allem in den Gebieten der Erde, wo es keine Messstationen gibt. Ersetzen können Satelliten aber die Observatorien nicht, weil gerade für Langzeitmessungen nur Observatoriumsbeobachtungen die Basis sein können. Zudem werden die Satellitendaten mithilfe von Bodenstationsmessungen geeicht. CHAMP und Niemegk ergänzen sich ideal." Die zukünftige SWARM-Mission zur Magnetfeldbeobachtung aus dem Raum belegt dieses Argument. Drei Satelliten vom CHAMP-Typ sollen ab 2009 die Erde umkreisen, Niemegk wird dazu die bodengestütze Ergänzung darstellen.

Initiativen mit internationalem Einfluss aus dem Observatorium Niemegk

Eine ganze neue Forschungsrichtung der Geophysik hatte ihren Ursprung in Niemegk: Um 1950 fiel den Observatoren auf, dass bestimmte Variationen des Erdmagnetfeldes in Niemegk und am norddeutschen Observatorium Wingst entgegengesetzt abliefen. Der Wissenschaftler Otto Meier fand heraus, dass dieser Effekt eine Folge von elektrischen Strömen im Erdboden ist. Sein Kollege Horst Wiese erkannte, dass sich der Effekt nutzen lässt und entwickelte die Methode der elektromagnetischen Tiefensondierung.

Julius Bartels, seinerzeit Direktor des Geophysikalischen Instituts Potsdam, entwickelte 1949 als Maß für die geomagnetische Aktivität den Kp-Index, der mit einem standardisierten Verfahren aus den Daten von 13 weltweiten Observatorien bestimmt wird und auch heute noch weite Verbreitung findet. Der Kp-Index ist von der International Association of Geomagnetism and Aeronomy (IAGA) als wichtige Maßgröße anerkannt und wird seit 1997 in Niemegk bestimmt.

Das Erdmagnetfeld unterliegt kurz- und langfristigen Veränderungen. Um die Langzeit-Variationen ("Säkularvariatonen)" exakter bestimmen zu können, ging im Jahr 2003 vom Observatorium Niemegk die Initiative aus, die einzelnen nationalen Vermessungen des Geomagnetfeldes mit zusätzlichen Stationen europaweit besser zu koordinieren. Bis dahin fanden solche Messungen unabhängig in den einzelnen Ländern statt, so dass es wegen starker Unterschiede der Daten und auch der Datenqualität schwierig war, einheitliche magnetische Karten von Europa zu erstellen oder wissenschaftliche Magnetfeldstudien zu kombinieren.

Franz Ossing
GFZ GeoForschungsZentrum Potsdam
-Public Relations-
Telegrafenberg
D-14473 Potsdam
Tel. ++49 (0)331 - 288 1040
Fax ++49 (0)331 - 288 1044
e-mail: ossing@gfz-potsdam.de

Franz Ossing | idw
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/news
http://www.gfz-potsdam.de/pb2/pb23/index.html

Weitere Berichte zu: Erdmagnetfeld Magnetfeld Observatorium Satellit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics