Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Wissenschaftler analysiert Flutkatastrophe

29.12.2004


Noch immer ist das ganze Ausmaß der von einem Seebeben ausgelösten Flutkatastrophe im Indischen Ozean ungewiß - täglich steigen die amtlichen Zahlen der Opfer. Die verheerenden Folgen der als "Tsunami" bekannten Riesenwellen haben laut Professor Dr. Richard Dikau vom Geographischen Institut der Universität Bonn vor allem zwei Ursachen: Es fehlten sowohl ein Frühwarnsystem als auch geeignete Gefahren- und Risikopläne für Katastrophenfälle.



"Im Gegensatz zum Pazifikraum, wo die Anrainer in Honolulu ein Meldezentrum für Seebeben und Flutwellen betreiben, gab es rund um den Indischen Ozean zum Zeitpunkt des Seebebens kein funktionierendes Kommunikations- und Frühwarnsystem", stellt der Bonner Katastrophen-Forscher fest, der derzeit in einem Forschungsfreisemester an einem Buch über Naturkatastrophen und Katastrophenvorsorge arbeitet. Warnungen konnten so nicht rechtzeitig weitergegeben werden.



Noch schwerwiegender wirkte sich aber das zweite Versäumnis aus, sagt der Bonner Geograph: "Die Flutfolgen sind auch deshalb so verheerend, weil keinerlei Planungen und Vorkehrungen für den Fall einer Flutwelle getroffen worden waren." Die schlimmsten Folgen des Tsunami hätten vielleicht abgemildert werden können, wenn beizeiten so genannte Gefahrenzonen-Pläne erstellt worden wären, wie dies an der Westküste der USA bereits geschehen ist. Darin erfassen Gemeinden ähnlich wie die hiesigen hochwassergefährdeten Kommunen am Rhein und seinen Nebenflüssen, welche Gebiete bei einer Flutwelle einer gegebenen Höhe überflutet werden. Außerdem werden die Flucht- und Rettungswege für den Fall des Falles festgelegt. "So weiß jeder bescheid, wohin er laufen muß, wenn die Katastrophe eintritt", erklärt der Bonner Forscher. Außerdem würden die Erkenntnisse bei der Stadtplanung berücksichtigt.

Daß sich eine vergleichbare Katastrophe in unsere Breiten ereigne, sei unwahrscheinlich, da hier kein zum südostasiatischen Raum vergleichbares Gefährungspozential bestehe: "Die Nordsee ist tektonisch gesehen eine relativ ruhige Zone." Auch der Atlantik ist trotz vulkanischer und tektonischer Aktivität nicht so aktiv wie der Pazifische und der Indische Ozean. "Während in Asien Kontinentalplatten miteinander kollidieren, driften sie im Atlantik auseinander." Aber auch im Atlantik sind in der Vergangenheit bereits Tsunamis aufgetreten. So konnten Wissenschaftler nachweisen, daß sowohl kollabierende Vulkanflanken z.B. auf Kanarischen Inseln, als auch unterseeische Erdrutsche an den Kontinentalrändern (zum Beispiel vor rund 7000 Jahren in Norwegen) Flutwellen solche auslösen können.

Auszuschließen seien Seebeben aber selbst in der Nordsee nicht: "Naturereignisse treten immer wieder mit einer gewissen statistische Wahrscheinlichkeit auf", sagt Professor Dikau. "Ausschließen kann man sie daher nie."

Katastrophen und wie man sich auf sie vorbereiten kann, sind ein Schwerpunkt der geographischen Forschung in Bonn. Im kommenden Jahr ist die Einrichtung eines eigenen Studiengangs für diesen Bereich geplant.

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Atlantik Flutkatastrophe Flutwelle Ozean Seebeben

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

Stellarator-Rekord für Fusionsprodukt / Erste Bestätigung für Optimierung

Höhere Temperaturen und Dichten des Plasmas, längere Pulse und den weltweiten Stellarator-Rekord für das Fusionsprodukt hat Wendelstein 7-X in der...

Im Focus: Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

Bei der Entwicklung innovativer Superrechner-Architekturen ist Europa dabei, die Führung zu übernehmen. Leuchtendes Beispiel hierfür ist der neue Höchstleistungsrechner, der in diesen Tagen am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) an den Start geht. JUWELS ist ein Meilenstein hin zu einer neuen Generation von hochflexiblen modularen Supercomputern, die auf ein erweitertes Aufgabenspektrum abzielen – von Big-Data-Anwendungen bis hin zu rechenaufwändigen Simulationen. Allein mit seinem ersten Modul qualifizierte er sich als Nummer 1 der deutschen Rechner für die TOP500-Liste der schnellsten Computer der Welt, die heute erschienen ist.

Das System wird im Rahmen des von Bund und Sitzländern getragenen Gauß Centre for Supercomputing finanziert und eingesetzt.

Im Focus: Superconducting vortices quantize ordinary metal

Russian researchers together with their French colleagues discovered that a genuine feature of superconductors -- quantum Abrikosov vortices of supercurrent -- can also exist in an ordinary nonsuperconducting metal put into contact with a superconductor. The observation of these vortices provides direct evidence of induced quantum coherence. The pioneering experimental observation was supported by a first-ever numerical model that describes the induced vortices in finer detail.

These fundamental results, published in the journal Nature Communications, enable a better understanding and description of the processes occurring at the...

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

25.06.2018 | Physik Astronomie

Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

25.06.2018 | Informationstechnologie

Leuchtfeuer in der Produktion

25.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics