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Tiefsee holt im Winter Luft

19.11.2004


Ozean nimmt große Mengen Sauerstoff auf



Forscher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel haben mit Sauerstoffsensoren nachgewiesen, dass die Tiefsee im Winter große Mengen an atmosphärischem Sauerstoff "einatmet". Die Ergebnisse eröffnen damit neue Wege zur Erforschung des Klimawandels, berichten die Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Forschungsmagazins Science.



Eine Forschergruppe um Arne Körtzinger hat so genannte Ozean-Tiefendrifter erstmals mit modernen Sauerstoffsensoren ausgestattet und im Vorjahr in der Labradorsee ausgesetzt. Besonders während der Wintermonate nimmt die Tiefsee immense Sauerstoffmengen auf und scheint große Teile der atlantischen Tiefsee mit Sauerstoff zu versorgen. Die Messungen zeigen außerdem, dass der eingeatmete Sauerstoff durch die Meeresströmungen schnell im ganzen Ozean verteilt wird. Für die Klimaforschung könnte der Atem des Meeres folgenschwere Auswirkungen haben, denn der ozeanische Sauerstoffgehalt hängt eng mit dem Gehalt an Sauerstoff in der Atmosphäre zusammen. Diese atmosphärischen Sauerstoffkonzentrationen haben aber in den vergangenen 100 Jahren stetig abgenommen. Der Grund dafür ist die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle.

Die Abnahme des atmosphärischen Sauerstoffs führt aber nach Aussage der Forscher nicht zum Erstickungstod, sondern könnte sogar nützlich sein. Denn sie lässt sich relativ einfach messen und vor allem lässt sich mit ihrer Hilfe gut abschätzen, wie viel CO2 in den Ozeanen gelöst und wie viel von Pflanzen und Bäumen an Land aufgenommen wird. Die Schätzung funktioniert allerdings nur solange der Sauerstoffgehalt der Ozeane, wie bisher allgemein angenommen, konstant ist. Aktuelle Modellrechnungen sprechen jedoch von einer Abnahme der Sauerstoffkonzentration durch Veränderungen der Meeresströmungen in der Tiefsee. Der Klimawandel könnte solche Veränderungen bewirken und damit die Prozesse verlangsamen, durch die der Sauerstoff in die Tiefen der Ozeane befördert wird.

Nur eine kontinuierliche Beobachtung des Sauerstoffgehalts könnte eine solche These allerdings bestätigen. Bisher waren solche Messungen aber kaum möglich, da sie finanziell zu aufwändig waren. Auch in diesem Bezug ist es den Kieler Forschern gelungen eine einfachere, kostengünstigere Alternative zu entwickeln: Das aktuelle Forschungsprojekt setzt weltweit Tausende Tiefendrifter ein, die den Temperaturanstieg der Weltmeere beobachten sollen. Mit entsprechenden Sensoren ausgerüstet könnten sie auch die Sauerstoffkonzentration messen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de

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