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Asteroidenschauer traf die Erde im späten Eozän

05.08.2004


Impaktforschung des Museums für Naturkunde der Humboldt Universität zu Berlin und der Vrije Universiteit Brussel belegt einen Asteroiden-Schauer im späten Eozän


Der 100 km große Popigai-Krater in Sibirien und der 80 km große Chesapeake-Bay Krater an der Ostküste der USA galten bislang als Produkt eines Einschlages großer Kometen vor ca. 35 Millionen Jahren. Forschungen des Chemikers Roald Tagle vom Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin und des Geologie-Professors Philippe Claeys aus Brüssel widerlegen jetzt diese These. Vielmehr wurde die Erde im späten Eozän von einem ganzen Asteroidenschauer heimgesucht. Die gewaltigen Krater entstanden demnach durch Einschläge von Meteoriten-Bruchstücken, die von einem Zusammenstoß im Asteroidengürtel herrühren. Die gewaltigen, hierbei freigesetzten Energiemengen könnten zu den gravierenden Umweltveränderungen beigetragen haben, die das globale Aussterbeereignis am Ende des Eozäns auslösten.

Im Rahmen einer Dissertationsarbeit am Institut für Mineralogie des Museums für Naturkunde der Berliner Humboldt-Universität kam der junge Geochemiker Dr. Roald Tagle (30) gemeinsam mit Prof. Dr. Philippe Claeys von der Vrije Universiteit Brussel, Belgien zu erstaunlichen Ergebnissen.


Bei Untersuchungen an Gesteinen des Popigai-Kraters in Sibirien, die am GeoForschungsZentrum Potsdam durchgeführt wurden, konnten die Konzentrationen und Verhältnisse einiger Platingruppenelemente extraterrestrischer Herkunft bestimmt werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Zusammensetzung des Einschlagkörpers der eines L-Chondriten entspricht - des am häufigsten auftretenden Meteoritentyps. Ging man bisher davon aus, dass sowohl der sibirische Popigai-, wie auch der Chesapeake-Bay Krater in den USA von einem Kometen verursacht wurden, gilt diese These jetzt für den Popigai als widerlegt. Kometen bestehen zum größten Teil aus Eis und weisen nach bisheriger Erkenntnis eine ganz andere Zusammensetzung auf. L-Chondriten sind hingegen Bruchstücke von Asteroiden, die wiederholt als Meteoriten auf die Erde fallen. So kann darauf geschlossen werden, dass auch der Popigai-Einschlagkörper von einem Asteroiden stammte. Diese Erkenntnisse über den Popigai-Einschlagkörper in Kombination mit neuesten Studien über die Bewegung von Asteroiden, lassen den Schluss zu, dass unsere Erde vor 35 Millionen Jahren durch einen großen Asteroidenschauer getroffen wurde. Die Bruchstücke, die dabei die Erde trafen, stammten vermutlich von einem gewaltigen Zusammenstoss im Asteroidengürtel. Bei diesem Zusammenstoß wurden sowohl unzählige feine Staubpartikeln freigesetzt, die zu den erhöhten Konzentrationen eines bestimmten Helium-Isotops (3He)in irdischen Sedimentgesteinen führten, als auch größere Bruchstücke von bis zu 5 km Durchmesser, die auf der Erde einschlugen. Diese erzeugten Einschlagkrater von 80 und 100 km Durchmesser, wie sie der Popigai und Chesapeake-Bay-Krater darstellen. Vergleichbar dem Impaktereignis des Chixculub-Kraters in Mexiko(umfangreiche Forschung dazu findet ebenfalls am Museum für Naturkunde statt), könnten die gewaltigen Energiemengen, die durch mindestens zwei große Einschläge freigesetzt wurden, zu den Umweltveränderungen beigetragen haben, die zu dem letzten großen Aussterbeereignis der Erdgeschichte am Ende des Eozän geführt haben. Diese Ergebnisse zeigen nicht zuletzt, dass aufgrund von großen Kollisionen im Asteroidengürtel unsere Erde auch in Zukunft über einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren verstärkt Ziel von Einschlägen werden kann. Derartige Ereignisse würden zu großen Katastrophen auf lokaler und globaler Ebene führen. Die Ergebnisse wurden erstmals vor Kurzem in einem Artikel des Science-Magazine (23. Juli 04) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (www.sciencemag.org/cgi/reprint/305/5683/492.pdf).

Informationen und Kontakt:

Dr. Roald Tagle
Museum für Naturkunde Berlin
Institut für Mineralogie
Tel: +49 (0)30 2093 8593, Fax: +49 (0)30 2093 8565
roald.tagle@museum.hu-berlin.de mailto:roald.tagle@museum.hu-berlin.de

Dr. Angela Bittner | idw
Weitere Informationen:
http://www.museum.hu-berlin.de
http://www.museum.hu-berlin.de/mitarb/mitarb.asp?name=roald.tagle&lang=1

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