Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Leben direkt an der Quelle

21.02.2001


... mehr zu:
»Botanik »Grundwasser »Quellbereich
Wie Fenster, die den Blick auf verborgene Schätze erlauben, lassen Quellbiotope den Zustand der wertvollen Vorräte an Grundwasser erkennen, die unter der Erde lagern. Wo das Wasser zu Tage tritt, sind
Lebensgemeinschaften von Spezialisten entstanden, deren Geschichte zum Teil bis in die Eiszeit zurückreicht. Das fein abgestufte System reagiert auf Umweltveränderungen über längere Zeiten und größere Räume und bietet damit günstige Voraussetzungen für biologisches Umweltmonitorring. Für ein regionales Quellforschungs-Projekt hat die Arbeitsgruppe Geobotanik unter Leitung von Prof. Dr. Werner Nezadal am Institut für Botanik und Pharmazeutische Biologie der Universität Erlangen-Nürnberg mehrfach Unterstützung aus der Region erhalten.

Das Mineralbrunnenunternehmen FRANKEN BRUNNEN in Neustadt a. d. Aisch finanziert eine Doktorandenstelle und Sachmittel; das smart center Nürnberg stellt für die Dauer der Feldstudien einen seiner recyclebaren Kleinwagen zur Verfügung. Das "Forschungsauto" wird am Samstag, 24. Februar 2001, um 13 Uhr in der Geschäftsstelle des smart center in Nürnberg, Regensburger Straße 418a, an Johannes Fritscher übergeben, der für seine Dissertation einen Katalog zur Bewertung der Naturnähe oder -ferne von Quellen im Einzugsgebiet der mittelfränkischen Aisch erstellt.

Reinheitssymbol und Trinkwasserreservoir

Das Grundwasser, das eine Quelle speist, hat meist einen langen Weg durch die Gesteinsschichten zurückgelegt, bevor es an die Oberfläche tritt. Es ist arm an Nährstoffen und hält im Sommer wie im Winter gleichmäßige, kühle Temperaturen um die 8°C ein. Beides hat Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt, die im Umfeld der Quelle lebt und sich auf diese Bedingungen eingestellt hat. Davon abgesehen, können Quellen - abhängig von der Geologie, vom Gefälle, der Höhenlage, der Niederschlagsmenge und vom Einfluss, den der Mensch ausübt - sehr unterschiedlich aussehen.

Quellwasser, das in früheren Zeiten als Wunder- und Heilmittel verwendet wurde, gilt als Symbol der Reinheit und Klarheit. Der Ort, an dem frisches, sauberes Wasser dem Inneren der Erde entspringt, war von einem Geheimnis umgeben und galt im Volksglauben als Heiligtum; später wurden dort häufig Kirchen und Kapellen errichtet. Obwohl letztlich fast jeder Wasserhahn aus dem unterirdischen Reservoir gespeist wird, ist von dieser Ehrfurcht äußerst wenig übriggeblieben. Dass Quellen, vor allem naturnahe Quellen, selten geworden sind, ist nicht verwunderlich, wenn der enorme Wasserbedarf von Städten und Industrien, Flurbereinigung, Dünger und Pestizideinsatz und ähnliche Belastungen bedacht werden.

Physikalisch-chemische Methoden messen detailliert die Reinheit des Grundwassers, doch bei Quellwasser weichen die Messdaten oft vom biologischen Befund ab. Wenn die Quelle als komplexer Lebensraum erfasst und ein längerfristig vorherrschender Zustand dokumentiert werden soll, sind Indikatororganismen geeignetere Objekte für die Forschung.

Ökosystem von hoher Empfindsamkeit

An einer Quelle und in ihrem Umfeld treffen unterschiedliche Lebensräume zusammen und verflechten sich in weit stärkerem Maße als in jedem anderen Fließgewässerabschnitt. Vegetation und Tierwelt haben sich dem angepasst. Im Laufe von Jahrtausenden mussten sie sich fast nicht umstellen, da sich die äußeren Bedingungen der Quellräume kaum geändert haben. Einige Quellspezialisten, etwa die Quellschnecke, manche Strudelwürmer und Köcherfliegenlarven, werden als Relikte der Eiszeit angesehen: sie besiedelten damals die kalten Gletscherabflüsse und zogen sich nach und nach in die gleichmäßig kühlen Quellbereiche zurück. Da Quellen nicht zufrieren, können sich Insektenlarven im Winter weiterentwickeln, so dass die Flugzeit der erwachsenen Tiere sehr frühzeitig beginnt.

Physikalisch-chemische Faktoren wie Strömungsgeschwindigkeit, Sauerstoffgehalt, Wassertemperatur und die Nährstoffzusammensetzung wirken sich auf die Organismen aus, wobei die Armut an Nährstoffen typisch für Quellen ist. Aus diesem Grund zeigen sie Störungen besonders empfindlich an. Als Bioindikatoren sind vor allem Kieselalgen geeignet, mikroskopisch kleine Algen, die in den meisten Gewässern dominant sind und deren Schalen über Jahrmillionen erhalten bleiben. Sie nehmen eine Schlüsselfunktion im Nahrungsnetz unserer Gewässer ein und reagieren außerordentlich sensibel auf Veränderungen der Wasserqualität.

Die Aisch, ein Zufluss der Regnitz, bildet mit ihren eigenen Zuflüssen ein sehr flaches und langsam abfließendes System. Die Phosphor- und Stickstoffeinträge auf dieser Fläche sind deutlich erhöht, was sich verzögert auf das Grundwasser und auf die Quellen auswirkt. Bei der Auswahl der Quellbereiche für die Studie waren die Forstdirektion Oberfranken-Mittelfranken in Bayreuth und die örtlichen Forstämter behilflich. Das Wasserwirtschaftsamt Ansbach hat sich bereit erklärt, die aufwendigen Wasseranalysen durchzuführen.

Die Sponsoren

Mit der Unterstützung dieses interdisziplinären Forschungsprojekts engagiert sich das Mineralbrunnenunternehmen FRANKEN BRUNNEN ein weiteres Mal im Bereich Quellschutz. Ein neben der Finanzierung der Doktorandenstelle bereitgestellter Förderbetrag in Höhe von 15.000 Mark wird unter anderem dazu verwendet, Messinstrumente anzuschaffen.

Die recyclebaren Kleinwagen des smart center, dessen Nürnberger Geschäftsstelle für die Mobilität im Forschungsprojekt sorgt, passen unmittelbar in das ökologische Konzept der Untersuchungen. Jede Werkstatt des Unternehmens ist unter ökologischen Gesichtspunkten eingerichtet, und das Abwasser wird durch eine eigens installierte Wasseraufbereitungsanlage dem öffentlichen Netz zugeführt.

* Kontakt:
Prof. Dr. Werner Nezadal, Johannes Fritscher
Institut für Botanik und Pharmazeutische Biologie
Lehrstuhl Botanik II, AG Geobotanik
Staudtstraße 5, 91058 Erlangen
Tel.: 09131/85 -28231, Fax: 09131/85 -28751
E-Mail: jfritsch@biologie.uni-erlangen.de

Gertraud Pickel | idw

Weitere Berichte zu: Botanik Grundwasser Quellbereich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Mit traditionellen Methoden gegen extreme Trockenheit
24.09.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter
21.09.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) vom 12. bis 15. September in Münster stellten Gefäßspezialisten aus ganz Deutschland die neuesten Therapien bei Gefäßerkrankungen vor. Vor allem in den Bereichen periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und venöse Verschlusskrankheiten wie die Tiefe Venenthrombose (TVT) gibt gute Neuigkeiten für die Patienten. Viele der 720 Gefäßspezialisten, die an der Jahrestagung teilnahmen, stellten neueste Studienergebnisse vor.

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Gefäßerkrankungen, allein rund fünf Millionen unter der „Schaufensterkrankheit“, medizinisch periphere...

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit traditionellen Methoden gegen extreme Trockenheit

24.09.2018 | Geowissenschaften

Europäische Spitzenforschung auf der EuMW

24.09.2018 | Messenachrichten

Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

24.09.2018 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics