Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwischen Vulkanen und Erdbeben: Wie risikoreich leben die Sizilianer?

22.02.2001


... mehr zu:
»Erdbeben »Inselbogen »Platte »Vulkan
Experiment Hamburger und Kieler Geophysiker soll offene Fragen klären

Ein zur Zeit im Mittelmeer laufendes Forschungsprojekt von Hamburger und Kieler Geophysikern ist vor allem für die auf Sizilien lebenden Menschen und den süditalienischen Tourismus von vitalem Interesse. Die norddeutschen Wissenschaftler untersuchen nördlich der italienischen Insel geodynamische Vorgänge am Meeresboden. Dieses Gebiet ist wegen des aktiven Vulkanismus’ auf Stromboli, Vulkano und am Ätna ein möglicher Gefahrenherd. Außerdem besteht ein erhöhtes seismisches Risiko in der Region.

Im Frühjahr werden Prof. Dr. Torsten Dahm vom Zentrum für Meeres- und Klimaforschung der Universität Hamburg und Prof. Dr. Ernst Flüh vom Kieler GEOMAR mit ihren Mitarbeitern 14 im Herbst vergangenen Jahres ausgesetzte seismische Ozeanbodenstationen vom Grund des Tyrrhenischen Meeres einholen. Die Seismometer- und Druck-Messstationen wurden eigens für diesen Tiefsee-Einsatz entwickelt. Sie können in mehreren tausend Meter Tiefe über einen Zeitraum von etwa einem Jahr selbständig feinste Bodenbewegungen und Druckschwankungen aufzeichnen. Ein solcher Geräteeinsatz ist technisch aufwendig. Nur wenige Forschungseinrichtungen in der Welt sind dazu in der Lage.

Die Stationen wurden im Bereich des nördlich von Sizilien gelegenen Äolischen Inselbogens und der Inseln Vulkano und Stromboli in Tiefen bis zu 3300 Meter abgesetzt, um dort ein halbes Jahr lang die Signale von lokalen und entfernten Erdbeben aufzuzeichnen. Ziel dieses passiven Experimentes ist es, genauere Informationen über die Seismizität, das heißt die Aktivität von Kleinbeben, in diesem Bereich zu erhalten sowie die tiefe Struktur der Kruste und des oberen Erdmantels im Tyrrhenischen Becken zu erforschen. Die Tektonik (Bewegung) in diesem Gebiet ist äußerst kompliziert und seismologisch noch wenig untersucht. Das liegt zum Teil auch daran, dass bisher keine seismischen Langzeitbeobachtungen am Boden dieses Beckens unternommen wurden. Aus seismologischen Beobachtungen an Land weiß man, dass die vom Ionischen Meer kommende Platte unter dem Tyrrhenischen Becken abtaucht.

Wie tief diese sogenannte Subduktion reicht und ob es unter dem angrenzenden, südlichen zentralen Appenin einen Riss in dieser Platte gibt, ist bisher unklar. Wissenschaftler machen das Abtauchen der Ionischen Platte für den aktiven Vulkanismus des Äolischen Inselbogens verantwortlich. Wie der Ätna zu diesem Szenario passt, beurteilen die Forscher kontrovers. Ebenso diskutieren sie, ob sich das Tyrrhenische Becken trotz der Auf- und Unterschiebung der Ionischen Platte weiter in Richtung Südosten öffnet und neuen Ozeanboden erzeugt. Sollte das der Fall sein, könnten die nördlich des Äolischen Inselbogens liegenden und bisher kaum untersuchten untermeerischen Vulkane (zum Beispiel Marsili) noch vulkanische oder seismische Aktivität zeigen.

Die Professoren Dahm und Flüh hoffen mit ihrem Experiment, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Europäischen Union und vom Nationalen Geophysikalischen Institut in Rom gefördert wird, zur Klärung dieser Fragen beizutragen.

Kontakt: Prof. Dr. Torsten Dahm
E-Mail: dahm@dkrz.de

Klaus Tornier | idw

Weitere Berichte zu: Erdbeben Inselbogen Platte Vulkan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter
21.09.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Warnung vor Hybris bei CO2-Entzug
20.09.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue CBMC-Geräteschutzschaltervarianten

22.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

ISO-27001-Zertifikat für die GFOS mbH und die GFOS Technologieberatung GmbH

21.09.2018 | Unternehmensmeldung

Kundenindividuelle Steckverbinder online konfigurieren und bestellen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics