Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bodenbedeckung und Vegetation der Erde: Außergewöhnliches Satellitenbild der Erdvegetation

27.11.2003


Eine außergewöhnliche Datenbank über die Bodenbedeckung der Erde im Jahr 2000 (GLC2000) ist nun endlich einsatzbereit. Damit wird eine wesentliche Wissenslücke in Bezug auf Bodenbedeckung und Vegetation unseres Planeten gefüllt. Der Aufbau der Datenbank erfolgte in weltweiter Zusammenarbeit von über 30 Forschungsorganisationen und wurde von der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission koordiniert. Die GLC2000-Ergebnisse werden vom 26. bis 29. November auf der Tagung der GMES (Global Monitoring for the Environment and Security) und auf der anschließenden GEO-Konferenz (Global Earth Observation) vom 28. bis 29. November in Baveno (Italien) vorgestellt. GLC2000 wird eine bessere Umweltüberwachung ermöglichen. Dies wiederum wird die Vorhersage und Vermeidung naturbedingter und anthropogener Katastrophen, die Untersuchung von Ökosystemen, der biologischen Vielfalt, des Klimawandels sowie Wettervorhersagen erleichtern.



“Wissenschaftler aus aller Welt haben uns in Zusammenarbeit ein außergewöhnliches, präzises Bild vom Zustand der Oberfläche unseres Planeten beim Eintritt ins dritte Jahrtausend vermittelt,“ erklärte der Europäische Forschungskommissar Philippe Busquin. „Dank dieser aufwendigen Kartierungsarbeit können wir die Auswirkungen des Klimawandels und der menschlichen Aktivitäten auf die Natur besser überwachen. Wir verfügen über eine wertvolle Momentaufnahme von der Erdoberfläche, anhand derer wir Katastrophen besser vorhersagen und zu ihrer Vermeidung beitragen können. Die Überwachung der Bodenbedeckung der Erde gehört zu den Hauptaufgaben der gemeinsamen Initiative der Kommission und der Europäischen Weltraumorganisation zur globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES).



Kartierung unseres Planeten

Die Kartierung der gesamten Erdoberfläche wurde Anfang der 70er Jahre mit der Einführung von Erdbeobachtungssatelliten auf der Polarumlaufbahn erleichtert. Satellitenbilder dienten zur Kartierung unterschiedlicher Teile der Welt, aber erst in den Neunzigern wurde der erste komplette Datensatz erfasst, verarbeitet und analysiert. Satellitenbeobachtungen im Zeitraum 1992-1993 ermöglichten die Erstellung einer Karte der Bodenbedeckung, die für Klimamodellierung, Ressourcenmanagement und Studien über das Ökosystem intensiv genutzt wurde.

Seit 1993 aber hat sich die Bodenbedeckung unseres Planeten, zuweilen erheblich, verändert. Beispielswiese nahm die von tropischem Regenwald bedeckte Fläche seit 1993 jährlich um nahezu 6 000 000 ha ab. Gleichzeitig wurden neue und bessere Sensoren in die Umlaufbahn gebracht; Experten haben bei der Analyse der Daten, die sie zur Kartierung der Bodenbedeckung liefern, hinzugelernt. Das Projekt GLC2000 trägt zu diesem wissenschaftlich-technischen Fortschritt bei.

Lösung des Rätsels der Erdvegetation

1999 wurde mit einem von der Kommission und der Gemeinsamen Forschungsstelle koordinierten Projekt („Global Land Cover 2000” - GLC2000) die Erstellung einer neuen Datenbank eingeleitet, um den Zustand der Bodenbedeckung der Erde um die Jahrtausendwende zu erfassen. Das Projekt beinhaltete tägliche Beobachtungen der Erdoberfläche vom 1. November 1999 bis zum 31. Dezember 2000 durch den Sensor “VEGETATION” an Bord des Satelliten SPOT-4. Die Teilnehmer des Programms VEGETATION (Centre National d’ Etudes Spatiales in Frankreich, Schwedischer Nationalrat für Raumfahrt, Italienische Raumfahrtorganisation, Belgische Behörde für Naturwissenschaft und Technologie und Europäische Kommission) stellten die Beobachtungen des Satelliten SPOT-4 den GLC2000-Projektpartnern zur Verfügung.

Partner sind führende Nutzer von Bodenbedeckungsinformationen und Kartierungsexperten aus verschiedenen Teilen der Welt, darunter einigen tropischen Ländern. Lokale Sachverständige bildeten die jeweiligen Regionen so ab, dass die örtliche Bodenbedeckung optimal charakterisiert wird. Eingesetzt wurde ein von der Organisation der Vereinten Nationen für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) entwickeltes System zur Klassifizierung der Bodenbedeckung, so dass detaillierte regionale Karten kohärent bearbeitet und dargestellt werden konnten. Die GFS analysierte Regionalkarten und erstellte mit deren Hilfe die GLC2000-Datenbank. Diese neue Karte zeigt 22 detaillierte Bodenbedeckungstypen, von borealen Wäldern der nördlichen Hemisphäre über landwirtschaftliche Nutzflächen, Städte und Wüsten bis hin zu tropischen Wäldern, Feuchtgebieten und Dauerschneegebieten.

Weltweite Zusammenarbeit und Anwendungen

Die FAO und die UNEP begrüßten die GLC2000-Produkte. Zusammen mit der Europäischen Kommission finanzieren sie die Veröffentlichung und Verbreitung der endgültigen Karten. Die FAO wird sie nutzen und ihren Mitgliedstaaten für Arbeiten in den Bereichen Klima, biologische Vielfalt und nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen zur Verfügung stellen.

Das vom UN-Generalsekretär Kofi Annan eingeleitete Programm Millennium Ecosystem Assessment, das Bewertungen für die Umweltkonventionen der UN liefern soll, verwendet GLC2000 als Bezugssystem, um die Bewertung der Auswirkungen von Veränderungen des Ökosystems auf die menschliche Gesundheit, Armut, biologische Vielfalt und Umweltqualität zu unterstützen.

Der französische Wettervorhersagedienst, Météo France, verwendet GLC2000-Daten in seiner Ökoklima-Datenbank als grundlegenden Bestandteil seiner Wettervorhersagemodelle und globalen Klimamodellierung in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für die mittelfristige Wettervorhersage.

Fabio Fabbi | Europäische Kommission
Weitere Informationen:
http://www.gvm.jrc.it/glc2000/defaultGLC2000.htm

Weitere Berichte zu: Bodenbedeckung Erdoberfläche FAO GLC2000 Kartierung Planet Vegetation Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics