Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaforschung: Ältestes Eis in Bearbeitung

14.11.2003


Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) bearbeiten in Bremerhaven das älteste Eis, das je in Menschenhand war: Die Eisbohrkerne, die im vergangenen Winter an der antarktischen Station Dome C abgeteuft wurden, sind bis zu 900.000 Jahre alt. Es stammt aus einer Tiefe von etwa 3200 Metern und gibt Auskunft über Klima und Atmosphäre früherer Zeiten. Das europäische Projekt EPICA unterhält zwei Bohrstellen in der Antarktis, an denen altes Eis für die Klimaforschung gewonnen wird.


Dünnschnitt eines Eisbohrkerns in kreuzpolarisiertem Licht. Foto: Sepp Kipfstuhl, AWI.



Dünnschnitt eines Eisbohrkerns in kreuzpolarisiertem Licht. Foto: Sepp Kipfstuhl, AWI.


Es handelt sich um rund 120 Stücke von jeweils einem halben Meter Länge. Sie sind in der vergangenen Woche aus Grenoble in Bremerhaven eingetroffen und liegen nun im Eislabor des AWI. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Paris, Kopenhagen, Cambridge, Grenoble und vom AWI werden sie ab dem 17. November zerteilen, digitale Aufnahmen davon anfertigen und an Dünnschnitten erste Kristalluntersuchungen vornehmen. Danach werden die Stücke an die beteiligten Institute verteilt, wo sie weiter analysiert werden.

Eiszeit - Warmzeit


"In den vergangenen 800.000 Jahren wechselten Warm- und Kaltzeiten auf der Erde etwa alle 100.000 Jahre", erklärt Dr. Hubertus Fischer, Glaziologe am AWI, "Davor aber wechselten sie alle 40.000 Jahre. Deshalb ist gerade die Zeit davor besonders interessant für uns."
Eiszeiten oder Warmzeiten entstehen dann, wenn sich langfristig die Einstrahlung der Sonne auf die Erde verändert. Eine der wichtigsten Fragen ist, wie sich solche Änderungen auf die Atmosphäre auswirken. Besonders der Zusammenhang mit der Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan ist dabei von Interesse. An den bisherigen Eisbohrkernen wurde nachgewiesen, dass in Warmzeiten erheblich mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre enthalten ist als während der Kaltzeiten. "Es verstärkt den Prozess der Erwärmung, aber es verursacht ihn nicht allein", so Fischer, "heute gibt es aber durch die Verbrennung fossiler Energiequellen mehr Kohlendioxid als in der natürlichen Atmosphäre der letzten Eiszeitzyklen." Lufteinschlüsse in den Eisbohrkernen haben die Atmosphäre früherer Zeiten konserviert. Besonders aufschlussreich für unsere heutige Zeit ist die Untersuchung der viertletzten Warmzeit, die unter sehr ähnlichen solaren Einstrahlungsbedingungen stattfand wie die heutige.

Europäische Zusammenarbeit

Im "European Project for Ice Coring in Antarctica" (EPICA) arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn Nationen (Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Großbritannien) zusammen, um an zwei Bohrstellen in der Antarktis Eisproben aus der Vergangenheit zu gewinnen. Das AWI repräsentiert die deutsche Beteiligung und betreibt die Kohnen-Station in Dronning Maud Land. Die Station Dome C in der Ostantarktis wird von Frankreich unterhalten und liefert aus einer Tiefe von bis zu 3200 Metern das älteste Eis. An der Kohnen-Station des AWI wird Eis aus einer Tiefe von bis zu 2800 Metern abgeteuft. Es ist "nur" rund 300.000 Jahre alt, aber da hier mehr Schnee fällt, ergibt sich eine bessere zeitliche Auflösung.

Antarktis-Saison

Die Kohnen-Station des AWI wird Anfang Dezember 2003 wieder eröffnet. Achtundzwanzig Wissenschaftler, Techniker und Logistiker aus den beteiligten Ländern werden dann die Bohrung 900 Meter weiter bis in eine Tiefe von 2400 Metern fortsetzen. Erst in der Saison 2004/2005 ist mit dem Abschluss der Arbeiten, mit dem Erreichen des felsigen Untergrundes, zu rechnen. An Dome C sind in dieser Saison noch 50 bis 70 Meter Eisbohrkern abzuteufen.

Dipl.-Phys. Claudia Ratering | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/GPH/EPICA/index.html
http://www.awi-bremerhaven.de/Polar/Kohnen/index.html

Weitere Berichte zu: AWI Eisbohrkern Klimaforschung Kohlendioxid Kohnen-Station Warmzeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter
21.09.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Warnung vor Hybris bei CO2-Entzug
20.09.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics