Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spätes Goldfieber: Wie kam es zu dem Gold rush im amazonischen Urwald vor 20 Jahren?

02.09.2002


In feinen Nadeln wuchs das Gold von Serra Pelada, wie eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme zeigt


"Die Eule der Minerva fliegt in der Dämmerung", heißt es sinngemäß es bei Hegel. Im Falle des größten Goldrausches in jüngster Zeit, jener rund 80.000 "Garimpeiros", die in den achtziger Jahren mit Hacke und Schaufel ein 120 Meter tiefes Loch im Regenwald des brasilianischen Amazonas gruben, verhielt es sich ähnlich. Denn erst jetzt wurde ein längst vergessener Bohrkern aus der Mitte jenes gigantischen Tagebaus in einer Länge von rund 80 Metern mineralogisch und chemisch untersucht. Die Ergebnisse werden in wenigen Wochen in der Fachzeitschrift Economic Geology (Vol. 97, 2002, pp. 1125-1136) veröffentlicht werden und machen den Grund für die damalige Völkerwanderung verständlich: Der Bohrkern der Serra Pelada Gold-Palladium-Platin-Lagerstätte zeigt sensationelle Metallgehalte.

... mehr zu:
»Bohrkern »Goldrausch »Tagebau

"In einem 40 m langen Bohrkernabschnitt stellten wir Goldgehalte von rund 4700 Gramm pro Tonne, Palladiumgehalte von 1200 Gramm pro Tonne und Platingehalte von 200 Gramm pro Tonne fest", erklärt Professor Dr. Bernd Lehmann vom Institut für Mineralogie und Mineralische Rohstoffe der TU Clausthal, der zusammen mit seinem Doktoranden Alejandre Cabral den Bohrkern untersucht.

"Derartige Edelmetallgehalte über größere Teufen sind absolut ungewöhnlich und bisher nirgendwo auf der Erde dokumentiert. Das war die einzigartige Triebkraft für den größten Gold rush in den letzten hundert Jahren", sagt Professor Lehmann.


1984 lief der 120 Meter tiefe und rund 300 Meter im Durchmesser umfassenden Tagebau von Serra Pelada mit Wasser zu, und es entstand ein See. Damit kam der Goldrausch zum Erliegen. Den Abenteurern folgten die Geologen. Planmäßige Bohruntersuchungen um den Tagebau herum konnten zwar Golderze nachweisen, aber nur mit im Weltmaßstab "normalen" Metallgehalten von wenigen Gramm pro Tonne Erz. Das Super-Reicherz aus der Gold rush-Zeit war abgebaut und wissenschaftliche Informationen dazu existierten nicht. Erst der verschollene historische Bohrkern lässt als einziger Zeuge erkennen, was für eine Anziehungskraft die Serra Pelada-Lagerstätte gehabt haben muss, aus der insgesamt per Hand in vier Jahren rund 70 Tonnen Gold, Palladium und Platin gewonnen wurden. Dies entspricht einem heutigen Metallwert um 900 Millionen USD.

Die Wissenschaftler versuchen jetzt herauszubekommen, wie sich diese Reicherz-Lagerstätte mit dem exotischen und verführerischen Metallspektrum von Gold-Palladium-Platin gebildet haben könnte, um ähnliche Vorkommen zu entdecken, die in der Nachbarschaft vermutet werden.


Weitere Informationen:
Institut für Mineralogie und Mineralische Rohstoffe
Prof. Dr. Bernd Lehmann
Adolph-Roemer-Str. 2A
38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel. 05323-722776
Fax. 05323-722511
E-Mail: lehmann@min.tu-clausthal.de


Jochen Brinkmann | idw
Weitere Informationen:
http:///www.min.tu-clausthal.de/lager.html
http://www.photocollage.com/ims/garimpo.html

Weitere Berichte zu: Bohrkern Goldrausch Tagebau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics