Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimafaktor Gebirge

05.05.2008
Welchen Einfluss hat die Sierra Nevada auf globale Klimaänderungen?

Prof. Andreas Mulch, Geologe an der Leibniz Universität Hannover, hat gemeinsam mit seinen Co-Autoren eine Arbeit über den Einfluss der Sierra Nevada und der Rocky Mountains auf das Erdklima verfasst. Die Veröffentlichung "A Miocene to Pleistocene climate and elevation record of the Sierra Nevada (California)" erscheint in der aktuellen Ausgabe der "Proceedings of the National Academy of Science. Seit dem 25.04.2008 ist er zu finden unter: http://www.pnas.org/papbyrecent.shtml.

Die Forschungsarbeit von Professor Mulch und Kollegen gibt Aufschluss über den Zusammenhang von topografischen Entwicklungsprozessen und langfristigen klimatischen Veränderungen.

Die Geologen untersuchten in den vergangenen Jahren die Spuren prähistorischen Regenwassers in vulkanischen Gesteinen. Sie fanden bereits heraus, dass die Sierra Nevada, ein etwa 600 Kilometer langes Hochgebirge, rund 40 Millionen Jahre alt sein könnte. Jetzt dokumentieren die neuesten Arbeiten, dass die Sierra Nevada schon seit mindestens 12 Millionen Jahren eine wichtige Rolle in der Verteilung des Niederschlags in den westlichen Vereinigten Staaten spielt.

Prähistorische Regentropfen unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung kaum von neuzeitlichen. Langfristige Klima- und Temperaturveränderungen führen jedoch dazu, dass, je nach Umgebungstemperatur, unterschiedliche Isotopenzusammensetzungen in diesen Wässern zu finden sind. An der Isotopenzusammensetzung des Wassers können die Erd- und Klimawissenschaftler sehen, wie hoch die Wolken aufsteigen mussten, um ein Gebirge zu überqueren und wie hoch dieses war.

Da die Temperatur mit zunehmender Gebirgshöhe abnimmt, ändert sich die Isotopenzusammensetzung des Wassers mit der Höhe, in der die Wolken die Regentropfen abgeben. Zwei Wasserarten werden unterschieden: zum einen das isotopisch "schwere Wasser", das eine höhere Konzentration an Deuteriumisotopen enthält und in niedrigen Höhen abregnet, und das "leichtere Wasser", das weniger Deuteriumisotope enthält und in höheren Gebirgslagen zu finden ist. Dieses Resultat ist ein wichtiger Baustein zum Verständnis der klimatischen Verhältnisse in den USA und hat direkten Einfluss auf das Klima in Westeuropa. "Wenn es den Gebirgszug der Sierra Nevada und der Rocky Mountains nicht gäbe, würde sich das Klima vermutlich auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde verändern. Temperaturauswirkungen wären sicher in Nordamerika bis Zentraleuropa spürbar", betont Prof. Andreas Mulch.

Alle Klimamodelle beruhen und beziehen sich auf die Topographie der Erde, deshalb ist es für die Zuverlässigkeit der Klimavorhersagen und des Klimawandels in der Zukunft immens wichtig, die genauen Entstehungsdaten von Gebirgsketten zu bestimmen. Nur so kann ein sicherer Abgleich mit Klimaereignissen in der Erdgeschichte erfolgen. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird deutlich, in welchem Zeitraum sich im Vergleich zu heute, Klimaveränderungen in der Vergangenheit vollzogen haben.

Prof. Andreas Mulch erklärt: "Wir wissen heute, dass Prozesse der tiefen Erde und des Erdmantels direkt gekoppelt sind an die Entwicklungsprozesse der Lebewelt und der Atmosphäre. Wenn wir als Geowissenschaftler diese gesellschaftlich hochinteressanten Zusammenhänge besser verstehen wollen, muss es uns gelingen, Forschung an den Schnittstellen der naturwissenschaftlichen Disziplinen zu etablieren und im Dialog mit Klimawissenschaftlern neue Forschungsfelder zu identifizieren." Für Geowissenschaftler bedeuten diese Ergebnisse eine Erweiterung ihrer Forschungsinhalte. "Wenn man staunend vor den imposanten Bergketten dieser Welt steht lautet die Frage nicht mehr nur "Wie kommt es, dass so hohe Berge entstehen?" sondern zusätzlich "Wie beeinflusst dieser Berg unser Erdklima?", so Mulch.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Berichte zu: Isotopenzusammensetzung Sierra

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was unter dem Yellowstone-Vulkan passiert
17.10.2019 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Eine Festung aus Eis und Schnee
04.10.2019 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics