Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Moderne Medizintechnik für den Meeresboden

17.03.2008
Bremer Geologen nutzen mobilen Computer Tomographen

In die Röhre kommen Tumore, komplizierte Knochenbrüche und jetzt auch Meeresboden: Am 19. März feiert das MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften den Erwerb eines Computer-Tomographen, um Proben vom Meeresboden zu untersuchen.

So können die Bremer Geowissenschaftler - genau wie Mediziner - in ihre Untersuchungsobjekte in großem Detail hineinschauen, ohne sie zu aufzuschneiden, bzw. zu zerstören. Dadurch erwarten sich die Geowissenschaftler große Fortschritte bei der Untersuchung vor allem von Gashydraten. Da das Gerät in einem LKW-Anhänger mobil untergebracht ist, kann es auch auf Expeditionen mitreisen, um die Untersuchungen an Material frisch vom Meeresboden zu ermöglichen. Die Presse ist herzlich zu Gesprächen, Sekt und Brezeln eingeladen.

19. März 08, 11.30 Uhr,
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften
an der Universität Bremen (im Hof)
Leobener Str.
28359 Bremen
"Zerstörungsfreie Untersuchung ist das Stichwort", so Prof. Gerhard Bohrmann, Vizedirektor des MARUM und Leiter der Arbeitsgruppe, die den Computer-Tomographen, kurz CT betreibt. "Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der Untersuchung von Gashydraten. Diese sind aber nur bei hohem Druck und niedriger Temperatur stabil. Unsere Proben vom Meeresboden nehmen wir daher zum Teil in Druckbehältern. So erreichen sie das Deck in dem Zustand, wie sie am Meeresboden vorliegen - verpackt in einem Druckbehälter."

Beim Öffnen des Behälters zerfallen die Gashydrate, da der Druck an der Oberfläche viel niedriger ist als am Meeresboden. Also muss der ungeöffnete Behälter geröntgt werden, um der eisähnlichen Verbindung aus Methan und Wasser ihre Geheimnisse zu entlocken. - Wichtiges Wissen, da am Meeresboden riesige Mengen Gashydrat lagern. Mit ihrem Gehalt an Methan, dem Hauptbestandteil unseres Erdgases, könnten sie eine wichtige Energiequelle sein.

"Doch um den Abbau sicher für Meeresumwelt, Klima und Mensch gestalten zu können, müssen wir noch sehr viel über den Stoff lernen", so Gerhard Bohrmann. Denn, erstens gibt es ganze Ökosysteme, die an, von und um Gashydrat-Vorkommen leben. Zweitens ist Methan, wenn es in die Atmosphäre entweicht, ein etwa 25-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Und drittens stabilisieren die eisartigen Gashydrate den Meeresboden genau dort, wo es steil hinab geht - an den Kontinentalrändern. Lösen sie sich auf oder werden abgebaut könnte dies Erdrutsche unter Wasser und so Tsunamis auslösen. "Sollten wir also wirklich Gashydrate abbauen wollen, müssen wir vorher genau wissen, wie es entsteht, wie seine Struktur ist und wie es zerfällt. Und das können wir nur, wenn wir die natürlichen Proben unter den Druckbedingungen des Meeresbodens untersuchen."

Schon einmal 2007 war das MARUM mit dem CT-Scanner auf dem Forschungsschiff Meteor unterwegs. Damals war das Gerät jedoch nur gemietet. "Die Firma, die das Gerät betrieben hat, hat nach Ende der Fahrt das Angebot gemacht, das wir das Gerät kaufen können, da sie keine wirtschaftliche Auslastung dafür erreichen konnten - für uns ein Glücksfall", freut sich Friedrich Abegg, verantwortlicher Mitarbeiter für das Gerät. Medizinische Untersuchungen dürfen die in der Bedienung des Gerätes unterwiesenen Wissenschaftler aber nicht machen - in die Röhre kommen am MARUM wirklich nur Proben vom Meeresboden.

Weitere Informationen / Bildmaterial / Interviews:

Kirsten Achenbach
Öffentlichkeitsarbeit
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen
Tel. 0421 - 218-65541
mail: achenbach@marum.de
www.marum.de
Prof. Gerhard Bohrmann
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen
Tel. 0421 - 218-8639
mail: gbohrmann@uni-bremen.de
www.marum.de
Das MARUM ist ein Zusammenschluss des Exzellenzclusters "Der Ozean im System Erde" und des Forschungszentrum Ozeanränder und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Das MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden und eingebunden in internationale Projekte die Rolle des Ozeans im System Erde - insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de

Weitere Berichte zu: Gashydrat Meeresboden Umweltwissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Das bekannteste Gestein der Welt? Der Andesit ist Gestein des Jahres 2020
23.01.2020 | GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung

nachricht Neutronenquelle ermöglicht Blick in Dino-Eier
22.01.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnellster hochpräziser 3D-Drucker

3D-Drucker, die im Millimeterbereich und größer drucken, finden derzeit Eingang in die unterschiedlichsten industriellen Produktionsprozesse. Viele Anwendungen benötigen jedoch einen präzisen Druck im Mikrometermaßstab und eine deutlich höhere Druckgeschwindigkeit. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben ein System entwickelt, mit dem sich in bisher noch nicht erreichter Geschwindigkeit hochpräzise, zentimetergroße Objekte mit submikrometergroßen Details drucken lassen. Dieses System präsentieren sie in einem Sonderband der Zeitschrift Advanced Functional Materials. (DOI: 10.1002/adfm.201907795).

Um nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Zuverlässigkeit ihres Aufbaus zu demonstrieren, haben die Forscherinnen und Forscher eine 60 Kubikmillimeter...

Im Focus: Wie man ein Bild von einem Lichtpuls macht

Um die Form von Lichtpulsen zu messen, brauchte man bisher komplizierte Messanlagen. Ein Team von MPI Garching, LMU München und TU Wien schafft das nun viel einfacher.

Mit modernen Lasern lassen sich heute extrem kurze Lichtpulse erzeugen, mit denen man dann Materialien untersuchen oder sogar medizinische Diagnosen erstellen...

Im Focus: Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen

Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Institut für...

Im Focus: Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

Forscher aus Dresden und Osaka präsentieren das erste vollintegrierte Bauelement aus Magnetsensoren und organischer Elektronik und schaffen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von elektronischer Haut.

Die menschliche Haut ist faszinierend und hat viele Funktionen. Eine davon ist der Tastsinn, bei dem vielfältige Informationen aus der Umgebung verarbeitet...

Im Focus: Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

Enzym blockiert Wächterfunktion gegen unkontrollierte Zellteilung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lichtgetriebene Nanomotoren - Erfolgreich gekoppelt

28.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Warum Gesunde für Kranke so wichtig sind! – Vergleichsstudie geht Fibromyalgie-Syndrom auf den Grund

28.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kiss and Run: Wie Zellen ihre Bestandteile trennen und recyceln

28.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics