Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturkundemuseum Berlin untersucht jüngsten Meteoritenkrater

21.01.2008
Dr. Thomas Kenkmann und Doktorand Michael Poelchau vom Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin übernehmen die wissenschaftliche Dokumentation des Meteoriteneinschlags, der sich am 15. September 2007 in Peru nahe der Ortschaft Carancas ereignet hat.

Der Meteorit hinterließ einen Krater von fast 15 m Durchmesser und etwa 5 m Tiefe. Eine enorme Druckwelle wurde ausgelöst, Erde und Gestein wurden über 200 m weit durch die Luft geschleudert.

Kenkmann, Experte für Meteoritenkrater des Museums, bezeichnete den Meteoritenkrater als "einmalige Chance": "Als Wissenschaftler träumt man von solchen vorbildlich ausgebildeten Meteoritenkratern, die so neu sind, dass sie noch kaum durch Witterungseinflüsse verändert wurden."

Das Museum für Naturkunde gehört zu den weltweit führenden Forschungsinstitutionen zu Meteoriten und insbesondere Meteoriteneinschlägen. Von peruanischer Seite ist Hernando Nuñéz del Prado vom Institut für Geologie, Mineralogie und Metallurgie, Lima/Peru (INGEMMET) an diesem Projekt beteiligt. Kenkmann und seine Kollegen werden zahlreiche Gesteinsproben analysieren und den Einschlag rekonstruieren. Dabei sollen Fragen nach Größe, Masse und Geschwindigkeit des Meteoriten geklärt werden. Im Vorfeld der Geländeerkundung wurden bereits gemeinsam mit Natalia Artemieva von der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau mathematische Modellierungen angestellt.

Gewöhnlicherweise zerbrechen metergroße Steinmeteorite beim Durchlauf durch die Atmosphäre in viele Bruchstücke und erzeugen sogenannte Meteoriten-Streufelder, also größere Gebiete, in welchen die Bruchstücke verstreut eingeschlagen sind. Doch ein Zerbrechen wurde beim Carancas-Meteorit nicht beobachtet und es wurden keine weiteren Krater entdeckt. Die Modellierungen lassen folgendes Szenario vermuten: ein etwa 2 Tonnen schwerer Steinmeteorit von relativ hoher Festigkeit drang mit der kosmischen Geschwindigkeit von 12-14 km/s in einem Winkel von 10-15° in die Erdatmosphäre ein. Durch den langen Weg durch die Atmosphäre wurde der Meteorit so stark abgebremst, dass etwa 2/3 seiner Masse verglühten und er schließlich mit einer Fallgeschwindigkeit von ca. 700 km/h fast senkrecht auf die Erdoberfläche stürzte.

Bruchstücke von Asteroiden sind von größter Bedeutung, um die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems zu entschlüsseln. Der Carancas-Meteorit zählt zu der Gruppe der Steinmeteorite, genauer gesagt, zu den sogenannten H4-5-Chondriten. Sie bestehen aus kleinen kugeligen Gebilden, den Chondren, die sich vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren im solaren Nebel bildeten und dann mit anderen Kondensaten und Partikeln zu größeren Brocken zusammenklumpten. In diesen Meteoriten ist gewissermaßen die Zusammensetzung der Materie unseres Sonnensystems zu seiner Geburtsstunde festgehalten und kann von Spezialisten entschlüsselt werden.

Kenkmann setzt sich mit den peruanischen Kollegen für die Erhaltung dieses einzigartigen, jüngsten und kleinsten Meteoritenkraters der Erde ein und traf sich mit dem Gouverneur des Distrikts Puno und anderen politischen Kräften zur Realisierung von Schutzmaßnahmen für den Krater. Ein Bachbett, das der Krater angeschnitten hat, muss umgeleitet werden. Auch ist der Krater durch die einsetzende Regenzeit in den Anden gefährdet. Umso wichtiger war die geologische Geländeaufnahme, Vermessung und Kartierung des Kraters.

Ergebnisse der Analysen werden auf der im März stattfindenden "Lunar and Planetary Science Conference" in Houston vorgestellt, dem Treffpunkt aller Planetologen und Impaktforscher weltweit.

Kontakt: Dr. Thomas Kenkmann, Tel. (030) 2093-8878, Thomas.kenkmann@museum.hu-berlin.de

Naturkundemuseum Berlin untersuc | idw
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de
http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/meteoritenkrater

Weitere Berichte zu: Krater Meteorit Meteoritenkrater Steinmeteorit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Versteppung vorbeugen
06.12.2019 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Collecting complex climate data thanks to compact alexandrite lasers
05.12.2019 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RNA-Modifikation - Umbau unter Druck

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Versteppung vorbeugen

06.12.2019 | Geowissenschaften

Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics