Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

10.000 Jahre Klimageschichte in 30 Metern Seesedimenten

23.12.2013
Wissenschaftler der Universität Jena untersuchen erstes vollständiges Klimaarchiv Südafrikas

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er nicht nur viel zu erzählen, sondern meistens auch ein Souvenir im Gepäck.

Kürzlich sind Geographen und Geologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena von einer Expedition nach Südafrika zurückgekehrt – und haben ein ganz besonderes Reiseandenken mitgebracht: einen rund 30 Meter langen Bohrkern mit dem ersten vollständigen Klimaarchiv Südafrikas für die letzten 10.000 Jahre.

„Wir sind alle absolut begeistert, denn anfangs hatten wir nur mit sechs Metern gerechnet“, freut sich Dr. Torsten Haberzettl vom Lehrstuhl für Physische Geographie.

Was für Archäologen Tonscherben, das sind für Klimaforscher Bohrkerne. Denn mit ihnen können sie in die Vergangenheit schauen: In den am Grund von Ozeanen und Seen abgelagerten Sedimenten sind zahlreiche Informationen zu den früheren klimatischen Verhältnissen gespeichert. „Diese helfen uns, das Klimasystem der Erde besser zu verstehen und so auch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Region zuverlässiger vorherzusagen, etwa hinsichtlich der Wasserversorgung“, erläutert Haberzettl.

Den Bohrkern aus Südafrika haben die Jenaer Wissenschaftler gemeinsam mit südafrikanischen Kollegen aus dem Küstensee Eilandvlei im Garden-Route-Nationalpark gewonnen. „Das war ein riesiger logistischer Aufwand, wobei uns neben unserer langjährigen Bohrerfahrung aus früheren Projekten vor allem die südafrikanischen Kollegen und lokalen Behörden vor Ort geholfen haben“, so Haberzettl. Außerdem haben die Wissenschaftler während der dreiwöchigen Forschungsreise die Mikrofauna des Eilandvleis und der benachbarten Seen untersucht. Die noch heute dort lebenden Kleinstlebewesen vergleichen die Forscher mit fossilen Funden, um Rückschlüsse auf das damalige Klima zu ziehen.

Die Südafrika-Expedition war der Auftakt des Verbundprojektes „Regional Archives for Integrated iNvestigations“ (RAIN). Kooperationspartner sind neben der Universität Jena das Forschungszentrum MARUM der Universität Bremen sowie die Universitäten von Kapstadt, KwaZulu Natal und Witwatersrand in Südafrika. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert das Vorhaben in den nächsten drei Jahren mit 1,8 Millionen Euro. Vorausgegangen war ein vom BMBF gefördertes Pilotprojekt, in dessen Rahmen Torsten Haberzettl 2011 von der Universität Jena im Rahmen des „Programms zur Förderung der Drittmittelfähigkeit“ zusätzliche finanzielle Unterstützung erhielt.

Schwerpunkt des Forschungsvorhabens ist die Rekonstruktion der Klima- und Umweltveränderungen der vergangenen 10.000 Jahre in Südafrikas Küstengebiet – eine Region, deren biologische Vielfalt bedroht ist und die einige der bedeutendsten Feuchtgebiete der Erde beheimatet. Die Jenaer Forscher konzentrieren sich auf die Klimaarchive auf dem Festland, die Bremer auf den küstennahen Bereich der Ozeane und die Südafrikaner analysieren die Blütenpollen und Kieselalgen innerhalb der Sedimente. Außerdem sind ein intensiver Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern sowie die gemeinsame Betreuung von Doktoranden geplant.

„Es ist weltweit eine Besonderheit, dass Geowissenschaftler des kontinentalen und des marinen Bereiches in einem Projekt zusammenarbeiten“, betont PD Dr. Peter Frenzel, der zusammen mit Torsten Haberzettl die Jenaer Teilprojekte koordiniert. „Dadurch können wir die Ergebnisse erstmals direkt miteinander vergleichen und Aussagen darüber treffen, ob die Sedimente unter den gleichen Bedingungen entstanden sind oder ob sie durch ein lokales Ereignis wie etwa einen Taifun beeinflusst worden sind“, ergänzt Prof. Dr. Roland Mäusbacher, Inhaber des Lehrstuhls für Physische Geographie.

Zwei Jenaer Doktoranden haben bereits mit der Analyse des südafrikanischen Bohrkerns begonnen. Im Frühjahr 2014 werden die Wissenschaftler erneut nach Afrika aufbrechen, um aus zwei weiteren Küstenseen Kerne zu gewinnen – für einen noch genaueren Blick in die Klimageschichte der Erde.

Kontakt:
Dr. Torsten Haberzettl
Institut für Geographie der Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948812
E-Mail: torsten.haberzettl[at]uni-jena.de
PD Dr. Peter Frenzel
Institut für Geowissenschaften der Universität Jena
Burgweg 11, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948619
E-Mail: peter.frenzel[at]uni-jena.de

Claudia Hilbert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter
21.09.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Warnung vor Hybris bei CO2-Entzug
20.09.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue CBMC-Geräteschutzschaltervarianten

22.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

ISO-27001-Zertifikat für die GFOS mbH und die GFOS Technologieberatung GmbH

21.09.2018 | Unternehmensmeldung

Kundenindividuelle Steckverbinder online konfigurieren und bestellen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics