Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Bäume miteinander kooperieren: Uni Halle wirbt internationales Graduiertenkolleg ein

20.12.2017

Großer Erfolg für die mitteldeutsche Biodiversitätsforschung: Die Interaktion von Bäumen untereinander und die Folgen davon für das Ökosystem stehen im Zentrum eines neuen internationalen Graduiertenkollegs (GRK) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Doktorandenprogramm für die nächsten 4,5 Jahre mit rund 3,5 Millionen Euro. Das GRK wird in Kooperation mit der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking betrieben. Auf deutscher Seite haben die künftigen Promovierenden ihren Arbeitsort am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig.

Wälder sind die wichtigsten Ökosysteme der Welt: Sie binden große Mengen an Kohlendioxid, produzieren Sauerstoff und regulieren das Klima. Frühere Studien haben gezeigt, dass eine möglichst große Baumartenvielfalt diese Leistungen noch verbessern kann. Bisher wurde dieser Zusammenhang aber nur auf der Ebene von Wäldern als Gesamtsystem untersucht.


Die Interaktion zwischen einzelnen Bäumen spielte in der Forschung kaum eine Rolle. Hier setzt das neue GRK mit dem Namen "Tree Diversity Interactions: The role of tree-tree interactions in local neighbourhoods in Chinese subtropical forests" (TreeDì) an:

"Unterirdisch, also an den Wurzeln, geben sich die Bäume die Hand und tauschen sowohl Informationen als auch Nährstoffe aus. Oberirdisch teilen sie sich das Licht und schaffen für einander ein günstiges Mikroklima. Die Promotionsprojekte sollen die zugrunde liegenden Prozesse und Mechanismen dieser Zusammenarbeit beleuchten", sagt der Geobotaniker Prof. Dr. Bruelheide von der MLU, Co-Direktor von iDiv und gleichzeitig der designierte Sprecher des neuen GRK. Ziel sei es auch Prinzipien zu finden und Modelle zu entwickeln, mit denen sich diese Interaktionen beschreiben lassen.

Während ihrer Promotion lernen die Nachwuchswissenschaftler dabei zum Beispiel moderne molekularbiologische Analysemethoden und auch komplexe statistische Berechnungsverfahren kennen. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeiten ist nämlich die Synthese von bereits vorhandenen Datensätzen. Dafür können die Forscherinnen und Forscher etwa auf die Arbeiten und Ergebnisse der DFG-Forschergruppe "BEF-China" zugreifen, die bis 2016 an der MLU angesiedelt war.

In ihrem Rahmen wurden in China komplett maßgeschneiderte Wälder mit über 200 verschiedenen Kombinationen von Baumarten angelegt sowie ihre Entwicklung und die Ökosystemfunktionen dokumentiert.

"Dieses Projekt konnten wir nur in China umsetzen, denn nur dort gibt es ausreichend viele Baumarten. Diese sind aber nötig, um die generellen Mechanismen von Baum-Baum-Interaktionen zu untersuchen, die über die Besonderheiten einzelner Arten hinausgehen. Jede einzelne Arbeit liefert ein kleines Puzzlestück für die große Frage, wie sich die Interaktion zwischen Bäumen gestaltet", so Bruelheide weiter.

In der ersten Förderperiode des GRK werden die Mittel für 18 Promotionsstellen zur Verfügung gestellt: Die eine Hälfte ist dabei auf deutscher Seite angesiedelt, die andere Hälfte in China. Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf deutscher Seite werden ihren Sitz am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig haben. In dem DFG-Forschungszentrum, das von den Universitäten Halle, Jena und Leipzig sowie dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) betrieben wird, arbeiten bereits heute führende Forscherinnen und Forscher aus aller Welt an gemeinsamen Projekten und Fragestellungen. An dem neuen GRK sind neben diesen Einrichtungen auch die Universitäten Freiburg, Lüneburg und die TU Dresden sowie das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) beteiligt.

Neben der wissenschaftlichen Qualifikation der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ist auch der kulturelle Austausch ein wichtiger Bestandteil des Programms: Die Promovierenden werden mindestens ein halbes Jahr in ihrem jeweiligen Partnerland verbringen, um dort Sprachkurse für Deutsch oder Chinesisch zu absolvieren, Einblicke in das wissenschaftliche Arbeiten vor Ort zu erhalten und sich stärker international zu vernetzen. "Gleichzeitig wollen wir die Doktoranden sehr früh an das selbständige Arbeiten und an das Schreiben eigener wissenschaftlicher Arbeiten heranführen", so Bruelheide weiter. Geplant sind neben den Forschungsaufenthalten auch gemeinsame Summer Schools, Exkursionen und eine jährlich wechselnd in Deutschland oder China stattfindende interne Konferenz.

Tom Leonhardt | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Baumarten Helmholtz-Zentrum Pflanzenbiochemie Wälder

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics