Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Transferpreis für Krebsdiagnostik

27.01.2014
Die Gründer der oncgnostics GmbH erhalten heute (27.1.2014) den mit 15.000 Euro dotierten Thüringer Forschungspreis 2013 in der Kategorie Transfer.

Basierend auf Ergebnissen der Forschungsgruppe Gynäkologische Molekularbiologie der Frauenklinik am Universitätsklinikum Jena entwickelt das Team um Professor Matthias Dürst, Dr. Alfred Hansel, Kerstin Brox und Dr. Martina Schmitz molekulare Krebsfrüherkennungstests. Als erstes Produkt des vor zwei Jahren gegründeten Unternehmens wird derzeit ein hochspezifisches Diagnostik-Kit für Gebärmutterhalskrebs und seine unmittelbaren Vorstufen entwickelt.

Stolz verweist der Name „oncgnostics GmbH“ an Büro- und Labortür im Jenaer Bioinstrumentezentrum auf das junge Unternehmen, das vor zwei Jahren aus der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Jenaer Uniklinikums heraus gegründet wurde und inzwischen sieben Mitarbeiter hat. Während im Labor Kühlschränke brummen und modernste Labortechnik unermüdlich die DNA aus Probenmaterial vervielfacht, wertet Forschungsleiterin Dr. Martina Schmitz die jüngsten Versuchsreihen mit GynTect aus. „Diesen molekularbiologischen Früherkennungstest für Gebärmutterhalskrebs wollen wir als Diagnostik-Kit in diesem Jahr zur Marktreife bringen“, so Geschäftsführer Dr. Alfred Hansel. Der Bedarf für eine aussagesichere Diagnostik ist groß.

Bisherige Tests haben nur begrenzte Aussagekraft

Fast immer wird bei Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) eine Infektion mit humanen Papillomaviren nachgewiesen. Gegen die häufigsten dieser Virentypen kann man inzwischen impfen, doch die Impfrate ist niedrig. So erkranken in Deutschland jährlich ungefähr 5000 Frauen. Etwa ein Drittel der Patientinnen sterben, obwohl Gebärmutterhalskrebs fast immer vollständig heilbar ist, wenn er denn rechtzeitig erkannt wird. Aber hier liegt das Problem:

Zwar nutzt der überwiegende Teil der Frauen die Möglichkeit zur Krebsvorsorge und lässt einen sogenannten Pap-Test vornehmen, bei dem Zellen aus einem Abstrich vom Gebärmutterhals mikroskopisch auf Krebszellen oder -vorstufen untersucht werden. Aber je nach Erfahrung des Zytologen werden diese manchmal nicht erkannt oder andere Zellen fälschlich als solche interpretiert. Ein DNA-Test von Abstrichzellen auf die Erbsubstanz von Papillomaviren liefert zwar ein eindeutiges Resultat, jedoch liegen nur bei jeder siebten Patientin mit einer Viren-Infektion auch eine Krebsvorstufe oder ein Karzinom vor.

Genau hier setzt oncgnostics an. „Das Herzstück unseres Test-Konzepts sind hochspezifische Markerregionen in den Krebszellen“, erklärt der Biologe Alfred Hansel. „Wenn die DNA-Untersuchung eine Infektion mit Papillomaviren zeigt, können wir mit unserem anschließenden Test anhand dieser Genmarker entscheiden, ob es sich nur um eine Infektion handelt, oder ob Zellveränderungen vorliegen, die auf eine entstehende Krebserkrankung hinweisen und weiter untersucht werden müssen.“

Forschungsergebnisse als Grundkapital

Das Know-how basiert auf Forschungsergebnissen, die die Gründer im Funktionsbereich Gynäkologische Molekularbiologie der Unifrauenklinik erzielten. „Ausgangspunkt für diese Arbeiten ist die enge Zusammenarbeit von klinischen Experten und den experimentellen Wissenschaftlern in der Frauenklinik. Wir behandeln jährlich ca. 2000 Patientinnen mit Verdacht auf Krebsvorstufen in unserem zertifizierten Dysplasie-Zentrum“, so der Klinikdirektor Professor Ingo Runnebaum.

Im genomweiten Vergleich Hunderter Zellproben von gesunden Frauen und Patientinnen fahndeten die Wissenschaftler nach molekularbiologischen Auffälligkeiten und wurden fündig: „Bestimmte Gene in Krebszellen und deren Vorstufen unterschieden sich von den entsprechenden Genen in gesunden Zellen durch spezifische chemische Modifikationen der DNA. An diesem charakteristischen Methylierungsmuster erkennen wir die Krebszellen“, beschreibt Professor Matthias Dürst das Prinzip. Die Anwendung der besten ermittelten Marker ließen sich die Wissenschaftler patentieren.

Mit ihrer Idee und einer Gründungsförderung im Exist-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums wagten sie den Schritt zum eigenen Unternehmen. Seitdem konnte das Start-Up viele Etappen erfolgreich absolvieren: Business-Plan- und Gründer-Wettbewerbe, Auftritte bei Messen, Konferenzen und Ärztekongressen. Der High-Tech-Gründerfonds und die Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen gaben Startkapital, und oncgnostics zog in eigene Räume im Bioinstrumentezentrum. „Wir haben ein zertifiziertes Qualitätsmanagement für die Testentwicklung etabliert“, ergänzt die Ökonomin Kerstin Brox, „erst in der vergangenen Woche bestanden wir ein hierfür wichtiges Audit.“

Test-Entwicklung für weitere Krebsarten

Neben dem technologischen Fine-Tuning von GynTect entwickelt oncgnostics molekulardiagnostische Tests auch für weitere Krebsarten. „Wie beim Zervixkarzinom haben wir in genomweiten Analysen nach typischen Methylierungsmustern für Eierstockkrebs und Kopf-Hals-Tumoren gesucht“, so die Biochemikerin Martina Schmitz. „An der Validierung der entsprechenden epigenetischen Biomarker arbeiten wir derzeit.“ Die kleine Entwicklungsabteilung, zu der neben drei angestellten Mitarbeiterinnen auch zwei Masterstudentinnen und eine Doktorandin gehören, profitiert dabei von der guten Vernetzung mit den Kliniken des Universitätsklinikums.

Das oncgnostics-Team sieht großes diagnostisches Potenzial in den DNA-Methylierungsmustern und freut sich über die Bestätigung und Würdigung durch den Forschungspreis. „Mit Hilfe der Tests wird es möglich sein, unnötige Folgeuntersuchungen zu vermeiden und mehr Krebsfälle frühzeitig zu identifizieren“, sagt Martina Schmitz, und wendet sich wieder einem Stapel Papiere für die Zulassung von GynTect zu.

Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Dürst, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/ 9 33720, E-Mail: Matthias.Duerst[at]med.uni-jena.de
Dr. Alfred Hansel, oncgnostics GmbH, http://www.oncgnostics.com
Tel.: 03641-508 456, E-Mail: alfred.hansel[at]oncgnostics.com

Dr. Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Millionenförderung für Deep-Learning-Projekt in Leipzig
15.08.2018 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

nachricht Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb
14.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics