Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat 5,7 Millionen Euro für zwei neue Kryo-Transmissions-Elektronenmikroskope (Kryo-TEMs) und zwei weitere Zusatzgeräte als Paketantrag der Freien Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin bewilligt. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf ein Volumen von 11,4 Millionen Euro. Die Restsumme wird vom Berliner Senat, der Freien Universität und der Charité beigesteuert. Die Anschaffung der neuen Kryo-TEMs gemeinsam durch Bund und Land erfolgt gemäß des neugefassten Artikels 91b des Grundgesetzes, wonach Bund und Länder bei Projekten von überregionaler Bedeutung in Wissenschaft und Forschung zusammenwirken können.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung betonte: „Dieser Erfolg unterstreicht die hohe Qualität der biomedizinischen Forschung in Berlin. Ich freue mich, dass die Kofinanzierung des Landes dazu beitragen konnte, mein Dank gilt aber vor allem den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die den Antrag entwickelt haben. Die Kooperation zwischen der Freien Universität und der Charité, zwischen der Spitzenforschung in Dahlem und Buch, zeigt deutlich, welches große Potenzial in der strategischen Nutzung von Synergien am Wissenschaftsstandort Berlin liegt.“

Praktisch alle biochemischen Vorgänge in lebenden Zellen werden von komplexen molekularen Maschinerien, die aus zahlreichen Proteinen oder Proteinen und Ribonukleinsäuremolekülen aufgebaut sind, vermittelt. Die Kenntnis ihrer atomaren Strukturen bildet nicht nur die Grundlage für das Verständnis der Funktionsweise und Steuerung dieser zellulären Funktionseinheiten, sondern auch für die Entwicklung von Wirkstoffen zur Behandlung zahlreicher menschlicher Erkrankungen.

Die Kryo-Elektronenmikroskopie (Kryo-EM) hat sich in den vergangenen Jahren, auch getrieben von spektakulären Fortschritten in der Technologie, als eines der leistungsstärksten Werkzeuge für die Aufklärung der Strukturen von natürlichen und synthetischen Makromolekülen und Molekülkomplexen im atomaren Detail etabliert.

Kryo-EM ermöglicht heutzutage nicht nur die strukturelle Charakterisierung von Biomolekülen und ihren Komplexen in Isolation, sondern sogar ihre Beobachtung innerhalb der natürlichen zellulären Umgebung. Auf diese Weise werden fundamental neue Einblicke in den Nanokosmos der Zelle möglich. Drei Forscher, die diese Technologie maßgeblich entwickelt haben, wurden kürzlich mit dem diesjährigen Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Mit der Bewilligung wird der Schwerpunkt biomedizinische Hochleistungselektronen-mikroskopie im Bereich der Strukturbiologie und der Multiskalen Bildgebung von Molekülen in Gewebe, in Berlin ausgezeichnet und weiter gestärkt. Standorte der beiden neuen Geräte sind der Campus der Freien Universität in Berlin-Dahlem und der Campus Berlin Buch der Charité.

Die Berliner Forschungslandschaft verfügt mit der neuen Ausstattung auch in Zukunft über eine Forschungsinfrastruktur auf international höchstem Niveau. Neben der detailgenauen Charakterisierung von molekularen Nanomaschinen werden Untersuchungen von Membrankompartimenten, von Zell-Zell-Kontakten wie neuronale Synapsen sowie von Pathogenen wie Viren und Bakterien Einsatzschwerpunkte der neuen Geräte in Berlin bilden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Forschungszentrum für Elektronenmikroskopie der Freien Universität Berlin und an der Charité, unter anderem an den Instituten für Anatomie und dem Institut für medizinische Physik und Biophysik, verfügen über langjährige Expertise in der Elektronenmikroskopie sowie in den damit verbundenen Bildverarbeitungs- und 3D-Rekonstruktionstechniken. Bereits 2004 wurde in Berlin als einer der ersten Standorte in Deutschland im Rahmen des Ultra-Struktur-Netzwerks unter maßgeblicher Beteiligung der Charité ein seinerzeit höchstmodernes 300 kV Kryo-TEM in Betrieb genommen.

2016 wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein neues 200 kV Kryo-TEM zum Ausbau der Kryo-TEM-Forschungsinfrastruktur an der Freien Universität bewilligt. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft jetzt bewilligten Hochleistungs-Kryo-TEMs verfügen über eine Reihe von neuen technischen Aspekten, die die Charakterisierung kontrastarmer und strahlenempfindlicher Proben bei hoher Auflösung ermöglichen. Sie erweitern die instrumentellen Möglichkeiten für laufende Forschungsverbundprojekte, beispielsweise die der Sonderforschungsbereiche 740 „Organisation und Dynamik zellulärer Funktionseinheiten", 765 „Multivalenz als chemisches Organisations- und Wirkprinzip“ und 958 „Einrüstung von Membranen“ sowie des Exzellenzclusters NeuroCure, und werden einen Eckpfeiler bei zukünftigen Verbundanträgen darstellen.

Kontakt:
•Privatdozent Dr. Christoph Böttcher, Leiter des Forschungszentrums für Elektronenmikroskopie (FZEM), Institut für Chemie und Biochemie, Freie Universität Berlin, Telefon: +49 30 838-54934, E-Mail: bottcher@chemie.fu-berlin.de

•Prof. Dr. Rainer Haag, Sprecher der Core Facility BioSupraMol und Focus Area NanoScale, Institut für Chemie und Biochemie, Freie Universität Berlin, Telefon: +49 30 83 852 633, E-Mail: haag@zedat.fu-berlin.de

•Prof. Dr. Christian Spahn, Direktor des Instituts für Medizinische Physik und Biophysik, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Telefon: +49 30 450 524 132, E-Mail: christian.spahn@charite.de

Carsten Wette | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Im Focus: Textilherstellung für Weltraumantennen startet in die Industrialisierungsphase

Im Rahmen des EU-Projekts LEA (Large European Antenna) hat das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Textile Faserkeramiken TFK in Münchberg gemeinsam mit den Unternehmen HPS GmbH und Iprotex GmbH & Co. KG ein reflektierendes Metallnetz für Weltraumantennen entwickelt, das ab August 2020 in die Produktion gehen wird.

Beim Stichwort Raumfahrt werden zunächst Assoziationen zu Forschungen auf Mond und Mars sowie zur Beobachtung ferner Galaxien geweckt. Für unseren Alltag sind...

Im Focus: Biotechnologie: Enzym setzt durch Licht neuartige Reaktion in Gang

In lebenden Zellen treiben Enzyme biochemische Stoffwechselprozesse an. Auch in der Biotechnologie sind sie als Katalysatoren gefragt, um zum Beispiel chemische Produkte wie Arzneimittel herzustellen. Forscher haben nun ein Enzym identifiziert, das durch die Beleuchtung mit blauem Licht katalytisch aktiv wird und eine Reaktion in Gang setzt, die in der Enzymatik bisher unbekannt war. Die Studie ist in „Nature Communications“ erschienen.

Enzyme – in jeder lebenden Zelle sind sie die zentralen Antreiber für biochemische Stoffwechselprozesse und machen dort Reaktionen möglich. Genau diese...

Im Focus: Biotechnology: Triggered by light, a novel way to switch on an enzyme

In living cells, enzymes drive biochemical metabolic processes enabling reactions to take place efficiently. It is this very ability which allows them to be used as catalysts in biotechnology, for example to create chemical products such as pharmaceutics. Researchers now identified an enzyme that, when illuminated with blue light, becomes catalytically active and initiates a reaction that was previously unknown in enzymatics. The study was published in "Nature Communications".

Enzymes: they are the central drivers for biochemical metabolic processes in every living cell, enabling reactions to take place efficiently. It is this very...

Im Focus: Innovative Sensornetze aus Satelliten

In Würzburg werden vier Kleinst-Satelliten auf ihren Start vorbereitet. Sie sollen sich in einer Formation bewegen und weltweit erstmals ihre dreidimensionale Anordnung im Orbit selbstständig kontrollieren.

Wenn ein Gegenstand wie der Planet Erde komplett ohne tote Winkel erfasst werden soll, muss man ihn aus verschiedenen Richtungen ansehen und die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie sich Nervenzellen zum Abruf einer Erinnerung gezielt reaktivieren lassen

29.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Wald im Wandel

29.05.2020 | Agrar- Forstwissenschaften

Schwarzer Stickstoff: Bayreuther Forscher entdecken neues Hochdruck-Material und lösen ein Rätsel des Periodensystems

29.05.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics