Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stress- und Alternsforschung: Wissenschaftspreis der Stadt Ulm für Prof. Iris-Tatjana Kolassa

23.07.2012
Für ihre exzellente Forschung zu traumatischem Stress und Veränderungen des alternden Gehirns hat Professorin Iris-Tatjana Kolassa bei der traditionellen Schwörfeier den Wissenschaftspreis der Stadt Ulm erhalten.

Kolassa leitet seit 2010 die Abteilung für Klinische und Biologische Psychologie an der Universität Ulm. Ihre Forschung verbindet Verhaltenswissenschaften und Biomedizin: Die 33-Jährige untersucht zum Beispiel, welchen Einfluss genetische Faktoren bei Posttraumatischen Belastungsstörungen haben. Darunter versteht man wiederkehrende Albträume und Flashbacks nach einem oder mehreren schrecklichen Erlebnissen – zum Beispiel im Krieg.

„Wie wirkt sich traumatischer Stress auf Psyche, Gehirn und Immunsystem aus?“ ist eine wichtige Frage. In der Alternsforschung widmet sich die Psychologin Veränderungen im Gehirn von gesunden und demenzkranken Senioren. Übergeordnetes Forschungsziel ist eine Verzögerung des geistigen Abbaus.

Ein aktuell wichtiges Forschungsprojekt sind Untersuchungen an Flüchtlingen, die in Deutschland leben, sowie Überlebenden des ruandischen Genozids und des ugandischen Bürgerkriegs. Als Folge der Posttraumatischen Belastungsstörung ist ihr allgemeiner Gesundheitszustand oft schlecht. Sie sind besonders anfällig für Herz-Kreislauf-Störungen, Infektionen und Autoimmunerkrankungen. Iris-Tatjana Kolassa ist es erstmals gelungen, Zusammenhänge zwischen der Belastungsstörung und krankmachenden Veränderungen auf molekularer Zellebene herzustellen: Personen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung weisen eine verminderte Anzahl bestimmter Immunzellen auf (naive zytotoxische T-Zellen und regulatorische T-Zellen).

So lässt sich ihre erhöhte Anfälligkeit für Infekte und Autoimmunerkrankungen erklären. Zudem zeigte Kolassa, dass Menschen unter chronischem Stress strukturelle Schäden in der Erbsubstanz ihrer Blutzellen aufweisen, was die Entwicklung von Krebserkrankungen begünstigen kann. Allerdings können bereits zehn Stunden traumafokussierte Psychotherapie Symptome der Belastungsstörung und ebenso das Ausmaß struktureller Zellschädigungen auf molekularer Ebene lindern.

Generell steigt das Risiko einer Posttraumatischen Belastungsstörung mit der Anzahl traumatischer Erlebnisse, so dass Überlebende des ruandischen Genozids nahezu alle unter chronischem Stress stehen. Einige Personen entwickeln jedoch bereits bei niedriger Stresslast die typischen Symptome. Iris-Tatjana Kolassa hat die Ursache entdeckt: die besonders anfälligen Personen erleben die Kehrseite eines genetisch bedingten guten Gedächtnisses.

Stress- und Kolassas zweiter Schwerpunkt Alternsforschung scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemein zu haben. Die Arbeit der Psychologin zeigt jedoch zunehmend, dass traumatischer Stress Menschen vorzeitig altern lässt. Allerdings gibt es auch hier Abhilfe: In einer kürzlich veröffentlichen Studie haben Kolassa und ihre Arbeitsgruppe gezeigt, dass ein körperliches Fitnesstraining die geistige Leistungsfähigkeit dementer Senioren in nur zehn Wochen verbessern kann. Die Kontrollgruppe baute im gleichen Zeitraum weiter kognitiv ab.

Professorin Iris-Tatjana Kolassa hat in Konstanz Psychologie studiert und in Jena promoviert. Die zweifache Mutter leitete eine Emmy-Noether Nachwuchsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und hat den Förderpreis der „Falk-von-Reichenbach-Stiftung, Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie“ erhalten. Seit 2007 ist die Psychologin Mitglied im WIN-Kolleg und seit 2010 Kollegiatin der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Kürzlich hat Kolassa den „Janet Taylor Spence Award for Transformative Early Career Contributions“ in Chicago entgegengenommen. Mit diesem Preis der amerikanischen Fachgesellschaft „Association for Psychological Science“ (APS) werden vielversprechende junge Wissenschaftler für ihre neuartige und kreative Forschung ausgezeichnet.

Der Wissenschaftspreis der Stadt Ulm wird seit 1971 alle zwei Jahre für hervorragende wissenschaftliche Leistungen von Personen, Forschungs- oder Arbeitsgruppen vergeben. Bewerben können sich bevorzugt jüngere Forscher, die mit der Universität oder Hochschule Ulm assoziiert sind. In diesem Jahr teilt sich Professorin Iris-Tatjana Kolassa den mit 15 000 Euro dotierten Preis mit Professor Thomas Walter von der Hochschule Ulm (Fakultät Mechatronik und Medizintechnik). Walter wird für seine Forschungsarbeit zum Thema „Radarsensorik und –signaturen und deren Einsatz im automobilen Umfeld“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa, Tel.: 0731 50-26590

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Ultraschall verbindet
13.11.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht DFG fördert 15 neue Graduiertenkollegs 11/2018
12.11.2018 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics