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Sechs deutsch-russische Forschergruppen erhalten dreijährige Förderung

12.09.2017

In der deutsch-russischen Forschungszusammenarbeit startet ein neues Förderinstrument. Die Helmholtz-Gemeinschaft und die Russian Science Foundation (RSF) haben für ihr Förderprogramm „Helmholtz-RSF Joint Research Groups“ die ersten sechs gemeinsamen Forschergruppen ausgewählt. Für eine Laufzeit von drei Jahren erhalten diese jeweils eine Förderung von bis zu 130.000 Euro pro Jahr aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft sowie einen Förderbetrag in gleicher Höhe von RSF. Die erste von insgesamt drei Ausschreibungsrunden erfolgte auf den beiden Gebieten „Biomedicine“ und „Information and Data Science“.

An den ausgewählten Forschungsprojekten sind jeweils Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eines Helmholtz-Zentrums sowie russische Partner beteiligt. „Ich freue mich sehr, dass wir aus zahlreichen hochkarätigen Bewerbungen sechs besonders vielversprechende auswählen konnten“, sagt Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler.

„Die Mission der Helmholtz-Gemeinschaft ist es, Lösungen für die großen und drängenden Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zu finden. Internationale Zusammenarbeit ist dafür ein wesentliches Element. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die ausgewählten Forscherinnen und Forscher exzellent und hochproduktiv zusammenarbeiten und schon bald Ergebnisse erzielen werden.“

Die „Helmholtz-RSFJoint Research Groups“ bauen auf einer Partnerschaft der Helmholtz-Gemeinschaft und der Russian Science Foundation. „Russland ist für uns ein wichtiger Partner in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit“, sagt Otmar D. Wiestler. „Unser neues Förderinstrument ist ein wertvoller Baustein dafür.“ Ein Schwerpunkt der Joint Research Groups liegt auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in beiden Ländern.

Im Rahmen der Helmholtz-RSF Joint Research Groups“ sind insgesamt drei Ausschreibungsrunden geplant. Darin werden jeweils sechs bilaterale Projekte ausgewählt. Die zweite Ausschreibungsrunde ist bereits gestartet. Die Bewerbungsfrist endet am 30. November 2017 und umfasst die beiden Themengebiete „Climate Research“ sowie „Energy Storage and Grid Integration“. Die letzte Ausschreibung im Jahr 2019 soll schließlich die Themengebiete „Materials and Emerging Technologies“ sowie „Structure and Dynamics of Matter“ umfassen.

Die sechs in der aktuellen Ausschreibungsrunde geförderten Forschungsprojekte sind:

1. Compton X-ray microscopy of biological specimens

Ziel dieser Zusammenarbeit zwischen der Tomsk State University (TSU) und dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) ist es, eine neue hochenergetische Röntgenkamera für das Camptan-Imaging zu entwickeln, eine äußerst vielversprechende neue Technik zur Untersuchung biologischer Proben. Im Gegensatz zu heutigen destruktiven Techniken ist die Compton-Röntgenmikroskopie eine sehr schonende Untersuchung: Die Struktur ganzer Zellen kann abgebildet werden, ohne die hochempfindlichen Bioproben stark zu schädigen. Die wichtigste Komponente, die dafür benötigt wird, ist ein Hochgeschwindigkeits-Pixel-Detektor mit GaAs-Sensoren. Die Tomsk State Universität produziert das weltweit beste GaAs-Material, DESY hat das Know-how, um passende Detektoren zu entwickeln und anzuwenden.
Ansprechpartner: DESY, Dr. Heinz Graafsma (Themengebiet ‚Biomedizin‘), Kontakt: heinz.graafsma@desy.de

2. New avenues in information and data science: advanced imaging applications at the XFEL and cryo-EM frontier

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Kurchatov Institut Moskau und dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY. Im Rahmen der Zusammenarbeit wird eine leistungsstarke Datenverarbeitungsplattform entwickelt, die unter anderem am jüngst eröffneten Röntgenlaser European XFEL zum Einsatz kommen wird. Hierbei werden die neuesten maschinellen Lernalgorithmen und künstliche Intelligenzmethoden angewendet. Die Plattform wird ein Werkzeug für Wissenschaftler, um die komplexen Messdaten von Röntgenlasern oder Kryo-Elektronenmikroskopen schnell zu analysieren – Prozesse, die heute Monate oder länger dauern. Der Hauptvorteil dieser innovativen Plattform ist, dass sie eine komplette Verarbeitungspipeline vom Experiment bis hin zur rekonstruierten 3D-Struktur bildet. So können die großen Datenmengen der jetzt möglichen Röntgenlaser-Streuexperimente effizient ausgewertet werden.
Ansprechpartner: DESY, Prof. Dr. lvan Vartaniants (Themengebiet ‘Information and Data Science’), Kontakt: Ivan.Vartaniants@desy.de

3. Molecular-genetic stratification of paediatric medulloblastoma for personalisation of treatment strategies

Medulloblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumore bei Kindern. Das gemeinsame Projekt des Burdenko Neurosurgical Institut in Moskau mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) forscht seit langem daran. Obwohl die 5-Jahres-Gesamtüberlebensraten inzwischen 70 Prozent erreicht haben, besteht dringend die Notwendigkeit, die individuellen Behandlungsmöglichkeiten weiter zu verbessern. Das Projekt zielt auf kurzfristige Verbesserungen der Medulloblastom-Therapie. Die beiden Laboratorien verfügen über ein hervorragendes Fachwissen in diesem Bereich und alle notwendigen Einrichtungen, um dieses Ziel gemeinsam zu erreichen.
Ansprechparnter: DKFZ, Prof. Dr. Andrey Korshunov (Themengebiet ‚Biomedizin‘), Kontakt: andrey.korshunov@med.uni-heidelberg.de

4. Karlsruhe-Russian Astroparticle Data Life Cycle Initiative

In der Astroteilchenphysik müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre hochdetaillierten Beobachtungen untereinander austauschen können, um komplexe Prozesse im Universum zu untersuchen und besser zu verstehen. Ziel dieses Projekts der Lomonossov-Universität Moskau und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist es, ein breites Spektrum an Daten hochenergetischer kosmischer Strahlung öffentlich zur Verfügung zu stellen. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher werden zu diesem Zweck ein gemeinsames Datenportal zweier unabhängiger Observatorien aufbauen.
Ansprechpartner: KIT, Dr. Andreas Haungs (Themengebiet ‘Information and Data Science’), Kontakt: andreas.haungs@kit.edu

5. Materials based on magnesium alloys for bioresorbable implants with anti-tumour activity

Zusammen mit den Partnern der National University of Science and Technology MISIS, NUST MISIS und dem N.N. Blokhin Russian Cancer Research Center möchte das Institut für Werkstoffforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) seine Entwicklungen im Bereich der bioabbaubaren Magnesiumlegierungen auf neue Anwendungen ausweiten. Das Projekt adressiert ein Kernproblem der modernen Onkologie: die Anwendung der lokalen Chemotherapie, die auf eine effiziente Konzentration von Antitumormitteln in den intra- oder peritumoralen Regionen abzielt. Die dem Projekt zugrundeliegende Herangehensweise wird voraussichtlich zu einer Zytoreduktion von nicht resezierbaren und chemoresistenten Tumoren führen, während zugleich die Nebenwirkungen für die Patienten reduziert werden.
Ansprechpartner: HZG, Prof. Dr. Regine Willumeit-Römer (Themengebiet ‘Biomedizin’), Kontakt: regine.willumeit@hzg.de

6. High-density ultrawideband transducer arrays for optoacoustic recording of fast brain activity from large neural populations

Gehirnerkrankungen gehören zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen für unsere Gesellschaft. Ziel dieses Projektes zwischen dem Institute of Applied Physics der Russischen Akademie der Wissenschaften und dem Helmholtz Zentrum München ist die Entwicklung einer neuen Generation der Ultraschall-Detektionstechnologie, die die hochaufgelöste Aufzeichnung der Aktivität großer Nervenzellverbände ermöglichen soll. Die neue Technik wird Neurowissenschaftlern beispiellose Einsichten in das lebende Gehirn vermitteln, die nicht mit vergleichbaren Neuro-Imaging-Technologien möglich wären.
Ansprechpartner: HMGU, Prof. Dr. Daniel Razansky, Kontakt: daniel.razansky@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen zu den Helmholtz-RSF Joint Research Groups:
https://www.helmholtz.de/karriere_talente/foerderprogramme/internationale_progra...

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit rund 38.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von mehr als vier Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Ansprechpartner für die Medien:

Roland Koch
Pressesprecher
Tel.: 030 206 329-56
roland.koch@helmholtz.de

Alexandra Rosenbach
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Forschungspolitik und Außenbeziehungen
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Weitere Informationen:

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Roland Koch | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

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