Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schrödinger-Preis für Arbeit über Lachgasemissionen

02.07.2013
Fünf Forscher um Professor Klaus Butterbach-Bahl vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erhalten den mit 50 000 Euro dotierten Wissenschaftspreis des Stifterverbands – Erwin Schrödinger-Preis 2013.

Mit dieser Auszeichnung würdigen der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft gemeinsam herausragende wissenschaftliche Leistungen, an denen Forscher verschiedener Disziplinen beteiligt waren. In einer viel beachteten Untersuchung hat die Gruppe um Butterbach-Bahl die bisher herrschende Meinung widerlegt, dass großflächige Beweidung zur stetig wachsenden Lachgaskonzentration in der Atmosphäre und damit zur globalen Erderwärmung beiträgt.

Der neue Präsident des Stifterverbands, Andreas Barner, wird die Auszeichnung im Rahmen der Helmholtz-Jahrestagung am 19. September in Berlin verleihen. Bei der Untersuchung „Grazing-induced reduction of natural nitrous oxide release from continental steppe“ wirkten der Biologe Professor Klaus Butterbach-Bahl und der Geograf Dr. Michael Dannenmann vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des KIT sowie die Atmosphärenphysikerin Professorin Xunhua Zheng (Chinese Academy of Sciences), der Chemiker Professor Nicolas Brüggemann (Forschungszentrum Jülich) und der Geoökologe Dr. Benjamin Wolf (Empa/Zürich) federführend. Während der Laufzeit des Projekts waren Nicolas Brüggemann und Benjamin Wolf am KIT tätig. Die Ergebnisse der Arbeit, die Ökosystem- und Klimaforschung verbindet, publizierte die Fachzeitschrift „Nature“ 2010.

Die Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die Viehhaltung in Steppengebieten die Abgabe des Treibhausgases Lachgas an die Atmosphäre nicht – wie zuvor angenommen worden war –, erhöht, sondern im Gegenteil sogar verringert. Lachgas (N2O) gehört neben Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan zu den wichtigsten Gasen, die zu Klimawandel und Erderwärmung beitragen.

So ist die Treibhauswirkung einer bestimmten Menge N2O in der Atmosphäre rund 300-mal stärker als die der gleichen Menge CO2.Vom Menschen verursachte Lachgasemissionen entstehen zu rund 60 Prozent in der Landwirtschaft, etwa wenn Mikroben im Boden stickstoffhaltige Exkremente weidender Schafe oder Rinder abbauen. Wissenschaftler hatten daher angenommen, dass auch die Viehhaltung in Steppen- und Präriegebieten dazu beiträgt, dass die Lachgaskonzentration in der Atmosphäre ständig steigt.

Dass der Sachverhalt komplexer ist, zeigten die fünf Forscher um Butterbach-Bahl im Rahmen ihrer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschergruppe: Flächen, die nicht zur Viehhaltung genutzt werden, emittieren über das Jahr verteilt tatsächlich größere Mengen Lachgas als beweidete Flächen. Für ihre Studie erhoben die Wissenschaftler ein ganzes Jahr lang Daten über mehrere Messstationen im Steppengebiet der Inneren Mongolei/China.

Vorangegangene Kurzzeituntersuchungen hatten übersehen, dass die Emission erheblicher Lachgasmengen aus Steppenböden in die Atmosphäre einen natürlichen Prozess darstellt und dass ein Großteil der natürlichen Emission auf die Tauperiode im Frühjahr zurückzuführen ist.

Genau diese Emission wird durch Beweidung von Steppen deutlich verringert, wie die fünf Forscher in ihrer Studie gezeigt haben: Denn indem die Tiere die Flächen abweiden, vermindern sie die Grashöhe. Dadurch wird der Schnee leichter vom Wind weggetragen. Unter der dünneren Schneedecke sind die beweideten Böden im langen und kalten Winter schlechter isoliert und daher bis zu zehn Grad Celsius kälter, wie Butterbach-Bahl erklärt. „Während der Tauperiode im März entsteht außerdem weniger Schmelzwasser, daher sind die Böden trockener“, erläutert der KIT-Forscher. „Kälte und Trockenheit aber hemmen die mikrobiellen Aktivitäten: Mithin entsteht weniger Lachgas.“

Die Wissenschaftler um Butterbach-Bahl gehen davon aus, dass frühere Berechnungen die Lachgasemission aus beweideten Graslandgebieten um rund 72 Prozent überschätzen. Allerdings ist es eine Tatsache, dass die Lachgaskonzentration in der Atmosphäre ständig steigt. Um dies zu verstehen, ist noch viel weitere Forschungsarbeit erforderlich, wie Butterbach-Bahl betont. Eine vermehrte Viehwirtschaft bringt nicht die Lösung des Problems, da sie große Mengen Methan freisetzt. Zudem führt Überweidung von Steppengebieten zu Bodendegradation und zu starken Verlusten an Bodenkohlenstoffvorräten.

Über den Wissenschaftspreis des Stifterverbands – Erwin Schrödinger-Preis
Seit 1999 zeichnen die Helmholtz-Gemeinschaft und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft mit dem Erwin Schrödinger-Preis herausragende wissenschaftliche oder technisch innovative Leistungen aus, die in Grenzgebieten zwischen verschiedenen Fächern der Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften erzielt worden sind und an denen Vertreter mindestens zweier Fachrichtungen mitgewirkt haben. Der Preis wird jährlich abwechselnd vom Stifterverband und der Helmholtz-Gemeinschaft dotiert. Über das Preisgeld von 50 000 Euro können die Preisträger frei verfügen. Der Preis wird jährlich im Rahmen der Helmholtz-Jahrestagung offiziell übergeben.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Uni-versität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und ge-baute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu
Das Foto steht in druckfähiger Qualität auf http://www.kit.edu zum Download bereit und kann angefordert werden unter: presse@kit.edu oder +49 721 608-47414. Die Verwendung des Bildes ist ausschließlich in dem oben genannten Zusammenhang gestattet.

Monika Landgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Millionenförderung für Deep-Learning-Projekt in Leipzig
15.08.2018 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

nachricht Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb
14.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics