Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Trennverfahren zur Herstellung von Arznei- und Pflanzenschutzmitteln

01.11.2016

Vier Millionen Euro für europäisches Spitzenforschungsprojekt zur Gewinnung pharmazeutischer Wirkstoffe

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg werden innerhalb der nächsten drei Jahre neue Verfahren zur Herstellung von Arznei- und Pflanzenschutzmitteln entwickeln.

Im Rahmen eines mit knapp vier Millionen Euro von der Europäischen Union finanzierten Forschungsverbundprojektes Continuous Resolution and Deracemization of Chiral Compounds by Crystallization – CORE wollen sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland sowie global agierenden Industriepartnern erstmals industriell verwertbare Verfahren zur Trennung von synthetischen Molekülen entwickeln, sogenannten Enantiomeren.

Diese paarweise auftretenden Moleküle sind aufgrund ihrer Ähnlichkeit sehr schwer voneinander zu trennen. „Man kann sie sich wie unsere beiden spiegelbildlich zueinander aufgebauten Hände vorstellen“, so der Leiter des Lehrstuhls für Chemische Verfahrenstechnik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme, Prof. Dr.-Ing. Andreas Seidel-Morgenstern.

„Aufgrund der Tatsache, dass die lebende Materie auf unserem Planeten nur aus einer der beiden möglichen Formen von Aminosäuren, den L-Aminosäuren, aufgebaut ist, ist die Bereitstellung enantiomerenreiner Substanzen von großer Bedeutung für die pharmazeutische Industrie und zunehmend auch für die Agrochemie.“

Die gleichzeitige Verabreichung der beiden spiegelbildlichen Teile des Thalidomidmoleküls als Wirkstoff in „Contergan“ sei in den 1960er Jahren Auslöser für die Missbildungen an zahlreichen Neugeborenen gewesen, so Seidel-Morgenstern. Mit dem CORE-Projekt sollen neuartige Möglichkeiten der effizienteren Molekültrennung gefunden werden, bei denen gleichzeitig das unerwünschte, jedoch ebenfalls wertvolle Gegenstück gezielt und ressourcenschonend rückgeführt werden kann.

„Erstmals werden im Rahmen dieses Projekts die europäischen Spitzengruppen auf diesem Fachgebiet intensiv kooperieren, um die schwierigen Trennaufgaben besser zu lösen“, konstatiert Seidel-Morgenstern. „Wir haben vor, auf diesem Gebiet weltweit Vorreiter zu werden.“

Für die nachhaltige Optimierung und Etablierung dieser Verfahren und Prozesse zur Gewinnung hochwertiger pharmazeutischer Produkte benötigt die Industrie neben den zu entwickelnden Werkzeugen aber auch akademisch trainierte Experten. Darum werden im Rahmen des Forschungsnetzwerkes 15 hochqualifizierte Nachwuchsforscher ausgebildet.

Das Trainingsnetzwerk Continuous Resolution and Deracemization of Chiral Compounds by Crystallization – CORE wird durch das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 über eine Laufzeit von vier Jahren gefördert. Die koordinierende Universität ist die University of Strathclyde, Großbritannien. In Magdeburg sind Prof. Andreas Seidel-Morgenstern sowie Prof. Heike Lorenz, Leiterin der Kristallisationsgruppe am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme, beteiligt.

Mehr Informationen unter http://www.researchgate.net/project/CORE-European-Training-Network-on-Continuous...

Kontakt für die Medien: Prof. Dr.-Ing. habil. Andreas Seidel-Morgenstern, Institut für Verfahrenstechnik, Fakultät für Verfahrens- und Systemtechnik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: +49 391 67-58643, E-Mail: anseidel@ovgu.de

Weitere Informationen:

http://www.researchgate.net/project/CORE-European-Training-Network-on-Continuous...

Katharina Vorwerk | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Ein Roboter, der Schienenbrüche erkennt: Auszeichnung für Projekt „Railcheck“
12.10.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Jenaer Forscherteam für 
Diagnose-Ansatz bei Krebs-Operationen für Preis nominiert
09.10.2018 | Leibniz-Institut für Photonische Technologien e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Im Focus: Materiezustände durch Licht verändern

Forscherinnen und Forscher der Universität Hamburg stören die kristalline Ordnung

Physikerinnen und Physikern der Universität Hamburg ist es gelungen, mithilfe von Laserpulsen die Ordnung von Quantenmaterie so zu stören, dass ein spezieller...

Im Focus: Disrupting crystalline order to restore superfluidity

When we put water in a freezer, water molecules crystallize and form ice. This change from one phase of matter to another is called a phase transition. While this transition, and countless others that occur in nature, typically takes place at the same fixed conditions, such as the freezing point, one can ask how it can be influenced in a controlled way.

We are all familiar with such control of the freezing transition, as it is an essential ingredient in the art of making a sorbet or a slushy. To make a cold...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Methode der statistischen Inferenz in der Magnetresonanztomographie (fMRI) entwickelt

16.10.2018 | Medizintechnik

Tiefsee ergründen – erstmalige LIBS-Messung bei 600 bar

16.10.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics