Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studien zu Krebstherapien

03.02.2016

Deutsches Konsortium für translationale Krebsforschung fördert innovative Projekte aus Tübingen

Im „Deutschen Konsortium für translationale Krebsforschung“ (DKTK) haben Tübinger Wissenschaftler mehr als 2,6 Millionen Euro für Projekte zur Krebsforschung eingeworben. Tübingen ist einer von acht Standorten des DKTK, das vom Bundesforschungsministerium im Rahmen der deutschen Gesundheitszentren gefördert wird.

In einem internen „Joint Funding Wettbewerb“ unterstützt das DKTK herausragende, überregionale Studien. Die Tübinger Wissenschaftler gehören zu den Initiatoren zweier Anträge, die sich durchsetzen konnten. Sie erhalten Förderung für jeweils drei Jahre.

So hat Professor Alfred Nordheim vom Interfakultären Institut für Zellbiologie (IFIZ) der Universität Tübingen gemeinsam mit Professor Peter Lichter (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg) und Professor Dirk Schadendorf (Universitätshautklinik Essen) das Projekt „Identifying and understanding non-coding mutations in cancer genomes“ initiiert.

Wissenschaftler der Standorte Tübingen, Heidelberg, Düsseldorf/Essen und Dresden werden hier bestimmte Mutationen von Krebszell-Genomen erforschen. Sie versprechen sich neue Erkenntnisse über die Ursachen der Fehlsteuerung von Genen, die für die Entstehung der Krebserkrankung verantwortlich sind.

Im Erbgut von Krebszellen finden sich Veränderungen, die für die Entstehung der Zellwucherung und sich daraus entwickelnder Tumore verantwortlich sind. Bei genetischen Tumoranalysen konzentrierte man sich bisher auf Mutationen, die zu Veränderungen im kodierenden Informationsgehalt von Genen und deshalb zu veränderten Eiweißstoffen (Proteinen) führen.

Das Projekt geht einen wichtigen Schritt weiter und sucht gezielt nach Mutationen in Krebszell-Genomen, die in nicht-kodierenden Regionen liegen. Diese sind bekannt dafür, dass sie die Aktivitäten der Krebsgene verändern können. Die Untersuchungen werden an bösartigen Krebsformen der Haut (Melanome) und des menschlichen Gehirns (Glioblastome) durchgeführt.

„Wir sind begeistert von aktuellen Forschungsergebnissen unserer Kollegen aus Heidelberg und Essen, deren Arbeiten - unter großer weltweiter Beachtung - die Bedeutung nicht-kodierender Mutationen offenbart haben“, sagt Professor Alfred Nordheim. „Diese neue Art von Mutationen jetzt in gemeinsamer Anstrengung erfassen und analysieren zu können, bietet eine große Chance, den Ursachen der Krebserkrankung vertieft auf die Spur zu kommen.“

Im Projekt „IVacALL“ testen Professor Peter Lang (Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Tübingen), Professor Hans-Georg Rammensee (Interfakultäres Institut für Zellbiologie, Universität Tübingen) und Professor Stefan Pfister (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg) in einer klinischen Studie Tumorimpfungen für junge Leukämiepatienten.

Bei Kindern sind Rückfälle nach Chemo- oder Stammzelltherapien ein großes Problem. Maßgeschneiderte Impfstoffe können neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen: Das Immunsystem der Patienten wird gezielt darauf trainiert, die Veränderungen von Krebszellen zu erkennen und aus eigener Kraft zu bekämpfen. Bei den Veränderungen handelt es sich um Proteine, die sich durch eine genetische Mutation der Tumorzellen von gesunden Zellen unterscheiden. Eine Impfung mit veränderten Proteinabschnitten („Peptiden“) kann Immunzellen gezielt gegen den Tumor richten.

„Im ersten Schritt werden umfangreiche Erbgut-Analysen von Tumor- und Normalgewebe vorgenommen, um die krebstypischen Veränderungen eines Patienten zu identifizieren", erklärt Professor Peter Lang, Bereichsleiter der Abteilung Stammzelltransplantation. „Anschließend wird jeder Patient mit einem individuell angepassten Peptidcocktail geimpft.“ Eine im Rahmen der Studie entwickelte Plattform mit Tumordaten zum Entwurf eines Peptidimpfstoffes wird zukünftig auch mit der INFORM-Studie des DKTKs vernetzt. Ziel der INFORM-Studie ist es, deutschlandweit bei allen Kindern mit Krebsrückfällen nach Erbgutveränderungen zu suchen und herauszufinden, ob es Medikamente gibt, die zu genau diesem Tumor passen.

Professor Hans-Georg Rammensee, der die personalisierte Immuntherapie auf dem Lehrstuhl für Immunologie der Universität Tübingen vorantreibt, ist überzeugt, dass sich die Behandlungsmöglichkeiten für erkrankte Kinder damit langfristig verbessern lassen: „Die klinische Studie soll den Grundstein für ein generelles Behandlungskonzept legen. Durch den technischen Fortschritt der letzten Jahre im Bereich der Genomsequenzierung werden diese hochdimensionalen Datensätze für immer mehr Patienten verfügbar und können möglicherweise für individuelle Therapien eingesetzt werden.“

Neben den beiden aus Tübingen geleiteten Projekten ist der Standort Tübingen zudem an zwei weiteren nun erstmalig geförderten DKTK-Projekten beteiligt. Zum einen soll hierbei die Bestimmung von Mutationen für die Therapieentscheidung bei seltenen Krebsarten genutzt werden, zum anderen soll verbesserte Bildgebung für die Diagnostik von Prostatakrebs getestet werden.

Prof. Dr. Alfred Nordheim
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Zellbiologie
Telefon +49 7071 29-78898
alfred.nordheim@uni-tuebingen.de

Prof. Dr. med. Peter Lang
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Hämatologie/Onkologie
Bereichsleiter Stammzelltransplantation
Telefon +49 7071 29-81386
peter.lang@med.uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Zellbiologie
Telefon + 49 7071 29-80991
rammensee@uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Klaus Schulze-Osthoff
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Biochemie, Standortsprecher des DKTK
Telefon +49 7071 29-73399
kso@uni-tuebingen.de

Antje Karbe | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn aus theoretischer Chemie Praxis wird

Thomas Heine, Professor für Theoretische Chemie an der TU Dresden, hat 2019 zusammen mit seinem Team topologische 2D-Polymere vorhergesagt. Nur ein Jahr später konnten diese Materialien von einem italienischen Forscherteam synthetisiert und deren topologische Eigenschaften experimentell nachgewiesen werden. Für die renommierte Fachzeitschrift Nature Materials war das Anlass, Thomas Heine zu einem News and Views Artikel einzuladen, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Unter dem Titel "Making 2D Topological Polymers a reality" beschreibt Prof. Heine, wie aus seiner Theorie Praxis wurde.

Ultradünne Materialien sind als Bausteine für nanoelektronische Bauelemente der nächsten Generation äußerst interessant, da es viel einfacher ist, Schaltungen...

Im Focus: When predictions of theoretical chemists become reality

Thomas Heine, Professor of Theoretical Chemistry at TU Dresden, together with his team, first predicted a topological 2D polymer in 2019. Only one year later, an international team led by Italian researchers was able to synthesize these materials and experimentally prove their topological properties. For the renowned journal Nature Materials, this was the occasion to invite Thomas Heine to a News and Views article, which was published this week. Under the title "Making 2D Topological Polymers a reality" Prof. Heine describes how his theory became a reality.

Ultrathin materials are extremely interesting as building blocks for next generation nano electronic devices, as it is much easier to make circuits and other...

Im Focus: Mikroroboter rollt tief ins Innere des Körpers

Mit einem Leukozyten als Vorbild haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Stuttgart einen Mikroroboter entwickelt, der in Größe, Form und Bewegungsfähigkeit einem weißen Blutkörperchen gleicht. In einem Labor simulierten sie dann ein Blutgefäß – und es gelang ihnen, den Mikroroller durch diese dynamische und dichte Umgebung zu steuern. Der Roboter hielt dem simulierten Blutfluss stand und brachte damit das Forschungsgebiet rund um die zielgenaue Medikamentenabgabe einen Schritt weiter: Es gibt keinen besseren Zugangsweg zu allen Geweben und Organen im menschlichen Körper als den Blutkreislauf.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Stuttgart haben einen winzigen Mikroroboter entwickelt, der einem weißen...

Im Focus: Rolling into the deep

Scientists took a leukocyte as the blueprint and developed a microrobot that has the size, shape and moving capabilities of a white blood cell. Simulating a blood vessel in a laboratory setting, they succeeded in magnetically navigating the ball-shaped microroller through this dynamic and dense environment. The drug-delivery vehicle withstood the simulated blood flow, pushing the developments in targeted drug delivery a step further: inside the body, there is no better access route to all tissues and organs than the circulatory system. A robot that could actually travel through this finely woven web would revolutionize the minimally-invasive treatment of illnesses.

A team of scientists from the Max Planck Institute for Intelligent Systems (MPI-IS) in Stuttgart invented a tiny microrobot that resembles a white blood cell...

Im Focus: Schnüffel-Roboter als Katastrophenhelfer

Wo Menschenleben gefährdet sind, kommen künftig neuartige Roboter zum Einsatz, die an der TU Dresden entwickelt werden

Wissenschaftler an der TU Dresden arbeiten seit Juni 2019 an künstlichen Helfern, die in einem Katastrophengebiet Gefahren erkennen, beseitigen und somit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

Erfolgreiche Premiere für das »Electrochemical Cell Concepts Colloquium«

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Techniker Krankenkasse, EuPD Research und Handelsblatt starten Bewerbung für die Sonderpreise "Gesunde Hochschule" im Rahmen des Corporate Health Award 2020

22.05.2020 | Förderungen Preise

Werkstattbericht #1: Head Mounted Displays (HMDs) – Schwerpunktpositionen und Drehmomente

22.05.2020 | Informationstechnologie

Biochemie-Absolvent der Universität Bayreuth hat Antigen für hochspezifischen Corona-Antikörpertest entwickelt

22.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics