Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nano-Messtechnik: Braunschweiger Start-Up entwickelt die kleinsten Lineale der Welt

06.11.2017

Technologietansferpreis der IHK Braunschweig für Prof. Philip Tinnefeld und GATTAquant

Das junge Gründerteam des Startup-Unternehmens GATTAquant und ihr Mentor, Professor Philip Tinnefeld, erhalten den mit 10.000 Euro dotierten Technologietransferpreis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig.

Die vom Team gemeinsam entwickelten Nanometerlineale sind Werkzeuge für den Betrieb von superauflösenden Mikroskopen und werden weltweit an wissenschaftliche Labore sowie Unternehmen vertrieben. Die Grundlagen dazu entstanden in der Arbeitsgruppe NanoBioScience von Professor Tinnefeld am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Technischen Universität Braunschweig.

Die Mikroskopie hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, sodass es heute möglich ist, mit hoher Auflösung in die einzelnen Bestandteile lebender Zellen zu schauen und detaillierte Erkenntnisse über die Bausteine des Lebens zu gewinnen.

Für den immer präziseren Blick auf die hier wirksamen Biomoleküle gibt es unterschiedliche Verfahren, wie etwa das STED-Mikroskop. Diese 2014 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichneten Hochleistungsmikroskope sind technisch außerordentlich komplex. Die winzigen Dimensionen stellen die Wissenschaft vor neue Herausforderungen.

Wie Legosteine im Nanoformat

„Wenn eine Aufnahme fehlschlägt, lässt sich oft nicht feststellen, ob die Probe beschädigt war oder ein Defekt am Mikroskop für den Fehler verantwortlich ist. Mit den Nanometerlinealen bieten wir eine Referenzstruktur, mit der man die Mikroskope zuverlässig testen kann.“, sagt Geschäftsführer Dr. Jürgen Schmied.

Die speziellen optischen Mikroskopieproben ermöglichen neben der unkomplizierten und schnellen Überprüfung eines superauflösenden Mikroskopiesystems auch einen einfachen und dennoch aussagekräftigen Vergleich verschiedener Systeme untereinander. „Unsere Proben werden auch als Referenzstrukturen für molekulare Testreihen genutzt, wie sie in der Diagnostik zum Einsatz kommen“, ergänzt Dr. Max Scheible.

Die „Nanometerlineale“ werden mit Hilfe der sogenannten DNA-Origami-Technik hergestellt, welche die hochparallele Synthese komplexer Nanostrukturen ermöglicht, wobei deren Form durch die Wahl der DNA-Sequenzen völlig frei programmierbar ist. An diese Strukturen bringen die Forscher gezielt Farbstoffmoleküle in einem frei einstellbaren, aber präzisen Abstand zueinander an.

Die Farbstoffe dienen als Marker auf dem DNA-Lineal und können mit den Mikroskopen sichtbar gemacht werden. Die DNA Nanolineale sind einfach zu handhabende Auflösungstestproben und somit die perfekte Positivkontrolle. Die DNA-Origami-Technik hat auch andere, mehrfach ausgezeichnete Entwicklungen der Arbeitsgruppe von Professor Tinnefeld ermöglicht, wie Nano-Linsen, Antennen und „Kraftfedern“, mit denen die Einwirkung von Kräften auf Strukturen im Inneren von Zellen gemessen werden können. „Für uns ist die Technologie wie ein Steckbrett, auf dem wir unterschiedliche molekulare Komponenten wie Legosteine aufbringen können“, schwärmt Professor Tinnefeld.

Passgenaue Nanostrukturen auf Bestellung

Ermöglicht durch die Förderung aus Mitteln des EXIST-Programms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wurde im September 2014 die GATTAquant GmbH gegründet, um obige Nanometerlineale kommerziell vertreiben zu können. Inzwischen beliefert das junge Unternehmen Kunden in ca. 50 Ländern weltweit.

Neben renommierten Universitäten und wissenschaftlichen Arbeitsgruppen zählen auch Unternehmen aus den Bereichen Mikroskopie, Pharma und Diagnostik zu den Kunden. Der Vertrieb erfolgt direkt, sowie in strategischen Partnerschaften, in Zusammenarbeit mit ausländischen Distributoren. „Unser Ziel ist es, der weltweit führende Anbieter von Standard- und Teststrukturen für die Mikroskopie und Diagnostik zu werden“, sagt Geschäftsführer Jürgen Schmied.

Die Arbeitsgruppe von Professor Tinnefeld ist Mitglied in gleich zwei Carolo-Wilhelmina-Zentren der Technischen Universität Braunschweig: Dem Systembiologie-Zentrum BRICS (Braunschweig Integrated Centre of Systems Biology) und dem auf Nanomesstechnik spezialisierten Zentrum LENA (Laboratory for Emerging Nanometrology).

Das GATTAquant-Team:

Jürgen Schmied, Max Scheible, Carsten Forthmann und Prof. Philip Tinnefeld
Technische Universität Braunschweig
BRICS - Braunschweig Integrated Centre of Systems Biology
Rebenring 56
38106 Braunschweig

Weitere Informationen:

http://www.tu-braunschweig.de/pci/research/tinnefeld/index.html - die Arbeitsgruppe NanoBioScience von Professor Tinnefeld am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der TU Braunschweig
http://www.gattaquant.com/de - GATTAquant

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Klimafreundliche Energie aus Abwärme
20.12.2019 | Technische Universität München

nachricht Der DPG-Technologietransferpreis 2020 geht an Orcan Energy für die Nutzung von Abwärme für die CO2-freie Stromerzeugung
16.12.2019 | Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Riesiger 3D-Drucker soll tonnenschwere Getriebeteile aus Stahl fertigen

27.02.2020 | Maschinenbau

Immunologie - Rachenmandeln als Test-Labor

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Pestizide erhöhen Risiko für Tropenkrankheit Schistosomiasis / Belastete Gewässer fördern Zwischenwirt des Erregers

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics