Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millionenschwere ERC-Grants für LMU-Wissenschaftler

22.12.2010
Der LMU-Professor Dirk Trauner (Lehrstuhl für Chemische Biologie und Genetik) erhält vom Europäischen Forschungsrat (ERC) einen Advanced Investigator Grant. Einen weiteren ERC Advanced Grant bringt der neu an das Klinikum der Universität München berufene Professor Christian Weber (Direktor des Instituts für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten und Lehrstuhl für Präventive Vaskuläre Medizin). Webers ERC-Projekt startet im Januar 2011. ERC Advanced Grants sind hoch dotierte Auszeichnungen für europäische Forscher, die bereits herausragende Leistungen erbracht haben und für neue hoch innovative Forschungsvorhaben die nötigen Freiheiten erhalten sollen.

Zum Projekt von Dirk Trauner

Weltweit sind Millionen Menschen von Blindheit betroffen, wobei die häufigste Ursache der Verlust von Photorezeptor-Zellen in den Augen ist. Weil die übrigen Komponenten der Netzhaut aber oft aber bestehen bleiben, werden verschiedene Methoden zur Wiederherstellung der Sehkraft, etwa implantierte Microchips, erprobt. Die Mittel des ERC-Grants in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro sollen nun die Entwicklung eines neuartigen „photopharmakologischen“ Ansatz ermöglichen. „Wir kombinieren dabei synthetische molekulare Schalter auf unterschiedliche Weise mit natürlichen Rezeptorproteinen“, berichtet Trauner. „Diese hybriden Photorezeptoren sollen die entsprechenden Neuronen im Auge für Licht ansprechbar machen – was im Tierversuch bereits gelungen ist.“ Entscheidende Verbesserungen der photophysikalischen Eigenschaften der Moleküle und die detaillierte Analyse ihres Verhaltens in der neuen Umgebung sind die Voraussetzung für eine Anwendung im Menschen. „Gelingt uns dies, kann unser Ansatz bei bestimmten Formen der Blindheit das Augenlicht wiederherstellen“, sagt Trauner. „Aber auch andere Anwendungen bei Fehlfunktionen des Nervensystems sind denkbar, etwa bei chronischem Schmerz und Epilepsie.“

Professor Dirk Trauner ist im Jahre 1967 in Linz, Österreich, geboren. Er studierte und promovierte in Biologie und Biochemie an der Universität von Wien und an der Freien Universität Berlin. Als Postdoktorand war er am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York tätig. 2000 kam er an die University of California, Berkeley, wo er bis zum Associate Professor aufstieg. Seit 2008 arbeitet Trauner an der LMU München, wo er den Lehrstuhl für Chemische Biologie und Genetik innehat. Für seine Arbeiten wurde er unter anderem mit dem Novartis Young Investigator Award und der Alfred P. Sloan Fellowship ausgezeichnet.

Zum Projekt von Christian Weber

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind noch immer die wichtigste Todesursache in der westlichen Welt. Die häufigste Ursache ist dabei die Atherosklerose, die umgangssprachlich als „Gefäßverkalkung“ bekannt ist. Dabei führen chronische Entzündungen zu Ablagerungen in den Gefäßen und damit zu deren Verengung, was unter anderem Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen kann. Professor Christian Weber gelang erstmals der Nachweis, dass ein Komplex zweier kleiner Signalproteine, sogenannter Chemokine, die Einwanderung von Immunzellen aus dem Blut in das entzündete Gewebe steuert und so die Atherosklerose fördert. In seinem mit rund 2,5 Millionen Euro geförderten ERC-Projekt „Atheroprotect“ will Professor Christian Weber nun die biologische Bedeutung solcher Interaktionen zwischen Chemokinen weiter analysieren und deren Rolle bei der Feinabstimmung der Entzündungsprozesse untersuchen. Zudem will der Mediziner neue Strategien entwickeln, mit denen die Komplexe selektiv gehemmt oder wieder gelöst werden können – dies auch im Mausmodell. „Die Entwicklung spezifischer Chemokin-Hemmer könnte neue Möglichkeiten eröffnen, zielgerichtet gegen die gefährlichen Gefäßablagerungen vorzugehen“, sagt Weber. „Das wäre ein völlig neues Prinzip zur Therapie der Atherosklerose, aber auch anderer entzündlicher Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose.“

Professor Christian Weber, Jahrgang 1967, studierte Medizin an der LMU, wo er 1994 promovierte und – nach einem Forschungsaufenthalt in Harvard (USA) – sich auch habilitierte. Er übernahm eine Professur in Maastricht (Niederlande) und war seit 2005 Lehrstuhlinhaber und Direktor des Instituts für Molekulare Herz-Kreislauf-Forschung (IMCAR) an der RWTH Aachen. Seit November 2010 leitet er das Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten am Klinikum der Universität München. Für seine Arbeiten wurde Weber unter anderem mit dem Outstanding Achievement Award der European Society of Cardiology und dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet.

Der ERC Advanced Investigator Grant

Der ERC fördert mit dem Advanced Investigator Grant hochinnovative Forschung, die erheblich über den bisherigen Forschungsstand hinausgeht und neue Forschungsgebiete erschließt. Alleinige Auswahlkriterien in der Begutachtung sind einerseits die erwiesene herausragende wissenschaftliche Exzellenz der Antragsteller sowie die Originalität und Stimmigkeit der Projektvorschläge.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dirk Trauner
Lehrstuhl für Chemische Biologie und Genetik
Fakultät für Chemie und Pharmazie
Tel.: 089 / 2180 - 77800
Fax: 089 / 2180 - 77972
E-Mail: Dirk.Trauner@cup.uni-muenchen.de
Prof. Dr. med. Christian Weber
Direktor des Instituts für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten und Lehrstuhl für Präventive Vaskuläre Medizin (August-Lenz-Stiftung) am Klinikum der Universität München
Tel.: 089 / 5160 - 4350
Fax: 089 / 5160 - 4352
E-Mail: kreislaufinstitut@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Künstliche Intelligenz erobert die Fahrzeugentwicklung
21.09.2018 | Technische Universität Berlin

nachricht Preis für Arbeit über autonomes Fahren
11.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics