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Max-Planck-Wissenschaftler freuen sich über ERC-Grants

22.01.2010
Max-Planck-Gesellschaft erfolgreichste deutsche Forschungseinrichtung im europäischen Wettbewerb des Forschungsrates ERC

Nachdem Ende 2009 bereits fünf Wissenschaftler aus der Max-Planck-Gesellschaft vom Europäischen Forschungsrat (ERC) je einen der begehrten "Advanced Grants" für etablierte Wissenschaftler erhalten haben, wurden nun die Ergebnisse für die Lebenswissenschaften bekannt gegeben: Peter Mombaerts vom Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt sowie Wieland Huttner und Suzanne Eaton, beide vom Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik, erhalten ebenfalls diese hohe Auszeichnung.

Bereits im September vergangenen Jahres wurden sechs "Starting Grants" an junge Wissenschaftler aus der Max-Planck-Gesellschaft vergeben. Mit insgesamt acht "Advanced Grants" reiht sich die Max-Planck-Institute an Position 4 unter den Top-Forschungseinrichtungen in Europa ein. In Deutschland liegt die Max-Planck-Gesellschaft an der Spitze, gefolgt von der Ludwig-Maximilians-Universität München mit drei, der Technischen Universität München und der Helmholtz-Gemeinschaft mit jeweils zwei erfolgreichen Anträgen.

Peter Mombaerts zählt zu jenen Forschern, die den Weg eines Duftstoffes durch Nase und Gehirn aufgeklärt haben. Seine Abteilung für Molekulare Neurogenetik in Frankfurt untersucht am Geruchssinn von Mäusen, wie genetische Informationen ausgewählt und umgesetzt werden. Rund 1200 Geruchsrezeptor-Gene im Erbgut der Nager diktieren, wie Düfte wahrgenommen werden. Sie sind auf fast allen Chromosomen verteilt. Was den Geruchssinn so kompliziert macht: Jedes Geruchsmolekül kann an mehrere Rezeptoren binden, und umgekehrt. Jede Nervenzelle, die für den Geruchssinn verantwortlich ist, exprimiert ein Geruchsrezeptor-Gen - und nur ein Allel. Die Mechanismen, welche die Auswahl dieser Rezeptor-Gene bestimmen, sind seit ihrer Entdeckung 1991 unklar. Peter Mombaerts will diese nun weiter entschlüsseln - ein Vorhaben, das der Europäische Forschungsrat nun mit 2,5 Millionen Euro unterstützt.

Wie wird das Gehirn in der Evolution größer?

Dieser fundamentalen Frage gehen Wieland Huttner und seine Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden nach. Die Forscher untersuchen, welche Gene verantwortlich für die Vergrößerung des Gehirns in der Evolution von Säugetieren sind, von Primaten bis hin zum Menschen. Dafür charakterisieren sie neurale Stammzellen, aus denen Nervenzellen hervorgehen. Diese Stammzellen bilden beim Menschen, verglichen mit anderen Primaten bzw. Säugetieren, sehr viel mehr Nervenzellen. Die genetische Grundlage dafür soll nun genauer erforscht und die dafür verantwortlichen "Gen-Kandidaten" in Mäusen getestet werden. "Das Wissen dieser Zusammenhänge ermöglicht Einblicke in die evolutionäre Entwicklung des Gehirns und kann in Zukunft den Einsatz von Stammzellen zur Therapie bei neurogenerativen Erkrankungen ermöglichen", hofft der Zell- und Neurobiologe. Sein Forschungsvorhaben wird ebenfalls mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert.

Ballett der Zellen

Im Zeitraffer betrachtet, bewegen sich Zellen im Embryo scheinbar völlig chaotisch und unorganisiert, und gruppieren sich schließlich doch zu Zellverbänden, Geweben und Organen. Wie aber wissen die Zellen, an welchen Ort sie wandern müssen? Und was genau bewirkt die Bewegung der Zellen? Während die Gene und die zeitliche Abfolge ihrer Aktivität schon gut erforscht sind, ist über den mechanischen Aspekt wenig bekannt. Dieser Frage geht die dritte erfolgreiche Bewerberin nach, Suzanne Eaton, die vom Europäischen Forschungsrat mit rund 1,5 Millionen Euro unterstützt wird. Als Untersuchungsobjekt dient ihrer Dresdner Arbeitsgruppe die Fruchtfliege. Hier untersuchen die Forscher die Entstehung der Flügel im Puppenstadium des Insekts. Dabei sehen sie, wie die späteren Flügelzellen durch die Kontraktion von Geweberändern einer mechanischen Spannung ausgesetzt werden. Dadurch werden die Zellen neu arrangiert und in Richtung eines Flügels geformt. An diesem Beispiel möchten die Forscher die Choreographie verstehen, die aus einzelnen Zellen Gewebe entstehen lässt.

Insgesamt wurden in der zweiten Antragsrunde 480 Millionen Euro Fördermittel vergeben. Dafür gingen 1.583 Anträge bei der EU ein. "Das Ergebnis der MPG ist insgesamt sehr gut: Ein Drittel aller 24 Projektanträge (33,3 Prozent) wird gefördert", sagt Rüdiger Hesse, vom Brüsseler Büro der Max-Planck-Gesellschaft. Die ERC-Quote liege lediglich bei 15 Prozent. Die chemischen, physikalischen und technischen Institute haben 13 Anträge eingereicht, von denen fünf gefördert werden. Die biologisch-medizinische Sektion war mit neun Anträgen vertreten, von denen drei gefördert werden, davon zwei im Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden. Die geistes-, sozial- und humanwissenschaftlichen Institute hatten zwei Anträge eingereicht.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Dr. Dr. Peter Mombaerts
Max-Planck-Institut für Biophysik, Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 6303-4000
E-Mail: peter.mombaerts@biophys.mpg.de
Prof. Dr. med. Wieland Huttner
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden
Tel.: +49 351 210-1500
E-Mail: huttner@mpi-cbg.de
Dr. Suzanne Eaton
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden
Tel.: +49 351 210-2526
E-Mail: eaton@mpi-cbg.de

Barbara Abrell | idw
Weitere Informationen:
http://erc.europa.eu/

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