Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Manfred Thumm erhält Heinrich-Hertz-Preis 2012

06.07.2012
Die EnBW-Stiftung verleiht heute gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Heinrich-Hertz-Preis an Professor Manfred Thumm.
Der frühere Leiter des Instituts für Hochleistungsimpuls- und Mikrowellentechnik (IHM) am KIT erhält die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine wissenschaftlichen Arbeiten zu Erzeugung, Transport und Umwandlung hoher und höchster Mikrowellenleistungen für die Fusionsforschung. Deren Ziel ist es, eine dauerhafte, sichere, grundlastfähige und CO2-arme Energiequelle zu entwickeln.

Den Preis übergeben Dr. Hans-Josef Zimmer, Technikvorstand der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, und KIT-Präsident Professor Eberhard Umbach gemeinsam beim Tag der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik des KIT, der heute ab 15 Uhr im Tulla-Hörsaal auf dem KIT-Campus Süd stattfindet (Englerstraße 11, Gebäude 11.40). Die EnBW-Stiftung und das KIT, davor die Universität Karlsruhe (TH), vergeben den Heinrich-Hertz-Preis seit 1975 für besondere wissenschaftliche oder technische Leistungen auf dem Gebiet der Erzeugung, Verteilung und Anwendung elektrischer Energie oder für andere anwendungsorientierte Forschungstätigkeiten.

Manfred Thumm ist international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Energiegewinnung durch Kernfusion. Zu seinen Verdiensten in Forschung und Lehre zählen insbesondere die Beiträge auf dem Gebiet der Plasmaphysik und der Hochleistungsmikrowellentechnik. „Auf diesen Preis bin ich besonders stolz, weil mit Heinrich Hertz auch meine eigene Vorlesungstätigkeit am KIT verbunden war“, sagt Professor Manfred Thumm. „Hertz hat in den 1880er-Jahren am damaligen Polytechnikum Karlsruhe mit seiner Hochfrequenzmesstechnik erstmals die elektromagnetischen Wellen nachgewiesen. Ich habe hier zwischen 1991 und 2011 die Vorlesung ‚Mikrowellenmesstechnik‘ gehalten und mit zwei Kollegen das zugehörige Lehrbuch geschrieben.“

Die Hochleistungsmikrowellentechnik beschäftigt sich mit der Erzeugung, dem Transport, der Diagnostik und der Anwendung hoher und höchster Mikrowellenleistungen und liefert einen entscheidenden Beitrag für die Fusionsforschung. Ziel der Fusionsforschung ist es, eine nahezu unerschöpfliche, sichere, grundlastfähige und CO2-arme Energiequelle zu entwickeln, die das Potenzial hat, in Zukunft entscheidend zum Energiemix beizutragen. Bei der Fusion wird aus der Verschmelzung von Atomkernen – nicht durch deren Spaltung wie in Kernkraftwerken – Energie gewonnen. Dabei werden in speziellen Fusionskraftwerken Plasmen, das sind Gase mit freien Ladungsträgern, auf über 110 Millionen Grad Celsius erhitzt. Für das Erreichen der erforderlichen hohen Heizleistungen spielt die Elektronen-Zyklotron-Resonanzheizung eine entscheidende Rolle: Bei dieser Heizmethode nimmt das eingeschlossene Plasma die benötigte Energie über eingestrahlte Mikrowellenleistung auf – bei sehr hohen Frequenzen von 140 bis 170 Gigahertz. Während seiner über 35-jährigen wissenschaftlichen Arbeit hat Manfred Thumm entscheidend dazu beigetragen, die Elektronen-Zyklotron-Resonanzheizung als festen Bestandteil zukünftiger Fusionskraftwerke zu etablieren. In enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Plasmaphysik der Universität Stuttgart und der Firma Thales Electron Devices (TED) hat Manfred Thumm als erster Gyrotronröhren – höchst leistungsfähige Generatoren für kurzwellige Mikrowellen – zur Serienreife gebracht. Maßgeblichen Anteil hat seine Arbeit auch an den Versuchsanlagen Wendelstein 7-X in Greifswald und ITER im französischen Cadarache, welche die Entwicklung künftiger Fusionsreaktoren vorantreiben.

Ein Foto der Preisverleihung kann nach der Veranstaltung angefordert werden unter: presse@kit.edu oder +49 721 608-47414.
Zur Person
Manfred Thumm, Jahrgang 1943, studierte von 1966 bis 1972 an der Universität Tübingen Physik und promovierte 1976 im Bereich experimentelle Kernphysik mit Auszeichnung. Anschließend war er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ab 1982 dann als Gruppenleiter am Institut für Plasmaforschung der Universität Stuttgart. Nach Karlsruhe kam er 1990: als Professor für Mikrowellentechnik am Institut für Höchstfrequenztechnik und Elektronik (IHE) der damaligen Universität Karlsruhe (TH) und als Leiter der Abteilung für Gyrotronentwicklung und Mikrowellentechnik am Institut für Technische Physik (ITEP) am früheren Forschungszentrum Karlsruhe. Von 1999 bis 2011 leitete er dort das Institut für Hochleistungsimpuls- und Mikrowellentechnik (IHM). Manfred Thumm engagiert sich besonders für die nationale und internationale Zusammenarbeit in der Fusionsforschung. So ist er unter anderem Mitglied im Fachausschuss „Vakuumelektronik und Displays" der Informationstechnischen Gesellschaft (ITG) im Verband der Elektrotechnik (VDE), dem er von 1996 bis 1999 vorsaß. Er ist Mitglied im „Coordinating Committee for the Development Programme for Electron Cyclotron Wave Systems for ITER" der Kommission der Europäischen Gemeinschaft, EURATOM, in Brüssel, sowie im „Internationanal Advisory Committees“ des weltweiten Verbands Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE). Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität St. Petersburg (2002), Kenneth-John-Button-Preis und -Medaille des Londoner Institute of Physics (2000) sowie die Ernennung zum IEEE-Fellow (2002). Im vergangenen Jahr erhielt Manfred Thumm den Preis für Innovation in der Plasmaphysik (Plasma Physics Innovation Prize) der European Physical Society (EPS). Zurzeit leitet er das von der russischen Regierung mit 3,2 Millionen Euro geförderte Projekt „Laboratory of Advanced Research on Millimeter Wave and Terahertz Radiation“ an der Novosibirsk State University. Zu Manfred Thumms wissenschaftlichen Veröffentlichungen zählen neben vier Büchern, 270 Artikeln in Zeitschriften und 1200 Beiträgen zu Tagungsbänden auch zwölf Patente zu aktiven und passiven Mikrowellenkomponenten.

In der Energieforschung ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine der europaweit führenden Einrichtungen: Das KIT-Zentrum Energie vereint grundlegende und angewandte Forschung zu allen relevanten Energieformen für Industrie, Haushalt, Dienstleistungen und Mobilität. In die ganzheitliche Betrachtung des Energiekreislaufs sind Umwandlungsprozesse und Energieeffizienz mit einbezogen. Das KIT-Zentrum Energie verbindet exzellente technik- und naturwissenschaftliche Kompetenzen mit wirtschafts-, geistes- und sozialwissenschaftlichem sowie rechtswissenschaftlichem Fachwissen. Die Arbeit des KIT-Zentrums Energie gliedert sich in sieben Topics: Energieumwandlung, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Energieverteilung, effiziente Energienutzung, Fusionstechnologie, Kernenergie und Sicherheit sowie Energiesystemanalyse. Forschung, Lehre und Innovation am KIT unterstützen die Energiewende und den Umbau des Energiesystems in Deutschland. Klare Prioritäten liegen in den Bereichen Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, Energiespeicher und Netze, Elektromobilität sowie dem Ausbau der internationalen Forschungszusammenarbeit.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Monika Landgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Weltweit einzigartige Femtosekundenlaseranlage eingeweiht
21.06.2018 | Hochschule RheinMain

nachricht Stahl-Innovationspreis 2018: Mikro-Dampfturbine ausgezeichnet
21.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics